Universität inmitten der Stadt

Standortsicherung während der Sanierung des Hauptgebäudes

Das barocke Hauptgebäude der Universität Bonn wird ab 2024 für mindestens zehn Jahre grundlegend saniert und muss dafür vollständig geräumt werden. Mehrere Tausend Studierende und Hunderte von Uni-Mitarbeitenden sind davon unmittelbar betroffen und müssen „umquartiert“ werden. Auch für die Bonner Innenstadt bringt diese Verlagerung einschneidende Veränderungen. Die Universität Bonn setzt sich vehement dafür ein, dass sie im Zentrum von Bonn vertreten bleibt: Interimsbauten mit Hörsaal- und Kommunikationsflächen sollen so zentral wie möglich, idealerweise im Bonner Hofgarten, das universitäre Leben für die Dauer der Bauarbeiten in zentraler Lage erhalten. Damit soll nicht zuletzt das studentische Leben erhalten bleiben und so dazu beitragen, das grüne Herz der Bundesstadt als einen lebenswerten und sicheren Ort zu bewahren. Eine Weichenstellung für das Vorhaben muss bis zum Sommer getroffen sein.

Grundlegende Sanierung steht an

Voraussichtlich ab 2024 wir das Bonner Residenzschloss, das seit über 200 Jahren das Hauptgebäude der Universität Bonn ist, für mindestens zehn Jahre grundlegend saniert. Es muss dafür vollständig geräumt werden. Das ehemalige Schloss in der Bonner Innenstadt wird dann im Verlauf von mehr als zehn Jahren nach modernen technischen und energetischen Vorgaben saniert und für eine zukünftige Nutzung, v.a. als Ort für exzellente Forschung und Lehre, hergerichtet.

Für die zwischenzeitliche Unterbringung von Teilen der im Hauptgebäude angesiedelten geisteswissenschaftlichen Fakultäten und der Verwaltung wurden mehrere Ausweichquartiere angemietet. Die Geisteswissenschaften werden schwerpunktmäßig in einem ehemaligen Versicherungsgebäude an der Rabinstraße unterkommen, die Universitätsverwaltung in der ehemaligen Hauptverwaltung des Deutschen Herolds an der Poppelsdorfer Allee.

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© Volker Lannert/Uni Bonn
Standort Hauptgebäude Universität Bonn
© Volker Lannert/Uni Bonn

Das zukünftige Hauptgebäude

In einem moderierten Prozess hat die Universität mit allen das Hauptgebäude nutzenden Bereichen eine Vision für ein künftiges Flächenmanagement im Hauptgebäude entwickelt. Die Sanierung soll genutzt werden, um die Flächenbelegung modernen Bedarfen des Forschungs- und Lehrbetriebs gerecht zu werden. So soll auch die Zersplitterung der Institute auf viele kleine Bereiche beendet und die Aufenthaltsqualität im Gebäude gesteigert werden. Dazu ist eine Neustrukturierung der Flächen gewünscht.

Zentrale Ausweichstandorte

Für die Unterbringung der durch die Sanierung zwischenzeitlich wegfallenden Hörsaalflächen und Kommunikationsräume sucht die Universität derzeit eine Lösung. Sie muss von den Ausweichstandorten gut erreichbar sein und sollte daher so zentral wie möglich verwirklicht werden. Wunschort ist darum der Hofgarten, wo ein möglichst großer Anteil der benötigten Flächen untergebracht werden soll.

Neuer Platz für Bibliotheken, Medien und Kommunikation soll im Viktoriakarree entstehen. Das „Forum des Wissens“ wird nach der Generalsanierung dauerhaft Funktionen aus dem Hauptgebäude übernehmen und zu einem Ort der Begegnung der Forschenden und Lehrenden untereinander und mit der Stadtgesellschaft werden.

