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50 Jahre Institut für Theoretische Geodäsie

Feierstunde und Verleihung der Ehrendoktorwürde der Landwirtschaftlichen Fakultät

Anlässlich einer Feierstunde zum 50-jährigen Bestehen des Instituts für Theoretische Geodäsie verleiht die Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Bonn die Ehrendoktorwürde an Dr. Reiner Rummel, Professor für Astronomische und Physikalische Geodäsie an der Technischen Universität München. Nach einem Vortrag über die Geschichte des Instituts von Professor Dr. Karl-Rudolph Koch und der von Professor Dr. Karl-Heinz Ilk gehaltenen Laudatio wird Dekan Professor Dr. Ernst Berg die Ehrenurkunde überreichen. Die Medien sind herzlich zur Teilnahme an der Veranstaltung am Freitag, 7. Oktober, um 9.30 Uhr im Hörsaal des Geographischen Institutes, Meckenheimer Allee 166  eingeladen.

Professor Dr. Reiner Rummel erhält die Ehrendoktorwürde in Anerkennung seiner außergewöhnlichen Leistungen in der Forschung auf dem Gebiet der Satellitengeodäsie sowie der Definition eines global umfassenden geodätisch-geophysikalischen Beobachtungssystems und der nationalen und internationalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Erdsystembeobachtung. Seine besonderen Leistungen liegen in seinen wegweisenden theoretischen Arbeiten zur Bestimmung des Gravitationsfeldes der Erde mit modernen Satellitenverfahren und insbesondere der Satellitengradiometrie und des sogenannten Satellite-to-Satellite-Verfahrens, aber auch der spektralanalytischen Arbeiten zur Analyse der Beobachtungen dieser Satellitenmissionen. Rummel war maßgeblich an der Konzeption der Satellitenmission GOCE beteiligt, der ersten mit einem Gravitationsgradiometer ausgestatteten Satellitenmission, deren Start für 2006 vorgesehen ist. GOCE wurde als erste Core-Mission des Living Planet Earth Observation Programmes der ESA gegen starke Konkurrenz anderer Gruppen mit hervorragenden Projektvorschlägen ausgewählt. Darüber hinaus hat Reiner Rummel in den letzten Jahrzehnten entscheidend mitgewirkt, der Geodäsie ein neues Selbstverständnis im Rahmen der Geowissenschaften zu vermitteln: Insbesondere hat er ein Globales Geodätisches Beobachtungssystem (GGOS) mit dem Ziel vorgeschlagen, Massentransporte und Massenverlagerungen im Erdsystem zu erfassen. Der Vorschlag wurde 2003 als Pilotprojekt der Internationalen Assoziation für Geodäsie (IAG) zur Realisierung ausgewählt. Darüber hinaus war und ist Rummel maßgeblich an der Konzeption, der Realisierunug und Koordinierung wichtiger nationaler und internationaler Forschungsprogramme beteiligt.
  

Institut für Theoretische Geodäsie seit 1955

Die Ausbildung der Vermessungsingenieure in Bonn begann im Jahr 1876, als an der damaligen Landwirtschaftlichen Akademie in Poppelsdorf kulturtechnische Kurse eingerichtet wurden. Zu Beginn der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren das Geodätische Institut, das Mathematische Seminar, das Photogrammetrische Institut und das Institut für Bau- und Kulturtechnik an der Ausbildung der Vermessungsingenieure beteiligt. Es fehlte an einer Vertiefung in der Erdmessung, Landesvermessung und der angewandten Statistik zur Auswertung der Messdaten.
Im Jahr 1954 wurde daher Dr. Helmut Wolf vom Institut für Angewandte Geodäsie in Frankfurt a.M. berufen. Er gründete am 30. April 1955 das Institut für Theoretische Geodäsie. Gleichzeitig wurde er zum Direktor des Instituts ernannt. Im Jahr 1978 wurde Professor Wolf emeritiert, sein Nachfolger wurde Professor Dr. Karl Rudolf Koch. 1980 konnte am Institut ein Lehrstuhl für Astronomische, Physikalische und Mathematische Geodäsie eingerichtet werden, für dessen Leitung Professor Dr. Siegfried Heitz berufen wurde. Zu diesem Lehrstuhl gehörte die Abteilung für Gravimetrie und Erdgezeiten, die von Professor Dr. Manfred Bonatz geleitet wurde. 1994 wurden Heitz, 1997 Bonatz und 2000 Koch emeritiert. Die Nachfolger sind die Professoren Dr. Karl Heinz Ilk und Dr. techn. Wolf-Dieter Schuh.
Gründungsdirektor Professor Wolf war zu Beginn seines Wirkens am Institut für Theoretische Geodäsie bereits international bekannt. Er hatte 1950 die bislang nur länderweise ausgewerteten Triangulationen Westeuropas einer Gesamtausgleichung unterzogen und damit ein europäisches Dreiecksnetz geschaffen. Die von Wolf am Institut für Theoretische Geodäsie begründete führende Rolle auf dem Gebiet der Ausgleichungsrechnung und der angewandten Statistik wurde von Koch erfolgreich fortgeführt. Davon zeugen national und international häufig zitierte Lehrbücher insbesondere über Parameterschätzung und Hypothesentests in linearen Modellen. Der wissenschaftliche Ruf des Institutes für Theoretische Geodäsie der Universität Bonn wurde auch auf dem Gebiet der Physikalischen und Mathematischen Geodäsie weit über nationale Grenzen hinaus durch eine Reihe von grundlegenden Lehrbüchern von Heitz gefestigt. Die gegenwärtigen Forschungsarbeiten am Institut konzentrieren sich auf die Auswertung der Daten der Satellitenmissionen CHAMP und GRACE sowie der für 2006 geplanten Schwerefeldsatellitenmission GOCE der europäischen Raumfahrtorganisation ESA. Ziel ist die Bestimmung der räumlichen und zeitlichen Variationen des Erdschwerefeldes und deren Nutzung für die Erforschung des Erdsystems in Zusammenarbeit mit den benachbarten Geowissenschaften.

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