Erasmus+ Studium Europa
Malte war in Utrecht
Malte studiert Geographie im Bachelor an der Universität Bonn und berichtet von seiner Zeit als Studierender an der Universiteit Utrecht in den Niederlanden.
Vorbereitung
Mir war bereits vor Antritt meines Studiums klar, dass ich einmal ein Auslandssemester machen will und dabei schwebten mir bereits einige Optionen vor. Ich habe mich allerdings nie wirklich aktiv damit beschäftigt oder darüber informiert, da im Modulhandbuch ein Semester im Ausland erst im 5. oder 6. Semester empfohlen wird. Nach einem Kurztrip in die Stadt Groningen im Norden der Niederlande Ende April 2024 wurde mir dann allerdings bewusst, dass ich diese Idee doch bald und gerne umsetzen möchte.
Daraufhin habe ich mich auf der Webseite des GIUBs informiert und ein Treffen mit unserer Fachkoordinatorin organisiert, nachdem ich bereits interessante mögliche Zielorte gesucht habe. Da ich nur Deutsch und Englisch spreche, kamen Länder wie Spanien oder Frankreich nicht für mich in Frage, die Niederlande blieben mit den beiden Universitäten in Amsterdam und Utrecht mein Favorit. Dadurch, dass eigentlich jeder in den Niederlanden sehr gutes Englisch spricht und ich gerne meine Englischkenntnisse aufbessern wollte, war das ein optimales Ziel neben dem wichtigen Faktor, dass es Studienangebote in der Kategorie Stadtgeographie gibt.
Amsterdam wäre mir deutlich zu groß gewesen und Utrecht kannte ich vorher gar nicht aus eigener Erfahrung. Die Beschreibungen und Bilder online sahen aber alle sehr vielversprechend aus. Das einzige was mich noch zweifeln ließ war der Fakt, dass das Semester im Februar beginnt, wenn man hier in Bonn noch Prüfungen hat. Nach detaillierter und mehrmaliger Absprache mit unserer Erasmus-Fachkoordinatorin, hat sie mich über die Formalitäten der Bewerbung für die Nachrückfrist informiert und ermutigt es doch trotzdem mit Utrecht zu probieren, da das mit der zeitlichen Überschneidung zu Beginn des Semesters machbar wäre. Ich wollte auch unbedingt noch im 4. Semester den Erasmus-Aufenthalt machen und war daher sehr knapp dran, aber eben auch sehr happy, dass Utrecht noch zur Wahl stand. Nach der Bewerbung und Rückmeldung der Universität Bonn, dass ich den Studienplatz bekomme, habe ich mich expliziter mit der Kurswahl in Utrecht beschäftigt, was relativ einfach war durch die gute Webseite: Dort gibt es Listen mit Kursen je nach Schwerpunkt in einem eigenen PDF-Dokument. Hier habe ich ebenfalls im Austausch mit der Fachkoordination mögliche Kurse besprochen und war dann mit den sehr hilfreichen Kolleg*innen aus Utrecht im Kontakt, damit das Online Learning Agreement aufgesetzt werden konnte. Parallel hat mich die Uni Utrecht auch angeschrieben, um mich auf die schwierige Wohnungssituation in Utrecht hinzuweisen und die Möglichkeiten aufgelistet, unter anderem die Angebote von SSH, welche Studentenunterkünfte an verschiedenen Standorten anbieten, wenn man Glück hat und schnell genug bei der Auswahl ist. Am Tag der Freigabe muss man auf jeden Fall schnell sein, da sich alle eingeschriebenen Erasmus-Studierenden gleichzeitig darauf bewerben. Etwas privat zu suchen ist wirklich extrem schwer und klappt nur selten und ist darüber hinaus auch meist teurer.
