Veranstaltungsreihe zur (Ent-)Demokratisierung

Die aktuelle politische Lage unterstreicht die Dringlichkeit, sich mit den Herausforderungen, vor denen unsere Demokratie steht, auseinanderzusetzen – auf individuellen und gesellschaftlicher wie auch auf institutioneller Ebene. Daher laden das Prorektorat für Chancengerechtigkeit, das Gleichstellungsbüro und die TRA Individuen, Institutionen und Gesellschaften der Universiät Bonn im Wintersemester 2026/27 zu einem digitalen Lunch Talk ein: Jeden Mittwoch werden anhand von Beispielen die zahlreichen Projekte und Initiativen, die es rund um das Thema „Demokratie“ an der Universität Bonn gibt, vorgestellt und einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

Über Demokratie reden

Demokratie bedeutet, dass alle Menschen gleichberechtigt an politischen Entscheidungen teilhaben können und ihre Rechte geschützt werden. Sie ist kein selbstverständlicher Zustand, sondern ein fortwährender Prozess, der aktiv gestaltet werden muss. Strukturelle Ungleichheiten, Diskriminierung und mangelnde Teilhabechancen gefährden diesen Anspruch jedoch immer wieder. Besonders in Zeiten, in denen demokratische Institutionen und Rechte von Minderheiten unter Druck geraten, wird die gleichberechtigte Einbindung aller Menschen – insbesondere marginalisierter Gruppen wie Frauen, People of Color, LSBTIAQ*-Personen, Menschen mit Migrationsbiografien oder Behinderungen – zur zentralen Aufgabe, um den Idealen von Inklusion und Teilhabe gerecht zu werden.

Die Veranstaltungsreihe “Let’s talk Democracy” möchte diesen Herausforderungen begegnen, indem sie im Wintersemester 2026/27 und Sommersemester 2027 verschiedene Formate wie Lesungen, Lunchtalks und Vorträgen an der Universität anbietet. Ziel ist es, einen Raum für Austausch, Reflexion und Handlungsimpulse zu schaffen, denn Demokratie lebt vom Mitmachen, Hinterfragen und gemeinsamen Gestalten.

Die Reihe richtet sich an alle Hochschulmitglieder, die sich für eine lebendige, gerechte und partizipative Demokratie einsetzen wollen.

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© Pixabay/Uni Bonn, PR Chancengerechtigkeit

Lunch Talks

Die digitalen Lunch Talks im Rahmen von “Let’s talk Democracy” bieten uni-internen Projekten, Initiativen und Akteur:innen eine Plattform, um ihre Arbeit rund um das Thema Demokratie sichtbar zu machen. Jede Veranstaltung stellt in einem ca. 30-minütigen Vortrag vor, was an der Uni Bonn zu Demokratie, Teilhabe und gesellschaftlicher Verantwortung passiert, gefolgt von einer 15-minütigen Diskussion mit dem Publikum.

Wann? - Jeden Mittwoch, ab dem 4. November, von 12:30 bis 13:15 Uhr. Weitere Termine folgen.
Wo? - Digital via Zoom

https://uni-bonn.zoom-x.de/j/63812121536?pwd=tPyGlTAlg9LxIie7KJgqfgoPXaZ9SR.1 
Meeting-ID: 638 1212 1536
Kenncode: 032725

Teilnahme nur mit Zoom-Lizenz der Universität möglich.

Lunch Talks WiSe 26/27

Demokratiebildung ist eine Aufgabe, die weit über den Politik- und Sozialkundeunterricht hinausgeht und alle Fächer sowie das Schulleben insgesamt betrifft. Der Vortrag beleuchtet, was Demokratiebildung im schulischen Kontext bedeutet und wie unterschiedliche Fächer dazu beitragen können, kritische Urteilsfähigkeit, Perspektivwechsel und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Am Beispiel des Englischunterrichts wird gezeigt, welche Potenziale sprachliches Lernen für Demokratiebildung eröffnet – etwa indem Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Perspektiven erschließen, Positionen reflektieren, Kontroversen aushandeln und sich an gesellschaftlichen Debatten beteiligen. Davon ausgehend öffnet der Vortrag die Perspektive auf andere Fächer und lädt dazu ein, gemeinsam darüber nachzudenken, wie Demokratiebildung als fächerübergreifende Aufgabe in Schule und Unterricht gestaltet werden kann.

Referent*innen: Prof. Dr. Ricardo Westin

Eventsprache: Deutsch

Demokratie beruht auf der Prämisse der freien Entscheidung ihrer Bürger. Was geschieht mit dieser Prämisse im Zeitalter der digitalen Manipulation – nicht durch andere Menschen, sondern durch abstrakte Algorithmen? Wie beeinflussen implizite Überzeugungen zur Frage des freien Willens unsere Beurteilung der sozialen Medien oder der weltweiten Tendenz zum Populismus?

