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Individuen, Institutionen und Gesellschaften

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Individuen, Institutionen und Gesellschaften

Jeder von uns ist Teil der Gesellschaft, aber wie wirken wir als Einzelner, als Individuen, auf sie ein und wie beeinflusst sie uns in unserem eigenen Handeln? Das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft ist in der Moderne komplex vermittelt. Auf der Mikroebene spielen Netzwerke und Gruppen eine zentrale Rolle, auf der Mesoebene Institutionen, auf der Makroebene Funktionssysteme. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dieses Profilbereichs erforschen, wie Institutionen (Märkte, Rechtsordnungen, Kultursysteme) diese Vermittlung leisten und entwickelt von hier aus eine neue Sicht auf Mikrophänomene (Entwicklung von Persönlichkeit und Handlungskompetenz, Individualisierungsprozesse) wie auf Makrophänomene (Weltgesellschaft, Globalisierung). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dieses Profilbereichs möchten dabei wesentliche Faktoren identifizieren, die in diesem Wechselspiel sozialen Zusammenhalt, Chancengleichheit, Effizienz, Ressourcenschutz und die Entwicklung von individuellen Handlungskompetenzen beeinflussen.

Um diesem breiten Spektrum an Fragen gerecht zu werden, müssen viele Perspektiven eingenommen werden. Unsere Forschung nutzt deshalb Synergieeffekte der Zusammenarbeit fachlich grundierter, aber interdisziplinär ausgerichteter bestehender Forschungsinstitutionen aus der Rechts- und Staatswissenschaftlichen sowie der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn. 

Aus ökonomischer Perspektive ist zur Beantwortung dieser Forschungsfragen der verhaltensökonomische Ansatz zentral, der psychologische Prinzipien des individuellen Verhaltens im ökonomischen Modellrahmen mit institutionellen Bedingungen verknüpft. Dabei werden unter Berücksichtigung rechtlicher, politischer, kultureller und gesellschaftlicher Randbedingungen theoretische Modellanalysen mit systematischen empirischen Analysen des sozioökonomischen Verhaltens kombiniert. Wenn nicht auf vorhandene Daten, wie offizielle statistische Erhebungen von Ämtern und Behörden, zurückgegriffen werden kann, müssen die Forscherinnen und Forscher selbst aktiv werden. Dafür nutzen sie großangelegte empirische Studien und Befragungen und kombinieren diese mit randomisierten Feld- und Laborexperiment, die beispielsweise im BonnEconLab, einem der ältesten Labore für experimentelle Wirtschaftsforschung, durchgeführt werden.

Aus rechtswissenschaftlicherPerspektive steht die Frage an, welche Institutionen gesellschaftliche Normordnungen individuell verankern und wie individuell erhobene Anforderungen die Wandlungsfähigkeit von Rechtsystemen herausfordern, bis zu Extremformen individueller oder kollektiver Selbstermächtigung, die auf der Grundlage eigener Weltbilder oder Werteordnungen die Legitimität der Rechtsinstitutionen selbst in Frage stellen. Das „Forschungskolleg normative Gesellschaftsgrundlagen“ unter Prof. Dr. Dr. Udo di Fabio untersucht in interdisziplinärer Perspektive normative Ordnungen, die in Institutionen als sozial beglaubigte Verhaltensdispositionen mittels Erziehung oder Nachahmung verankert sind. Das Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“ unter seinem Gründungsdirektor Prof. Dr. Werner Gephart fragt u.A. nach den kulturellen Deutungsmustern, Symbolen und Ritualen, die als auch ästhetisch beglaubigte Praxis dem Recht Geltung verschaffen.

Aus kultur- und sozialwissenschaftlicher Perspektive steht die Bedeutung von Ideen, Weltbildern, Symbol- und Bedeutungssystemen im Zentrum, die in einer funktional ausdifferenzierten Weltgesellschaft Institutionen einerseits legitimieren, andererseits in ihrer Wandlungsfähigkeit und Dynamik offen sind für gesellschaftlichen Wandel. Das „Forum Internationale Wissenschaft“ unter der Leitung Prof. Rudolf Stichweh untersucht die Rolle von Institutionen in den Bereichen Demokratie, Wissenschaft und Religion im Rahmen einer Theorie der Weltgesellschaft. Das Internationale Zentrum für Philosophie NRW unter der Leitung von Prof. Dr. Michael N. Forster und Prof. Dr. Markus Gabriel diskutiert solche Fragen zwischen Philosophie und benachbarten Disziplinen. Der neu eingerichtete Lehr- und Forschungsbereich Provenienzforschung, am Institut für Kunstgeschichte der Philosophischen Fakultät mit zwei Professuren (Prof. Dr. Christoph Zuschlag; Jun. Prof. Dr. Ulrike Saß), in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät mit einer weiteren Professur (Prof. Dr. Matthias Weller) ausgestattet, verbindet die Fragen von Eigentumsordnung und ästhetischer Geltung mit der Problematik normativ gebotener Wiedergutmachung.

