07. Mai 2026

Treiber von Entzündung nach leichter Kopfverletzung Treiber von Entzündung nach leichter Kopfverletzung

Bonner Forschende entdecken mit dem Protein ASC einen potenziellen Ansatzpunkt für zukünftige Therapien

Leichte Hirnverletzungen, wie sie bei Unfällen, Sport oder Gewalt häufig vorkommen, können zu anhaltenden Gedächtnisproblemen und Demenzrisiko führen. Doch bisher fehlen Therapien gegen diese Folgeschäden. Ein Forschungsteam unter Federführung des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und der Universität Bonn haben nun entdeckt: Das Protein ASC – ein Baustein von zellulären Notruf-Knöpfen –  sorgt in Mäusen für langanhaltende Entzündungen im Gehirn bis zu 21 Tage nach der Verletzung. Das Forschungsteam erhofft sich durch die Aufklärung der Entzündungsmechanismen, die der traumatischen Hirnverletzung zugrunde liegen, Ansatzpunkte für zukünftige therapeutische Strategien. Die Arbeit im Journal of Clinical Investigation legt die Grundlage für zukünftige klinische Studien.

Treiber von Entzündung nach leichter Kopfverletzung
Treiber von Entzündung nach leichter Kopfverletzung - Dr. Dr. Sergio Castro-Gomez entdeckt mit dem Protein ASC einen potenziellen Ansatzpunkt für zukünftige Therapien. © Molekulare Kardiologie (UKB) / Juan Muñoz Manco
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Jedes Jahr erleiden rund 3 bis 5 Millionen Menschen in der EU und den USA eine traumatische Hirnverletzung (TBI). Meistens ist es eine leichte Hirnverletzung (mTBI) aufgrund einer geschlossenen Kopfverletzung (CHI), die durch Stürze, Verkehrsunfälle, Kontaktsportarten oder Gewalt verursacht werden. Obwohl sich die Symptome einer mTBI innerhalb von Tagen oder Wochen zurückbilden können, leiden bis zu 20 Prozent der Betroffenen unter anhaltenden körperlichen, kognitiven Verhaltensbeeinträchtigungen, die zu einer verminderten Lebensqualität und einem erhöhten Risiko für neuropsychiatrische Störungen, einschließlich Stimmungsstörungen und Demenz, führen.

Zentrale Rolle von ASC bei Aufrechterhaltung der Neuroinflammation

In unseren Immunzellen gibt es mit den Inflammasomen kleine Notrufsysteme. Bei Alarm hilft das Protein ASC diesen Notruf-Knopf durch Aggregatbildung zu aktivieren, wodurch Entzündungsstoffe entstehen. Inflammasome sind für chronische Entzündungen des zentralen Nervensystems, fachsprachlich Neuroinflammation, und sekundäre Schäden nach einem Trauma entscheidend, jedoch ist ihre Rolle bei leichten traumatischen Hirnverletzungen kaum bekannt. „In unserer Studie konzentrierten wir uns in erster Linie auf die Inflammasom-Aktivierung und ihre funktionelle Bedeutung in CHI-Modellen“, sagt Korrespondenz- und Co-Erstautor Dr. Dr. Sergio Castro-Gomez, Neuroscience Clinician Scientist vom Zentrum für Neurologie und Nachwuchsgruppenleiter am Institut für Physiologie II am UKB. Er ist Mitglied im Exzellenzclusters ImmunoSensation3 und im Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Present Pasts“ der Universität Bonn.

In Mausmodellen ohne ASC konnten die Forschenden zeigen, dass die Aktivierung der Mikroglia, den Immunzellen im zentralen Nervensystem, und den sternförmigen Stützzellen im Gehirngewebe, fachsprachlich Astrozyten schwächer war. Zudem entstanden weniger Entzündungsstoffe wie Interleukin-1β. Die Mäuse zeigten auch weniger Gedächtnisstörungen in Tests. Auf der anderen Seite breiteten sich ASC-Aggregate stark aus und verschlimmerten den Schaden. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Inflammasom-Adapterprotein ASC ein Schlüsselelement bei neuroinflammatorischen Reaktionen und kognitiven Beeinträchtigungen nach einer leichten Hirnverletzung ist“, sagt Co-Erstautor Dr. Tao Li.

ASC-Blocker könnten Entzündungen stoppen und Heilung fördern

Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um ein umfassendes Verständnis der spezifischen zeitlichen Beteiligung von Inflammasomen bei unterschiedlichen Schweregraden von Verletzungen und Risikofaktoren für Neurodegeneration zu erlangen. Castro-Gomez resümiert: „Doch bereits in Anbetracht unserer jetzigen Ergebnisse könnten pharmakologische Interventionen, die auf ASC abzielen, dazu beitragen, Neuroinflammation zu mildern und möglicherweise die Neuroprotektion zu fördern, wodurch die Genesung nach Verletzungen verbessert und weitere Neurodegeneration und Beeinträchtigungen verhindert werden könnten.“

Neben dem UKB und der Universität Bonn war die University of Luxembourg beteiligt. Die Arbeit wurde von der Alzheimer Forschung Initiative e.V, dem Hertie Network of Excellence in Clinical Neuroscience, dem Neuroscience Clinician Scientist und BONFOR Programm der Medizinischen Fakultät Bonn, dem Exzellenzcluster ImmunoSensation3, dem PEARL-Programm des Lucembourg National Research Fund (FNR) gefördert.

Tao Li, Sergio Castro-Gomez et al.: Inflammasome adaptor ASC promotes sustained neuroinflammation and mild cognitive impairment in a closed-head injury mode; Journal of Clinical Investigation; DOI: 10.1172/JCI199818

Dr. Dr. Sergio Castro-Gomez
Zentrum für Neurologie & Institut für Physiologie II
Universitätsklinikum Bonn
Exzellenzcluster ImmunoSensation3 & TRA „Present Pasts“
Universität Bonn
Telefon: +49 228 287 53217
E-Mail: sergio.castro-gomez@ukbonn.de

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