Campus Innenstadt
© Volker Lannert/Uni Bonn

Gravierende Auswirkungen auf den Universitätsbetrieb

Für die Universität und alle in ihr vertretenen Gruppen stellt die Sanierung des Hauptgebäudes eine schwerwiegende Zäsur in ihrer über 200-jährigen Geschichte dar. Die ganze Stadt Bonn wird von der Universität geprägt, deren Hauptgebäude in ihrem Herzen liegt. Das Schloss ist seit Jahrhunderten bis heute das Identifikationsobjekt für alle Universitätsangehörigen aus über 140 Nationen, für Studierende, Forschende und Lehrende aller Fächer und Disziplinen sowie die Beschäftigten. Das Bild der Exzellenzuniversität Bonn wird für Menschen aus aller Welt maßgeblich geprägt vom Schloss und dem zugehörigen Hofgarten. So soll es auch nach der Sanierung bleiben.

Standortsicherung während der Sanierung des Hauptgebäudes - Interview mit Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch
Ausweichstandort: So denken Studierende

Weiterhin im Hofgarten präsent

Das Hauptgebäude ist ebenso das Herz der Universität, wie es das Wahrzeichen der Stadt Bonn ist. Eine geographische Verortung im Hofgarten ist für die Universität Bonn unverzichtbar, auch, weil das Areal für Universitätsangehörige als Aufenthaltsort wichtig bleibt und hier kein „Vakuum“ entstehen darf, das Raum für kriminelle Akteure und die damit verbundenen Begleiterscheinungen schafft. Wir setzen uns darum mit Nachdruck für eine fortgesetzte Präsenz der Universität im Hofgarten ein!

Hochwertige und ansprechende Interimsbauten

Die Universität Bonn strebt an, hochwertige Interimsbauten im Bereich des Hofgartens zu errichten, die für Vorlesungen zur Verfügung stehen, aber auch für andere Veranstaltungen des universitären und des nicht universitären, städtischen Kulturbetriebs. Die Bauten sollen stehen bleiben, bis die Hörsäle im sanierten Hauptgebäude wieder verfügbar sind.

Wo die Bauten genau errichtet werden könnten, darüber sind Universität, Bau- und Liegenschaftsbetrieb und Stadtverwaltung derzeit im Gespräch. Neben dem primär avisierten Hofgarten wird dabei auch über weniger geeignete, da weiter entfernte Standorte gesprochen. Auch eine Verteilung auf verschiedene Standorte ist denkbar. Aus Sicht der Universität ist essentiell, dass möglichst viele Flächenanteile im Hofgarten realisiert werden. Die Standort-Entscheidung muss bis zum Sommer dieses Jahres getroffen werden, damit die Ersatzbauten rechtzeitig zur Räumung des Hauptgebäudes in 2024 zur Verfügung stehen.

Nutzen für die Stadt

Studentisches Leben in und um die Hofgartenwiese prägt und belebt diesen Bereich zum Nutzen aller, die das Areal als innerstädtischen Freizeit- und Begegnungsraum schätzen. Auch für den Tourismus stellt der Hofgarten einen attraktiven Anlaufpunkt dar.

Die Belebung des Areals ist auch für einen sicheren und angstfreien Betrieb des innerstädtischen Areals von zentraler Bedeutung. Das Gelände wird bereits heute von vielen als Angstraum wahrgenommen und gemieden. Was geschieht, wenn dann noch die täglichen Zuströme von Universitätsmitarbeitenden und Studierenden versiegen, konnte man in der Pandemie erleben, als der Hofgarten zu einem polizeilichen Einsatzschwerpunkt geworden war und zeitweise durch eine Videoüberwachung unter Kontrolle gehalten werden musste. Die Pandemie-Situation mit einhergehender digitaler Lehre und Home-Office-Regelungen hat nachweislich gezeigt, dass sich die allgemeine Situation im und rund um den Hofgarten, vor allem in Bezug auf Kriminalität und Belästigungen, erheblich verschlechtert hat. Auch daher ist die Belebung des Hofgartens durch Universitätsbetrieb fundamental wichtig – für alle Menschen in Bonn.

Die Universität setzt sich nicht zuletzt deshalb dafür ein, im Umfeld des Hauptgebäudes einen oder mehrere ökologisch hochwertige und architektonisch ansprechende Interimsbauten als Ersatzflächen für Lehrveranstaltungen, die derzeit im Schloss durchgeführt werden, zu schaffen. Diese können nicht nur für den Vorlesungsbetrieb genutzt werden, sondern stehen darüber hinaus auch für Kulturveranstaltungen der universitären und außeruniversitären Kulturgruppen zur Verfügung.

