Im März 2026 tagte das Preisgericht für den nichtoffenen hochbaulichen Realisierungswettbewerb zum Neubau des Viktoriakarrees in der Aula des Hauptgebäudes der Universität Bonn. Ausgelobt wurde der Wettbewerb vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW, Niederlassung Köln. 18 Arbeiten waren für den Wettbewerb zugelassen. In mehreren Rundgängen prüfte und diskutierte das Preisgericht die Entwürfe intensiv.
Im Fokus standen dabei vor allem die städtebauliche Idee, die architektonische Qualität, die funktionale Umsetzung und Flexibilität sowie der Umgang mit der denkmalgeschützten Fensterfront zum Belderberg. Auch Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit spielten eine zentrale Rolle. Arbeiten mit klaren, nicht ausgleichbaren Schwächen wurden im Verlauf ausgeschlossen. Die verbleibenden Entwürfe wurden vertieft betrachtet und miteinander abgewogen.
Ein neuer Ort für die Stadt Bonn und für die Universität
Mit dem Viktoriakarree entsteht ein zentraler Ort für Wissenschaft, Kultur und Öffentlichkeit in der Bonner Innenstadt. Ziel ist es, sich in bestehende Strukturen respektvoll einzufügen und gleichzeitig einen offenen, zeitgemäßen Ort zu schaffen. Das „Forum des Wissens“ wird nach der Generalsanierung des Barockschlosses dauerhaft Funktionen aus dem Uni-Hauptgebäude übernehmen. So werden die Bibliotheken der philologischen Fächer hier eine permanente Bleibe finden. Außerdem wird das Forum ein Ort der Begegnung von Forschenden, Lehrenden und Studierenden untereinander und mit der Stadtgesellschaft werden.
Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn, sagt: „Mit dem Architekturwettbewerb für das Viktoriakarree ist ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft unserer Universität erreicht. Das ‚Forum des Wissens‘ wird zusätzlichen Raum für Bibliotheken, Kommunikations- und Lernbereiche schaffen und zugleich ein Ort der Begegnung sowie eine Schnittstelle zur Stadtgesellschaft werden. Die jetzt prämierten Entwürfe zeigen auf überzeugende Weise, wie das mitten im Herzen Bonns gelingen kann.“
Viktoriakarree neu denken
Die prämierten Entwürfe zeigen unterschiedliche Wege dorthin: von klar strukturierten Baukörpern mit starker Anbindung an das Quartier bis hin zu offenen Raumlandschaften mit begrünten Innenhöfen. Gemeinsam ist ihnen der Anspruch, einen lebendigen und zugänglichen Ort für viele zu schaffen.
„Die prämierten Entwürfe zeigen überzeugend, wie sich ein komplexer Ort wie das Viktoriakarree neu denken lässt. Sie verbinden städtebauliche Klarheit mit räumlicher Qualität und bieten eine gute Grundlage für die weitere Entwicklung“, sagt Fachpreisrichter Prof. Jens Wittfoht.
„Wir haben eine große Bandbreite an Lösungen gesehen. Die prämierten Arbeiten zeigen, wie sich die Anforderungen an Funktion, Denkmalschutz und Nachhaltigkeit in eine klare architektonische Haltung übersetzen lassen. Darauf können wir jetzt aufbauen“, sagt Michael Neuß, Niederlassungsleiter des BLB NRW in Köln.
Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten
Die Wettbewerbsarbeiten werden bis zum 22. April 2026 öffentlich ausgestellt. Veranstaltungsort ist die „Blaue Grotte“ im Hauptgebäude der Universität Bonn, An der Schlosskirche, 53113 Bonn. Es gelten die regulären Öffnungszeiten des Hauptgebäudes:
- Montag bis Freitag: 07:00 bis 19:00 Uhr (ab 7. April bis 21 Uhr)
- Samstag: 07:00 bis 12:30 Uhr
- Sonn- und Feiertage: geschlossen
Zwei erste Preise – unterschiedliche Antworten auf dieselbe Aufgabe
Das Preisgericht hat zwei gleichrangige erste Preise vergeben. Beide Entwürfe überzeugen, gehen aber unterschiedliche Wege.
Kleihues + Kleihues, Münster (Arbeit 1010)
Ein klar gegliedertes Ensemble, das den Bestand des ehemaligen Viktoriabads aufnimmt und weiterentwickelt. Der Entwurf öffnet sich zur Stadt: große Fenster, ein prägnanter Eingang, ein Gebäude, das einlädt. Innen bleibt alles gut lesbar, die Nutzungen sind flexibel angelegt. Diskutiert wurden vor allem der starke bauliche Präsenz und die Frage, wie viel Eigenständigkeit die Architektur zeigen soll.
DGI Bauwerk, Berlin, mit GINA Barcelona Architects (Arbeit 1014)
Hier entsteht ein Haus von innen heraus. Ein großzügiger Innenhof bildet das Zentrum, bringt Licht, Orientierung und Aufenthaltsqualität. Wege, Blickachsen und Räume greifen ineinander, die historische Fassade wird bewusst inszeniert. Die offene Struktur bietet viele Möglichkeiten. Gleichzeitig wurden Fassadengestaltung und einzelne Funktionen kritisch hinterfragt.
Ein zweiter Preis – und zwei weitere bemerkenswerte Arbeiten
ROHWAREIMSTUDIO, München (Arbeit 1009) – 2. Preis
Ein Entwurf mit eigener Handschrift: Die gefaltete Dachlandschaft prägt das Gebäude und sorgt für gutes Licht im Inneren. Es entstehen vielfältige Räume für unterschiedliche Nutzungen. Besonders stark: das flexible Konzept und der konsequente Einsatz nachhaltiger Materialien. Schwächen sah das Preisgericht vor allem in der äußeren Ausformulierung, der Ausbildung der „grünen Mitte“ und in Details der Funktion.
Anerkennungen
• SCHENKER SALVI WEBER ARCHITEKTEN, Wien (Arbeit 1011)
• HHS Planer + Architekten AG, Kassel (Arbeit 1016)
Über die Universität Bonn
Die Universität Bonn ist die erfolgreichste Exzellenzuniversität in Deutschland; sie hat als einzige Hochschule acht sog. Exzellenzcluster eingeworben. Als führende europäische Universität und eine der weltweit renommiertesten akademischen Institutionen gestaltet sie Lösungen für die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. In der Stadt der Vereinten Nationen vereinen sich Spitzenforschung, exzellente Lehre und gelebte Vielfalt. Die Universität fördert Talente auf allen Karrierestufen, inspiriert die nächste Generation von Führungspersönlichkeiten und schafft Wissen, das gesellschaftlichen und technologischen Fortschritt vorantreibt.
Über den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW)
Der BLB NRW ist Eigentümer und Vermieter fast aller Immobilien des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit rund 4.000 Gebäuden und einer Mietfläche von etwa 10,3 Millionen Quadratmetern verantwortet der BLB NRW eines der größten Immobilienportfolios Europas. Seine Dienstleistungen umfassen unter anderem die Bereiche Entwicklung und Planung, Bau und Modernisierung sowie Bewirtschaftung und Verkauf von technisch und architektonisch hoch komplexen Immobilien. Darüber hinaus plant und realisiert der BLB NRW im Rahmen des Bundesbaus die zivilen und militärischen Baumaßnahmen der Bundesrepublik Deutschland in Nordrhein-Westfalen. Der BLB NRW beschäftigt mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an acht Standorten. Weitere Informationen unter https://www.blb.nrw.de
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