 

Inspiration aus Tradition

Das oben erwähnte BonnEconLab geht auf Reinhard Selten zurück. Bereits 1984 gründete der spätere Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften (1994) das Labor. Sein Mut Dinge anders zu denken inspiriert Forscherinnen und Forscher wie den hochprämierten Prof. Armin Falk, der das EconLab derzeit leitet, noch heute. Nicht zuletzt deshalb hat die Uni Bonn gemeinsam mit den Kölner Kolleginnen und Kollegen erst kürzlich das  Reinhard Selten Institutegegründet. Sprecher von Bonner Seite ist der ebenfalls mehrfach ausgezeichnete Prof. Benny Moldovanu. Er und seine Kolleginnen und Kollegen wollen einen Ort schaffen, an dem sowohl erfahrene als auch jüngere Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher miteinander in Kontakt kommen und eigene Forschungsvorhaben umsetzen können. Nur ein Beispiel, wie die Bonner Forschenden versuchen Gutes noch besser zu machen: mit messbarem Erfolg. Im Shanghai-Ranking 2017etwa der chinesischen Jiaotong Universität belegt die Uni Bonn in den Wirtschaftswissenschaften national den ersten Platz. International erreicht sie Platz neunundzwanzig.

Die Verbindung von wirtschaftlichen, rechtlichen, philosophischen und sozialwissenschaftlichen Fragen hat in Bonn eine große Tradition. 1925 wurde Joseph A. Schumpeter an die Staatswissenschaftliche Fakultät berufen. Er las dort nicht nur die reine Wirtschaftslehre und machte Bonn zum Mekka der mathematischen Methode in der Ökonomie, sondern er leitete auch mit dem Rechtshistoriker Fritz Kern, dem Philosophischen Erich Rothacker und dem Romanisten Ernst Robert Curtius ab 1930 eine „Philosophisch-soziologische Arbeitsgemeinschaft“, die in interdisziplinärer Zusammenarbeit aus beiden Fakultäten die Fragen der Vermittlung von Ökonomie, Philosophie, Kultur und Gesellschaft zu klären versuchte, ohne die Vorteile fachwissenschaftliche Spezialisierung aus den Augen zu verlieren.

Doch die Bonner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen nicht nur über Individuen, Institutionen und Gesellschaften, sie sind auch durch vielfältigen Transfer bemüht, ihr Wissen an diese zurückzugeben. Gerade die Zusammenarbeit mit der Politik ist besonders eng, wofür die Bedeutung der Politischen Wissenschaft unter Karl Dietrich Bracher Zeugnis ablegt. Kein Wunder, sind die wissenschaftlichen Fragen im Profilbereich „Individuen, Institutionen und Gesellschaften“ fast immer politikrelevant. So kommt es, dass beispielsweise Professorin Isabel Schnabel laut  F.A.Z.-Ökonomieranking 2017zu den zehn einflussreichsten Ökonominnen und Ökonomen im deutschsprachigen Raum zählt. Und auch andere bringen oder brachten sich in wissenschaftlichen Beiräten, als Richter am Bundesverfassungsgericht oder auch durch Präsenz in den Medien in die Gesellschaft mit ein.

Forschungsprojekte

SFB TR 224 - Ökonomische Perspektiven auf gesellschaftliche Herausforderungen: Chancengleichheit, Marktregulierung und Finanzmarktstabilität

GRK 2281 - Die Makroökonomik der Ungleichheit

BMBF: Käte Hamburger Kolleg "Recht als Kultur"

EU: ENERI - European Network of Research Ethics and Research Integrity

Akademieprojekt: Grundlagen, Normen und Kriterien der ethischen Urteilsfindung in dem Biowissenschaften-Referenzzentrum

 

Auszeichnungen

1 Leibniz Preis:

Prof. Dr. Armin Falk (2009)

1 Humboldt-Professur:

Prof. Dr. Michael Neil Forster (2013-2018)

1 ERC Starting Grant:

Prof. Dr. Stephan Lauermann

2 ERC Consolidator Grants:

Prof. Dr. Christian Bayer, Prof. Dr. Moritz Schularick

1 ERC Advanced Grant:

Prof. Dr. Armin Falk (beurlaubt)

 

Lehre

BGSE - Bonn Graduate School of Economics

Master of Science "Economics"

Bachelor of Science "Volkswirtschaftslehre"


Beteiligte

 

BICC - Bonn International Center for Conversion

BonnEconLab - Laboratorium für experimentelle Wirtschaftsforschung

briq - Institute on Behavior & Inequality

CASTLE - Center for Advanced Studies in Law and Economics 

CENs - Center for Economics and Neuroscience

FIW - Forum Internationale Wissenschaft

HCM - Hausdorff Center for Mathematics

IAME - Institute for Applied Microeconomics

Institut für Finanzmarktökonomie und Statistik

Institut für Makroökonomik und Ökonometrie

Institut für Mikroökonomik

IZA - Institut zur Zukunft der Arbeit

Käte Hamburger Kolleg "Recht als Kultur"

MPI - Max Planck Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern

RSI - Reinhard Selten Intsitut

Kontakt

Prof. Dr. Thomas Dohmen
Institut für angewandte Mikroökonomik, Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA)

Prof. Dr. Clemens Albrecht
Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie

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