Wir werden darlegen, dass implizite Vorstellungen vom freien Willen von Bedeutung sind und dass eine funktionierende Demokratie auf einer wissenschaftlich fundierten Vorstellung vom freien Willen beruhen muss. Wir argumentieren, dass sich eine solche Vorstellung tatsächlich herausbildet, und skizzieren ihre wesentlichen Merkmale sowie ihre Implikationen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Referent*innen: Dr. Oliver Braganza, PD Dr. Johannes Schultz

Eventsprache: Englisch

Flucht und Migration gehören zu den medial und politisch besonders umkämpften Themen unserer Zeit. Sie werden häufig zum Gegenstand polarisierter Debatten und zur Projektionsfläche für gesellschaftliche und strukturelle Problemlagen. Zugleich sind Migration und Mobilität ein regulärer Bestandteil gesellschaftlicher Entwicklung und demokratischer Gestaltung. So zeigt etwa der Streit um die (zivile) Seenotrettung im Mittelmeer exemplarisch, dass es dabei um mehr geht als um die konkrete Ausgestaltung der europäischen Migrations- und Asylpolitik: Verhandelt werden auch grundlegende Fragen darüber, wie demokratische Gesellschaften in Europa mit Mobilität, Grenzen, Solidarität, Pluralität und Menschenrechten umgehen – und welche Demokratie wir künftig gestalten wollen.

Die Bonn Platform for Forced Migration Studies setzt hier an und bringt Wissenschaftler*innen, Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung, Vereine, NGOs und kommunalpolitische Akteur*innen miteinander ins Gespräch. Dabei geht es nicht nur um Transdisziplinarität im Sinne eines Austauschs zwischen unterschiedlichen Wissensbeständen, sondern auch darum, eine postmigrantische Gesellschaft und ihre Formen demokratischer Teilhabe gemeinsam zu gestalten. Denn Demokratie lässt sich nicht nur abstrakt diskutieren – sie muss mit allen Teilen und Perspektiven der Gesellschaft verhandelt werden.

Referent*innen: Dr. Lena Laube & Dr. Sandra Gilgan, Universität Bonn; Mitgründerinnen der Bonn Platform for Forced Migration Studies 

Eventsprache: Deutsch

Wir werden zusammen mit verschiedenen Akteur*innen der Zivilgesellschaft eine neue gemeinsame Initiative vorstellen, um die demokratische Kompetenz insbesondere bei jungen (jüngeren) Menschen zu fördern.

Referent*innen: Prof. Dr. Matthias Braun

Eventsprache: Englisch

Dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, gilt vielen in den Kirchen als Zumutung der Gegenwart. Dabei war die Zweigeschlechtlichkeit auch in der Tradition nie so klar und stabil, wie es heute oft scheint: Die Bibel kennt Eunuchen und Figuren an den Rändern der Geschlechterordnung, Paulus erklärt die Unterscheidung von männlich und weiblich in Christus für aufgehoben, und die Kirchenväter dachten über den Auferstehungsleib ausgesprochen geschlechtsoffen nach. Seit den 1990er Jahren hat die Queere Theologie diese Spuren aufgenommen und die Zweigeschlechtlichkeit vor dem Hintergrund heutiger Emanzipationsbestrebungen als theologisch begründete Ordnung hinterfragt. Der Talk führt in die historische und theologische Debatte ein, skizziert die wichtigsten Linien bis zur Trans-Theologie und fragt, was sich daraus für die kirchliche und gesellschaftliche Praxis ergibt. Angesprochen sind alle, die sich mit dem Thema befassen, auch ohne theologische Vorkenntnisse.

Referent*innen: Prof. Dr. Andreas Krebs

Eventsprache: Deutsch

Im Jahr 2021 wurde „Moms for Liberty“ plötzlich zu einer bedeutenden Kraft in der amerikanischen Politik, indem sie sich für „Elternrechte“ und gegen die sogenannte „Critical Race Theory“ an öffentlichen Schulen einsetzte. Die in Florida gegründete Organisation breitete sich rasch in den gesamten Vereinigten Staaten aus; ihre Mitglieder kandidierten für Schulausschüsse, stellten Bücher in Schulen und Bibliotheken in Frage und lehnten Programme zur Förderung von Vielfalt und Inklusion ab. In jüngerer Zeit zielt ihre Initiative „Moms for Libraries“ darauf ab, konservative Bücher und Ideen in öffentlichen Bibliotheken zu fördern.

