Nachhaltigkeit aus individueller, institutioneller und gesellschaftlicher Perspektive
Klimawandel, Nachhaltigkeit und ökologisch bedingte Ungleichheit sind als entscheidende gesellschaftlich Herausforderungen unserer Zeit sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene anerkannt. Dabei erzeugt der Klimawandel seinerseits globale, gesellschaftliche sowie intergenerationale Ungleichheiten und macht somit eine ökologische Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft zwingend erforderlich, die wiederum einer weiteren Vertiefung sozialer Ungleichheiten entgegenwirken muss. Welche institutionellen Mechanismen sind hierfür relevant und wie können gesellschaftliche Prozesse angestoßen und begleitet werden? Zugleich korrelieren hiermit Fragen nach individuellen Kenntnissen und Kompetenzen, nach Gewohnheiten, Verhaltensstilen und Persönlichkeitsmerkmalen, aber auch nach Motiven, Zielen und (Bildungs-) Kontexten, die sich nur in der Zusammenarbeit von Ökonomie, Soziologie, Rechtswissenschaften, Psychologie u.a. beantworten lassen.
Projekte im Profilbereich 'Nachhaltigkeit'
Susanne Bell (WMA)
Madeleine Charlotte Kehahn (WHF)
Julia Noppeney (WHF)
Ehemalige Mitarbeiter*innen:
Roman Zelljahn (SHK)
Informationen zum Projekt
Das durch die Stiftung Mercator geförderte Forschungsprojekt SOZIAHR („Soziale, Ökonomische und Administrative Herausforderungen von Klima-Resilienz“) beschäftigt sich aus sozialwissenschaftlicher Sicht mit den mittel- bis langfristigen Folgen der Flutkatastrophe im Ahrtal vom 14. Juli 2021. Dabei kooperieren die Fachbereiche der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie der Geographie der Universität Bonn mit dem Wuppertal Institut, welches auf Forschung zu Klima-, Umwelt- und Ressourcenaspekten spezialisiert ist.
Das Tiefdruckgebiet Bernd, das unter anderem in der rheinland-pfälzischen Weinregion 135 Todesopfer zählte, sorgte weltweit für Aufsehen. Es hatte nicht nur enorme infrastrukturelle Schäden zur Folge, sondern auch starke Auswirkungen auf das Leben von zehntausenden Menschen in der Region. Das Team von SOZIAHR untersucht die bestehenden Regelungen und behördlichen Prozesse im privaten Wiederaufbau sowie wichtige Voraussetzungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, den Erhalt der Demokratie sowie die Umsetzung von Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen.
Dabei bearbeitet das Team von SOZIAHR drei zentrale Problembereiche:
1. Welche Auswirkungen haben die Flutkatastrophe sowie die darauffolgenden politischen Maßnahmen auf die Bevölkerung? Wie stark hängt die individuelle Betroffenheit mit Merkmalen wie Alter, wirtschaftlicher Lage und persönlichen Lebensumständen zusammen?
2. Wie können administrative Prozesse, rechtliche Vorgaben und staatliche Förderlinien sowohl auf Klimaschutz und Klimaanpassung ausgerichtet als auch sozial gerecht gestaltet werden?
3. Wie können konkrete Anreize für Privatpersonen geschaffen werden, ihren Wiederaufbau klimaresilient zu gestalten und Klimaschutzpolitik aktiv zu unterstützen?
Ziel von SOZIAHR ist es, einerseits einen Beitrag zur mittel- und langfristigen Krisenbewältigung im Ahrtal selbst leisten, andererseits empirisch fundierte Empfehlungen für andere Regionen erarbeiten, um die Auswirkungen zukünftiger Katastrophen abzumildern.
- Literarische Lesung (01.07.2024): "Das Ahrtal des Mitgefühls. 89 Fragmente aus dem Leben nach der Flut" (Ursula Schnabel, Vorwort von Susanne Bell)
- Workshop (18.11.2024): Soziale Herausforderungen im Wiederaufbau
- Workshop (18.03.2025): "Vulnerable Gruppen im Wiederaufbau"
- Workshop (11.06.2025): "Hilfsorganisationen und Vereine im Wiederaufbau"
- Kick-Off-Veranstaltung für das Projekt "SOZIAHR" (31.10.2025)
- WiSe 2024/25: Begegnungsorte im Ahrtal nach der Flutkatastrophe (Exkursion)
- WiSe 2024/25: Erinnerungskultur im Ahrtal nach der Flutkatastrophe (Exkursion)
Projekt-Website
Die Resilienzkapazitäten der Gemeinschaft (z.B. Sozialkapital, Netzwerke, Lernen, Führung, kollektive Selbstwirksamkeit) und die Gesundheit der Ökosysteme sind beide entscheidend für die Anpassung der Küsten an den Klimawandel. Um mit gezielten politischen Maßnahmen Kapazitäten für Mensch und Natur zu schaffen, bedarf es kluger sozialer und institutioneller Konzepte, die über die typischen Vorteile hinausgehen, die von nature-based solutions angeboten werden. Das Projekt SocialByNature untersucht die Realisierbarkeit (viability), Wünschbarkeit (desirability) und Durchführbarkeit (feasibility) von nature-based solutions an tropischen Küsten, um durch eine wissenschaftlich fundierte institutionelle Gestaltung tiefgreifende soziale Co-Benefits zu ermöglichen und gleichzeitig die Wirksamkeit der Wiederbelebung und des Managements der Natur an der Küste zu verstärken.
Abgeschlossene Projekte im Profilbereich 'Nachhaltigkeit'
Johanna Fink (WHK)
Ökologischer Wandel wirft neue soziale Verteilungsfragen auf und erzeugt soziale Verwerfungen und Spannungslagen. Diese Zusammenhänge und Rückkopplungseffekte zu analysieren ist nicht nur eine erkenntnistheoretische Fragestellung, sondern zugleich auch Voraussetzung für die Entwicklung entsprechender Problemlösungsansätze.
Jun.-Prof. Dr. Lisa Biber-Freudenberger
Dr. Jonas Hein (German Institute of Development and Sustainability, IDOS)
Projektmitarbeiter*innen
Nora Utecht (SHK)
Nachhaltigkeitsforschung sucht Lösungen für komplexe sozial-ökologische Probleme durch eine explizit inter- und transdisziplinäre Herangehensweise. Sie ist jedoch hauptsächlich auf den Globalen Norden ausgerichtet. In diesem Projekt gehen wir der Frage nach, wie die Nachhaltigkeitswissenschaft in Ländern des ‚Globalen Südens‘ konzeptualisiert wird und wie das inter- und transdisziplinäre Feld der Nachhaltigkeitswissenschaft auf globaler Ebene gestärkt werden kann.
VeranstaltungenRound Table Discussion: Sustainability science in a Global North-South dialogue (14.07.-19.07.2024)