„Wissenschaftsfreiheit bewahren heißt auch und vor allem, sich für die Early Career Researchers einzusetzen, idealiter mit der Unterstützung internationaler Partner“, so Prof. Dr. Birgit Ulrike Münch, Prorektorin für Internationales der Universität. „Die Auszeichnungen stehen für Exzellenz, Weltoffenheit und gelebte Internationalität – und sie zeigen, wie Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen mit ihren Arbeiten Verantwortung in einer globalen Wissenschaftsgemeinschaft übernehmen können.“
Nach der Keynote von Abigail Erikson, Head des neuen Global Office of UN Women in Bonn, die durch die Nennung von Fakten und persönlichen Erlebnissen verdeutlichte, dass Gender Equality noch lange nicht erreicht ist, ergänzte Prorektorin Münch: „Die Keynote hat eindrücklich darauf hingewiesen, mit welchen strukturellen Hürden Frauen und Mädchen auch in der Academia noch immer konfrontiert sind und wie UN Women sich für deren Abbau einsetzt. Die Universität Bonn sieht sich hier in der Verantwortung: Als internationale Universität wollen wir Talente aus aller Welt gewinnen und ihnen unabhängig von Herkunft und Geschlecht ermöglichen, ihr Potenzial in allen Phasen ihrer akademischen Laufbahn zu entfalten.“ Dass bei der diesjährigen Preisverleihung so viele junge Frauen für ihre herausragenden Arbeiten geehrt werden, setze daher auch ein wichtiges Zeichen: Denn gleiche Chancen, so die Prorektorin, seien weltweit, auch in der Wissenschaft der Industriestaaten, immer noch keine Selbstverständlichkeit.
Die Ausgezeichneten 2026
Queen’s Prize – Nelly Mekus
Für ihre Bachelorarbeit “Laughing Hyena“ versus “President Trump“: A Critical Discourse Analysis of Asymmetries in Forms of Reference to Kamala Harris and Donald Trump in YouTube Comments erhielt Nelly Mekus den Queen’s Prize. Der von Königin Elisabeth II. 1965 gestiftete Preis wird für hervorragende Leistungen im Fach Anglistik verliehen. Mekus untersuchte, wie Kamala Harris und Donald Trump in YouTube-Kommentaren zur US-Präsidentschaftsdebatte vom September 2024 sprachlich bezeichnet werden und welche Unterschiede sich dabei zeigen. Auf Grundlage von 300 Kommentaren und mehr als 750 kodierten Referenzformen analysierte sie quantitativ und qualitativ, wie solche Bezeichnungen Legitimität, Autorität und Identität im politischen Online-Diskurs mitprägen. Dabei zeigte sich unter anderem, dass Trump fast ausschließlich mit seinem Nachnamen, Harris dagegen häufig mit ihrem Vornamen oder alternativen, auch herabsetzenden Bezeichnungen adressiert wurde.
Prix de la République française – Celina Küppers
Für ihre Masterarbeit „Das Motiv des Kusses in der Lyrik des Spätmittelalters und der Renaissance – Eine diskursanalytische Untersuchung“ wurde Celina Küppers mit dem Prix de la République française ausgezeichnet. Der Preis würdigt hervorragende wissenschaftliche Leistungen mit Frankreichbezug. Er ermöglicht einen Forschungsaufenthalt in Frankreich, der Küppers an die renommierte Universität Sorbonne in Paris führen wird. In ihrer Arbeit untersuchte sie, welche kulturellen und ästhetischen Bedeutungen das Kussmotiv in der Lyrik des Spätmittelalters und der Renaissance trägt, und welche gesellschaftlichen Vorstellungen sich darin spiegeln. Dabei richtete sie den Blick insbesondere auf Machtverhältnisse und Geschlechterrollen. Für ihre Analyse arbeitete sie mit mittelalterlichen und frühneuzeitlichen französischen Texten, deren sprachliche Besonderheiten sie historisch eingeordnet hat. Die Arbeit bildet zugleich die Grundlage für ihre Promotion.