Doch was hat das mit Demokratie zu tun? Dieser Vortrag untersucht, wie eine Bewegung, die sich als Verteidigerin von Kindern, Familien, Freiheit und demokratischen Werten präsentiert, dazu beitragen kann, den Zugang zu Ideen und Perspektiven in öffentlichen Einrichtungen einzuschränken. „Moms for Liberty“ liefert ein aufschlussreiches Beispiel dafür, wie zeitgenössische rechte Politik durch scheinbar lokale und überparteiliche Anliegen wirken kann – und wie Kämpfe um Bücher, Schulen und Kinder Teil eines umfassenderen Streits darüber geworden sind, wessen Stimmen, Geschichten und Werte im amerikanischen öffentlichen Leben Platz haben.

Hier finden Sie weitere Informationen zu dem Projekt.

Referent*innen: PD Dr. Simone Knewitz

Eventsprache: Englisch

Weitere Informationen folgen.

Ob ein Studium an einer Universität die politischen Einstellungen der Studierenden verändert, ist Gegenstand einer zentralen politischen und gesellschaftlichen Debatte. Neue Studien unterstreichen, dass die politische Sozialisation wahrscheinlich vom Studienfach abhängt. Es wird angenommen, dass das Studium geisteswissenschaftlicher Fächer die politischen Ansichten nach links verschiebt, während Fächer, die sich auf technische oder wirtschaftliche Kompetenzen konzentrieren, keinen oder sogar den gegenteiligen Effekt haben. In diesem Vortrag präsentiere ich neue Erkenntnisse aus einer Stichprobe von Studierenden, die zwischen 1983 und 2015 an deutschen Hochschulen eingeschrieben waren. Diese Erkenntnisse stellen sowohl die Annahme fachspezifischer Sozialisationseffekte als auch die Annahme einer Verschiebung der politischen Orientierung während des Studiums infrage.

Referent*innen: Dr. Viktor Decker

Eventsprache: Englisch

Gesetze werden nicht nur zahlreicher, sondern auch stärker miteinander verschränkt und schwerer verständlich. Was bedeutet das für die Demokratie? Wir untersuchen, wie Bürger*innen regulatorische Komplexität wahrnehmen, wem sie die entstehenden Schwierigkeiten zuschreiben und wie sich das auf ihr Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Staates auswirkt. Dazu kombinieren wir eine Befragung zur Wahrnehmung verschiedener Politikfelder, KI-gestützte qualitative Interviews und ein anreizkompatibles Survey-Experiment am Beispiel des deutschen Sozialrechts. Im Vortrag stellen wir erste Ergebnisse vor und diskutieren eine grundlegende Spannung: Präzise Regeln können Einzelfällen gerecht werden, verständliche Regeln schaffen Transparenz und Vertrauen. Wie sollte ein demokratischer Staat diesen Zielkonflikt auflösen, und welche Rolle spielt Unverständlichkeit für populistische Erzählungen vom „überforderten Staat”?

Referent*innen: Julian König & Alexander Böcking (Bonn Graduate School of Economics)

Eventsprache: Deutsch

Früher dachten wir, die Demokratie befinde sich auf einem unaufhaltsamen Aufwärtskurs. Doch in letzter Zeit, zwischen digitalen Echokammern und zunehmender politischer Polarisierung, wirken die Institutionen der liberalen Demokratie etwas ins Wanken geraten. Wie vollzieht sich dieser Wandel also tatsächlich? Nicht nur durch große staatliche Entscheidungen, sondern ganz unten auf der Ebene der Alltagssprache.
 
In diesem Lunch-Vortrag geben wir erste Einblicke in ein hochaktuelles interdisziplinäres Forschungsprojekt. Anstatt sich ausschließlich mit abstrakten politischen Systemen zu befassen, konzentriert sich diese Forschung auf die Mikropolitik der täglichen Kommunikation und untersucht, wie Sprache sowohl die Öffnung der Gesellschaft als auch den Widerstand dagegen widerspiegelt (und vorantreibt).

Referent*innen: Prof. Dr. Svenja Kranich

Eventsprache: Englisch

Weitere Veranstaltungen

14.01.2027 – Lesung: Postpatriarchales Chaos

18 Uhr, Ort wird noch bekanntgegeben
Antje Schrupp

15.12.2026 – Lesung: Bitch Hunt

18 Uhr, Ort wird noch bekanntgegeben
Veronika Kracher 

30.09.-02.10.2026 – Tagung: Enabling Democracy

Bitte beachten Sie, dass die Veranstaltung auf Englisch stattfindet.

Universitätsclub Bonn e.V., Konviktstraße 9, 53113 Bonn
Hier geht es zum Programm.


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