Wenn US-Präsident Donald Trump wegen angeblicher Unruhen die Nationalgarde in Washington einsetzt, halten Bürger:innen mit ihrem Smartphone dagegen. Ihre Videos zeigen dann etwa spielende Kinder – keine Spur von Aufruhr. Auch im Iran richtet sich die Bevölkerung gegen die Obrigkeit: Was dort während der Proteste auf den Straßen Teherans passiert, wird mit dem Smartphone aufgezeichnet und über Social Media verbreitet - so diese zugänglich sind.
„Jeder kann sich am Videoaktivismus beteiligen“, sagt Prof. Dr. Britta Hartmann von der Abteilung Medienwissenschaft. „Sobald ein selbst gedrehtes Video verbreitet wird und andere darauf antworten, ist ein politischer Raum eröffnet.“ Wer auf diese Weise politische Ziele oder Missstände beschreibt, gilt als Videoaktivst:in. Die Filmwissenschaftlerin hat zusammen mit Jens Eder und Chris Tedjasukmana das Buch „Understanding Video Activism on Social Media“ herausgegeben.
Die von den Aktivist:innen produzierten Videos werden auch von offiziellen Medien aufgegriffen – etwa vom Fernsehen. „Damit bleiben sie nicht auf den lokalen Protest beschränkt“, sagt die Filmwissenschaftlerin. „Das ist die große Chance, die solche Protestformen eröffnen.“ Ob die Wissenschaftlerin die These „Proteste funktionieren nicht ohne Videoaktivismus“ verifiziert (als wahr bestätigt) oder falsifiziert (widerlegt), hören Sie hier.
Zugespitzt und wissenschaftsnah
Zugespitzt und wissenschaftsnah – das ist der „Hypothese“-Podcast der Uni Bonn. Jeden ersten Donnerstag im Monat stellen sich renommierte Gäste einer zugespitzten Hypothese zu einem gesellschaftlich relevanten Thema. Moderiert von dem Journalisten Denis Nasser wägt jeweils eine Expertin oder ein Experte den Wahrheitsgehalt der Titelaussage ab und gibt abschließend ein Votum ab, ob die finale Einschätzung eher in Richtung „verifiziert“ (also als „wahr bestätigt“) oder falsifiziert (als „unwahr“ bestätigt) gehen würde.
Ihr habt Fragen, Anmerkungen oder einen Themenvorschlag? Wir freuen uns, von Euch zu hören unter kommunikation@uni-bonn.de!