Unterkunft
Ich habe im sogenannten „Science Park“, welcher sich direkt außerhalb der Stadt im Osten befindet und der Campus für alle Naturwissenschaften der Universität Utrecht (UU) ist, gewohnt. Dort gibt es eine riesige Bibliothek, Teile der Hochschule Utrecht, Studentenbars, ein Sportcenter mit Fitnessstudio, Tram und Bushaltestellen, das Krankenhaus und einen Arzt für Studierende. Der Science Park liegt in der Nähe der Natur, es gibt Badestellen sowie wunderschöne Strände und mehrere Studentenwohngebäude. Dazu ist er nur 10–15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, sowohl mit Bus, Tram und natürlich dem Fahrrad. Ich habe im Cambridgelaan gewohtn, welches von außen vielleicht nicht das schönste Gebäude dort ist, was allerdings nicht abschrecken sollte, da hier fast nur internationale Studierende wohnen und man sehr gut verbunden ist untereinander. Ich habe mir ein Bad mit Dusche, eine Toilette und eine geräumige Küche mit drei Mitbewohner*innen aus Italien, Finnland und Norwegen geteilt und wir hatten sehr gute Gespräche miteinander und viele gute Erinnerungen. Es gibt hier außerdem einen kostenfreien Parkplatz auf dem man parken kann, wenn man sein Kennzeichen vorher anmeldet, sowie einige Parkhäuser für Besuch aus der Heimat. Das Stadion des FC Utrecht, ein Schwimmbad, das Sportgelände mit Sportplätzen aller Art und kleine Dörfer befinden sich in der Nähe oder auf dem Weg in die Innenstadt. Generell ist es lohnenswert das Angebot der UU anzunehmen, die einen darauf hinweisen, wie man ein Fahrrad mietet (Tipp von mir: Der Anbieter „Swapfiets“ ist billiger als „Studentmobility“ und bei beiden werden die Räder kostenlos repariert).
Studium an der Gasthochschule
In der Einführungswoche wird man langsam an die Stadt und Einrichtungen der Uni herangeführt und lernt direkt internationale Studierende kennen, mit denen man einige Aktivitäten wie etwa eine Stadttour oder Billard spielen, gemeinsam mit anderen Gruppen unternimmt. Im Studium selbst ist das niederländische System generell anders aufgebaut als bei uns in Deutschland: Ich würde auch sagen, dass die Bewertung ein wenig anspruchsvoller ist, was aber auf gar keinen Fall abschrecken sollte.
Das Semester ist in zwei kleine Semester aufgeteilt mit jeweils zwei Fächern, das erste von Februar bis April mit anschließenden Klausuren und das zweite nach einer Pause von circa 10 Tagen von April bis Ende Juni mit anschließenden Klausuren. Das System sieht vor, dass die Studierenden sich generell viel austauschen und einige Gruppenarbeiten machen. Dadurch wird nicht nur der Austausch zwischen Dozierenden und Studierenden gefördert, sondern auch zwischen Locals und einem selbst, sowie anderen internationalen Studierenden.
Die naturwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen werden eigentlich fast ausschließlich im Science Park abgehalten, während es in der Innenstadt einen sehr schönen Campus gibt, direkt an einem der vielen Kanäle und mit zentraler Lage. Hier befindet sich ebenfalls eine große und sehr schöne, originale Bibliothek direkt verbunden mit Vorlesungs- und Seminarräumen. Falls es mal Fragen zu irgendwelchen Themen gibt, ist die Studienberatung vor Ort an einigen Tagen in der Woche geöffnet und per Mail direkt und ganz schnell zu erreichen sowie sehr hilfsbereit. Der Kontakt zu den Dozierenden ist sehr persönlich und sie sind überhaupt nicht abgehoben. Man kann jederzeit in den Pausen während der Vorlesung Fragen stellen oder sich gemeinsam einen Kaffee holen im Gang, sofern man eine eigene Tasse dabei hat. Die Uni und die einzelnen Gebäude sind sehr fortschrittlich und auf Nachhaltigkeit aus, was auch generell mein Eindruck von den Niederlanden war.