Eine zentrale Ansiedelung ist auch deshalb von großer Bedeutung, damit größere Einschränkungen für die vielen tausend Studierenden, die aufgrund ihrer Studiengänge zwischen den Campussen im Stadtgebiet pendeln müssen, möglichst geringgehalten werden.

Es ist der Wunsch der Universität, einen Schulterschluss der Stadtgesellschaft, der Kommune und der Universität zu erreichen. Daher geht die Universität Bonn darum derzeit auf alle Gesprächspartner zu, die dazu beitragen können, diese Ziele zu erreichen.

 

Informationen im Detail

Wesentliche Teile des heutigen Schlosses sind beim Wiederaufbau in der Nachkriegszeit entstanden und spiegeln den damaligen Stand der Technik und des öffentlichen Bauens wider. Nach über sechs Jahrzehnten ist nicht nur die Bausubstanz „in die Jahre gekommen“, auch die technische Infrastruktur und der Zuschnitt der Räumlichkeiten entsprechen nicht mehr modernen Standards und machen eine umfassende Grundsanierung dringend notwendig.

Hinzu kommen erhebliche Nachbesserungsbedarfe im Bereich des Brandschutzes, wegen denen bereits Teile des Gebäudes geschlossen werden mussten. Andere Bereiche können nur mit erheblichen Zusatzaufwand offen gehalten werden. Alle Maßnahmen haben zudem den hohen Anforderungen des Denkmalschutzes zu genügen.

Die derzeitige Nutzungsfläche des Hauptgebäudes beträgt rund 26.000 Quadratmeter; es ist damit das größte der rund 200 von der Universität im Stadtgebiet Bonn genutzten Gebäude. Mit der Sanierung sollen auch zusätzliche Flächen entstehen, um den gewachsenen Raumbedarf zu decken. Dafür ist unter anderem das „Viktoriakarree“ im Gespräch, wo eine zentrale Bibliothek, eingebettet in ein „Forum des Wissens“ mit Lern-, Kommunikations- und Begegnungsflächen, entstehen soll. 

Die Strategie des Rektorats unter dem Titel „WIR für unser Schloss“, die von allen universitären Gremien unterstützt wurde und zum Ziel hatte, die dringend notwendige Sanierung des Schlosses mit den Partnern voranzutreiben, wird mit diesen entscheidenden Schritten für die Zukunft weiter umgesetzt.

Unter dem Wittelsbacher Kurfürsten Ernst von Bayern wurde Bonn Ende des 16. Jahrhunderts offiziell die Haupt- und Residenzstadt des Kurfürstentums Köln. Hundert Jahre später durch Kriegseinwirkung zerstört, legt Kurfürst Joseph Clemens von Bayern den Grundstein für einen großen, prächtigen  Neubau. Die vierflügelige Schlossanlage wurde jedoch 1777 weitgehend durch einen schweren Brand zerstört. Beim Wiederaufbau wurde lediglich der Hofgartenflügel mit seinen beiden Ecktürmen wieder errichtet. In der französischen Revolution endete die kurfürstliche Herrschaft. Beim Wiener Kongress kam das Rheinland zu Preußen.

König Friedrich Wilhelm III. wählte Bonn als Standort für eine neue Universität aus. Diese wurde am 18. Oktober 1818 gegründet und erhielt das ehemalige kurfürstliche Schloss als ihr Hauptgebäude (wie auch das Poppelsdorfer Schloss). Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Residenzschloss aufgrund des großen Raumbedarfs der stetig wachsenden Universität als Vier-Flügel-Anlage nach klassischen Plänen erweitert. Der Bau wurde während des Zweiten Weltkriegs durch Luftangriffe schwer beschädigt und in der Nachkriegszeit wieder aufgebaut.

Beide Barockanlagen gehören heute zum Körperschaftsvermögen der Universität, sind aber an den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW verpachtet, der sie Liegenschaften instand hält und vermarktet.

Das historische Gebäude beherbergt heute viele Fächer der Philosophischen Fakultät sowie die beiden theologischen Fakultäten der Universität Bonn. Auch Teile der Verwaltung sind hier untergebracht.


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