Premio Rey de España – Álvaro Arango Vallejo
Mit dem Premio Rey de España ausgezeichnet wurde Álvaro Arango Vallejo für seine Doktorarbeit „Historia Literaria del vampiro en Hispanoamérica“. Darin rekonstruierte er die Geschichte der Vampirfigur in der lateinamerikanischen Literatur und zeigte, wie dieses Motiv gesellschaftliche Konflikte und Ängste sichtbar macht. Arango Vallejo versteht Vampire als Metaphern für kulturelle Spannungen und untersuchte sie in unterschiedlichen historischen und politischen Kontexten. Die „Monster“ zeigen aus seiner Sicht, wovor Gesellschaften Angst haben und wie sie ihre Welt entwerfen. Die Recherche lateinamerikanischer Texte eröffnete ihm einen vielfältigen Korpus – von Diktatoren bis zu Priestern als Vampirfiguren.
Premio Rey de España – Lisa Thomas
Für ihre Masterarbeit „Postkoloniale Impulse für die romanistische Linguistik: Eine diskurslinguistische Betrachtung am Beispiel des dekolonialen Wissenschaftsdiskurses in Lateinamerika“ erhielt Lisa Thomas ebenfalls den Premio Rey de España. In ihrer Arbeit diskutierte sie, wie die romanistische Sprachwissenschaft durch den Einbezug postkolonialer Theorien neu ausgerichtet werden kann. Das kann unter anderem bedeuten, dass eurozentrische Perspektiven hinterfragt werden oder dass Personen, deren Sprechweise man untersucht, mehr in den Forschungsprozess miteinbezogen werden. Im Rahmen einer umfangreichen diskurslinguistischen Analyse wissenschaftlicher Artikel aus Lateinamerika setzte sie daraufhin die Ziele einer „postkolonialen Linguistik“ praktisch um. Die in der Masterarbeit angestellten Überlegungen bilden die Grundlage für ihre Promotion, in der sie untersucht, wie die internationale frankophone Community in den sozialen Medien die sogenannte "Frankophonie" kritisch diskutiert.
DAAD-Preis – Sia Shende
Den diesjährigen Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) erhielt Sia Shende von der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn. Die Auszeichnung würdigt ihre herausragenden akademischen Leistungen und ihr Engagement für die studentische Gemeinschaft. Shende stammt aus Indien und hat kürzlich ihr Masterstudium im Studiengang „Medical Immunosciences and Infection“ abgeschlossen. In ihrer Forschung beschäftigte sie sich mit den Auswirkungen von Umweltgiften wie Pestiziden auf die menschliche Gesundheit und insbesondere das Immunsystem.
Neben ihrer Forschung engagiert sich die junge Wissenschaftlerin als gewähltes Mitglied im Fachschaftsrat und im Prüfungsausschuss. Sie vertritt die Interessen der Studierenden, unterstützt Kommilitoninnen und Kommilitonen beim Studienstart und hilft ihnen bei administrativen Fragen. Für den DAAD-Preis wurde sie sowohl vom Studiengangs-Management als auch einer Lehrperson nominiert. Shende schätzt, wie sie sagt, besonders die sehr guten Forschungsbedingungen und das offene, internationale Umfeld an der Universität Bonn.
Rektor Prof. Dr. rer. nat. Michael Hoch gratulierte den Preisträgerinnen und Preisträgern und betonte: „Die heute ausgezeichneten Arbeiten zeigen, wie Forschung durch internationale Erfahrungen, unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Perspektiven an Tiefe gewinnt. Als global vernetzte Exzellenzuniversität messen wir den Staatspreisen und dem DAAD-Preis eine besondere Bedeutung bei, denn sie machen die Vielfalt und Internationalität unserer Universität sichtbar. Mein herzlicher Dank gilt den Stifterinnen und Stiftern der Preise für ihre wertvolle Unterstützung. Die Auszeichnungen würdigen herausragende Leistungen und ermutigen die Studierenden, ihren Weg engagiert weiterzugehen und ihre Fragen mutig zu verfolgen.“
Besonders groß war die Freude dann auch im vollbesetzten Saal, als Prorektorin Münch zum Abschluss verkündete, dass es in Zukunft zwei weitere Preise geben wird: Die Bonn University Ambassadors, die an Universitäten auf der ganzen Welt forschen und lehren, werden eine oder einen Studierenden intensiv in einem Mentorenprogramm begleiten. Außerdem sind die Weichen für einen neuen italienischen Staatspreis gestellt.
Kontakt
Prorektorat für Internationales
Prorektorin Prof. Dr. Birgit Ulrike Münch
E-Mail: prorektorat.internationales@uni-bonn.de
Weitere Informationen zu den International Days, bei denen die Staatspreise und der DAAD-Preis verliehen wurden, erhalten Sie hier:
https://www.uni-bonn.de/de/universitaet/unileben/veranstaltungen/international-days