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Studie: Hirnschäden durch Herzkatheter

Risiken der Untersuchungsmethode bislang unterschätzt

Wenn eine verengte Herzklappe das Blut beim Ausströmen aus der linken Herzkammer in die Hauptschlagader (Aorta) behindert, sprechen Fachleute von einer "valvulären Aortenstenose". Klarheit über die Erkrankung verschaffen sich Ärzte häufig über eine Herzkatheter-Untersuchung, bei der ein Schlauch über die verengte Stelle vorgeschoben wird. Dieses Diagnoseverfahren ist wesentlich riskanter, als bisher angenommen! Denn wenn der Katheter den Engpass passiert, können sich Ablagerungen lösen und zu Hirnschäden führen. Wissenschaftler am Herzzentrum der Universität Bonn entdeckten jetzt in einer Studie bei 22 Prozent aller 152 Untersuchten neurologische Komplikationen. Ihre Ergebnisse haben sie im renommierten Medizin-Fachblatt "The Lancet" veröffentlicht (The Lancet, 361, 2003, S. 1243ff).

Eine Aortenklappenverengung kann angeboren sein oder mit zunehmendem Alter durch Ablagerungen hervorgerufen werden ("Arterienverkalkung"). Der Schweregrad der Aortenklappenverengung kann mit Hilfe einer invasiven blutigen Druckmessung bestimmt werden. Dazu wird ein Katheter rückwärts (retrograd) über die verengte Klappe in die linke Herzkammer eingeführt und der Druckgradient über der Klappe bestimmt.

Dabei kommt es offenbar immer wieder zur Ablösung von Ablagerungen, die sich anschließend in den Kapillargefäßen des Gehirns festsetzen und dort zu einer Sauerstoff-Unterversorgung und damit zu Gewebeschäden führen. Das bestätigt die Bonner Studie: Jeder fünfte Patient, der eine retrograde Herzkatheter-Untersuchung erhielt, zeigte Anzeichen eines Blutgerinnsels im Gehirn; bei drei Prozent waren sogar die Symptome einer einseitigen Funktionsstörung des Gehirns zu beobachten. Dagegen hatten Patienten, bei denen auf eine Passage der erkrankten Klappe verzichtet wurde, keinerlei Beschwerden oder Symptome.

"Bei der retrograden Herzkatheter-Untersuchung besteht ein substanzielles Risiko neurologischer Komplikationen", fassen Dr. Heyder Omran und Dr. Torsten Sommer vom Herzzentrum der Universität die Ergebnisse der Studie zusammen. Diese Gefahr sei in der Vergangenheit unterschätzt worden. Die Untersucher raten daher zur zurückhaltenden Anwendung dieses Diagnoseverfahrens. Eine geeignete Alternative sei beispielsweise die Echokardiographie, die ohne einen Eingriff und die damit verbundenen Gefahren erfolgt.

Ansprechpartner:
Privat-Dozent Dr. H. Omran
Medizinische Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-6670
E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]

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