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Größtes Institutsgebäude der Welt

Monumente der Wissenschaft (Teil 4): Die \"Alte Chemie\"


Da werden Millionenbeträge für ein hochmodernes, riesiges Institutsgebäude ausgegeben, weil sich das ein einziger Professor so wünscht - und dann zieht der gar nicht ein, sondern folgt lieber einem Ruf in die Hauptstadt. Was heute den Bundesrechnungshof auf die Palme bringen würde, war vor 150 Jahren an der Universität Bonn Realität - und bescherte ihr die "Alte Chemie" an der Meckenheimer Allee, in der heute Mikrobiologen und Geographen lehren und lernen.

August Wilhelm Hofmann hieß der Chemiker, der in diesen "Tempel der Wissenschaft" hätte einziehen sollen - inklusive riesiger Privatwohnung mit Ballsaal. "Eine angemessene Darstellung der Chemie", fand der selbstbewusste Professor einer aufstrebenden Wissenschaft, der an der Planung des damals größten Institutsgebäudes der Welt beteiligt wurde. Erster Hausherr wurde dann aber der berühmte Chemiker Friedrich August Kekulé von Stradonitz. Der Entdecker der Struktur des Benzols wirkte bis zu seinem Tod 1896 in Bonn. Sieben Jahre nach seinem Tod schenkten die chemische Industrie und seine Schüler der Universität Bonn die Gedenkstatue, die am 9. Juni 1903 vor dem Gebäude enthüllt wurde und bis heute vom Weltruf der Bonner Chemie zeugt.

Gebaut wurde von 1864 bis 1867. "Schon damals hatte man eine spätere Erweiterung des Gebäudes eingeplant", erzählt Wolfgang Schmiedecken. Der Geograph ist "Kustos", also Verwaltungschef, des Geographischen Instituts. "Nach mehreren Erweiterungen arbeiteten hier bis 1972 die Chemiker, bevor sie ein modernes Gebäude bezogen." Danach stand das Gebäude leer und verfiel langsam.

Torso mit zugemauerten Türen

Schmiedecken, der als Baubeauftragter die Renovierung Mitte der 80er Jahre überwachte, erinnert sich an den damaligen Zustand. "Wir konnten uns überhaupt nicht vorstellen, dass in diesem Torso mit eingestürzten Wänden, undichtem Dach, ohne Treppen und mit zugemauerten Türen ein Institut eingerichtet werden könnte." Sogar über einen Abriss wurde nachgedacht, "dagegen protestierten aber die Denkmalschützer."

Mit einem Aufwand von umgerechnet neun Millionen Euro entstand in dem vierflügligen Bau ein modernes Institut mit klassizistischem Flair. "Das Arbeiten in einer solchen Umgebung hat Vor- und Nachteile", so Schmiedecken. Als angenehm empfindet der gelernte Lehrer die kommunikative Ausrichtung des Baus. "Alle müssen durch den Hauptgang, hier trifft man sich und kann sich austauschen."

Dieser Hauptgang zeigt auch, wie man sich Mitte des 19. Jahrhunderts den Status der Naturwissenschaften vorstellte: Am Ende des Gangs befand sich das riesige Arbeitszimmer des Direktors. Als erster hatte August Kekulé diese Stelle inne. Rechts befanden sich hintereinander die Labors der Unter-, Mittel- und Oberstufe. Am Ende des Studiums hatte man sich zum Ziel, der Prüfung im Direktorenbüro, vorgearbeitet. "Stein gewordene Ordinarienherrlichkeit", schmunzelt Schmiedecken.

Auch die Ruhe im Gebäude findet der Kustos sehr angenehm. Die Bibliothek befindet sich im "Innenkreuz" und hat Zugang zu zwei der vier Innenhöfe. "So können die Studenten die Bücher mit in den Hof nehmen." Von Straßenlärm ist hier nichts zu hören. "Probleme bereitet uns allerdings die Statik: Wir haben hier zwar sehr hohe Räume, die Decken tragen aber nur ein gewisses Gewicht." Die Bücherregale konnte man daher nicht bis zu den Decken aufstocken, und die Landkarten in den schweren Kartenschränken mussten im Keller untergebracht werden.


Ansprechpartner:
Wolfgang Schmiedecken
Geographisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-7481
E-Mail:
schmie@giub.uni-bonn.de

Bilder zu dieser Presseinformation

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Fotos: Heike Fischer / Uni Bonn

Studierende vor der "Alten Chemie" mit dem Kekulé-Denkmal.
Treppenaufgang zur "Alten Chemie".
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