Alltag und Freizeit
Die Stadt selbst ist wunderschön mit den vielen Kanälen, den Seitenstraßen, die auf dem Weg in die Innenstadt schöne Wohngegenden darlegen. Sobald die Sonne scheint, wird der Stadt ein ganz anderes Flair verliehen mithilfe der Kanäle, den Geschäften und den Cafés und Restaurants entlang der Straßen. Der Hauptkanal „Oudegracht“ führt zu einer Gabelung von mehreren Kanälen, auf welchen man entspannte Fahrten mit dem Kanu machen kann oder auch eine Bootstour, um die Stadt vom Wasser aus kennenzulernen.
Außerhalb der Innenstadt, auf dem Weg vom Science Park dorthin, befindet sich der Wilhelmina Park, einer der schönsten Parks der Stadt mit Liegewiesen und ausreichend Platz für ein Picknick. Außerdem bieten zahlreiche Restaurants, Cafés und Geschäfte etliche Möglichkeiten für einen entspannten Nachmittag, um einfach den Tag zu genießen. Auf dem Weg liegt ebenfalls das University College Utrecht, welches als eigener Campus und Unterkunft fungiert und nach englischem Modell erbaut ist. Nicht nur hier, sondern auch in Cambridgelaan, gibt es eine von Studierenden auf freiwilliger Basis betriebene Bar, welche wochentags am Abend geöffnet hat und jeden Monat einen Karaokeabend veranstaltet. Hier trifft man schnell neue Leute und kommt in Kontakt, ich habe hier einige Kontakte geknüpft aus denen Freundschaften entstanden sind. In der Innenstadt liegt direkt neben der großen Mall mit einigen Geschäften ein kleiner Marktplatz, welcher mittwochs, samstags und sonntags mit Händlern gefüllt ist und an welchen direkt die Shoppingstraße anschließt, die auch am Kanal entlang verläuft. Jeden Samstag findet außerdem der Blumenmarkt statt, auf welchem Händler neben Kräutern und Samen für den Garten auch wunderbare Blumensträuße verkaufen, die wunderschön und im Vergleich zu Deutschland sehr billig sind, aber eine bessere Qualität haben. Die Bars der Stadt sind unschlagbar, vor allem vom Ambiente her am Platz „Neude“, sowie dahinterliegend, ebenfalls am Kanal und natürlich direkt am Wahrzeichen der Stadt, dem Domturm, der die ganze Innenstadt überragt. Die internationalen Studierenden sowie Niederländer*innen gehen sehr gerne abends aus und genießen die Gesellschaft bei gutem Essen und Trinken, egal an welchem Wochentag. Falls es nach einer Bar noch in einen Club gehen soll, bietet die Innenstadt nicht nur einen bekannten Technoclub, sondern auch Hip-Hop/ Reggaeton sowie generell beliebte Nachtclubs in und um die Innenstadt. Hier ist also immer etwas los und es wurde nie langweilig!
Fazit
Utrecht ist wunderschön und ein Zuhause geworden durch all die Menschen hier und gemeinsamen Erinnerungen, die einander verbinden. Da Utrecht so zentral liegt – nur 30 Minuten von Amsterdam entfernt und weniger als eine Stunde vom Meer – sind Kurztrips über das Wochenende Teil meiner Routine gewesen. Falls erwünscht, findet sich immer jemand, mit dem man gemeinsam diese Reisen antreten kann, auch wenn man gerne mal in die Nachbarländer reisen möchte. Ich mochte Fahrradfahren nie wirklich gerne, habe allerdings hier meine Liebe dazu entdeckt, da Utrecht komplett auf Fahrräder ausgelegt ist und man am einfachsten und schnellsten von A nach B mit dem Fahrrad kommt und auch nachts wieder nach Hause nach einem schönen Abend.
Ich kann jedem nur empfehlen, sich selbst ein Bild zu machen und nach Utrecht zu kommen. Man wird es definitiv nicht bereuen und diese Stadt und die Leute in sein Herz schließen.
Programm: Erasmus+ Studium Europa
Gastuniversität: Universiteit Utrecht, Niederlande
Studiengang: Bachelor Geographie
Zeit des Aufenthalts: Sommersemester 2025