Am Samstag, den 3. Oktober 2026, fand erneut der bundesweite Aktionstag „Türen auf mit der Maus“ statt. Unter dem diesjährigen Motto „Kleine Wunder“ öffneten sich in ganz Deutschland Türen, die Kindern sonst verborgen bleiben. Museen, Forschungseinrichtungen und Vereine luden dazu ein, hinter ihre Kulissen zu blicken – so auch die Universität Bonn. Mit dem Institut für Angewandte Physik, mit KONTRAST, der transdisziplinären Forschungsstelle für Bildung in pluraler Gesellschaft und dem Arithmeum öffneten gleich drei Einrichtungen ihre Türen für neugierige Besucherinnen und Besucher.
Auf Entdeckungsreise im Laserlabor
Wie entsteht eigentlich Licht? Wie kann man Licht verschiedener Elemente unterscheiden? Und was hat ein Fußball mit einem Atom zu tun? Im Institut für Angewandte Physik konnten Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren genau diesen Fragen auf den Grund gehen und an verschiedenen Stationen erkunden, was in einem Laserlabor passiert und woran Forschende dort arbeiten. Zu Beginn tauchten die Kinder in die Welt der Lichtspektren ein. Durch kleine Röhren konnten sie das Licht verschiedener Gasentladungen betrachten und die entstehenden Spektren von Argon, Cäsium, Neon, Natrium, Rubidium, Quecksilber und Thallium auf einem Monitor miteinander vergleichen.
Auch die Übertragung von Licht durch Glasfasern stand auf dem Programm. Für Ilyas und Jakob war das eine überraschende Erkenntnis: „Wir wussten gar nicht, dass Glasfaser auch Licht übertragen kann. Das müssen wir unseren Freunden in der Schule erzählen“.
Besonders anschaulich wurde es schließlich bei der Frage, was ein Fußball mit einem Atom zu tun hat. In einem Experiment lernten die Kinder, wie sich mit speziellen Lasern Atome beeinflussen und gezielt bewegen lassen. Dafür stellten sie sich in zwei Gruppen gegenüber auf. In der Mitte lag ein Fußball, der symbolisch für ein Atom stand. Mithilfe von Tennisbällen versuchten die Kinder gemeinsam, den „Atom-Fußball“ genau an einen zuvor markierten Punkt zu bewegen. Teamarbeit und gutes Zielen waren gefragt. Auf diese Weise wurde spielerisch veranschaulicht, wie Laser genutzt werden können, um Atome gezielt zu steuern.
Auf Zeitreise ins antike Rom
Auf eine Reise ins Antike Rom, genauer gesagt auf das Forum Romanum, ging es für die Kindern bei KONTRAST, der transdisziplinären Forschungsstelle für Bildung in pluraler Gesellschaft. Welche Kleidung trugen die unterschiedlichen Menschen damals und mit welchen Gewürzen wurde gekocht? An acht Stationen tauchten die Kinder ganz unmittelbar und spielerisch in die Lebenswelt der Römer*innen ein und konnten mit allen Sinnen entdecken, wie das Leben früher im antiken Rom aussah. In einer Garküche gab es verschiedene Gewürze wie Zimt, Anis, Safran, Minze und Pfeffer. Wer wollte, konnte sich zudem in eine Tunika oder Toga kleiden und selbst in die Rolle einer jungen Römerin oder eines jungen Römers schlüpfen. Auch kreative Aktionen standen auf dem Programm: Die Kinder konnten ihren eigenen Blumenkranz binden oder bunte Mosaike nachahmen und auf Holzbrettern gestalten. Für Anton war das Mosaikgestalten eines der Höhepunkte: „Ich möchte aber unbedingt noch zu dem Stand mit der VR-Brille, da stehen nur gerade noch so viele an“. Seine Neugier war gut nachvollziehbar. Mit der VR-Brille konnten die Kinder noch tiefer in die antike Welt eintauchen. Mithilfe eines virtuellen Stadtplans begegneten sie römischen Kindern, erkundeten Märkte oder besichtigten die Synagoge von Ostia.
Für die Organisator*innen Prof. Caroline Teschmer und Prof. Jan Rüggemeier war der Aktionstag ein voller Erfolg. Die große Nachfrage von über einhundert Kindern auf der Warteliste und Anfragen von Schulen habe sie dazu bewogen, das Angebot künftig weiterzuverfolgen und auszugestalten: „Wir hatten so viele Anmeldungen, dass wir beschlossen haben, zukünftig Module zu entwickeln und Schulklassen zu besuchen, um ihnen interaktiv die Antike und plurale Lebensverhältnisse dieser Zeit erfahrbar zu machen.“ Auch Lehrkraft Dominik Mustereit zeigte sich begeistert: „Wir haben hier alle sehr viel Spaß und freuen uns, den Kindern das antike Rom so erlebbar und greifbar zu machen“.
Von den ersten Rechensteinen zum Computerchip
Wie haben die Menschen früher gerechnet und wie wussten sie, wie spät es ist? Im Arithmeum, dem Rechenmuseum der Universität Bonn, tauchten die Kinder in die Geschichte des Rechnens und der Zeiterfassung ein. Bei der Führung durch die unterschiedlichen Etagen und Zeitalter erfuhren sie, wie die Menschen vor rund 500 Jahren ein Gefühl für Mengen und Vergleiche bspw. beim Handeln bekommen haben, obwohl nur wenige Menschen rechnen konnten. Christen Gorny, wissenschaftlicher Volontär im Arithmeum, zeigte ihnen, wie Menschen schon damals Mengen festhielten und miteinander verglichen. Dazu verteile er kleine, bunte Steinchen und erklärte: „Mit Hilfe dieser Steine wurde auf Tonscheiben vermerkt, wie viele Steinchen auf dem Tisch liegen. Durch die verschiedenen Farben konnte man ein Gespür für Zahlen entwickeln und Vergleiche anstellen“. Besonders groß war die Freude darüber, dass die Kinder die Steinchen anschließend mit nach Hause nehmen durften.
Im ersten Obergeschoss zeigte Gorny den Kindern eine Sonderausstellung des Arithmeums mit verschiedenen Tisch- und Sonnenuhren. Dabei erfuhren sie mehr über deren Funktionsweise und Geschichte und entdeckten, wie Menschen schon früher mithilfe von Technik die Zeit bestimmten.
Von den technischen Hilfsmitteln der Vergangenheit ging es anschließend in die Gegenwart: Wie wird denn heute in unserer technologisierten Welt gerechnet? Im Erdgeschoss erhielten die Kinder einen Einblick darauf, welche Technik hinter dem Rechnen mit Computern steckt. So konnten die Kinder einen Mikrochip aus nächster Nähe betrachten und erfahren, wie klein die Technik ist, die heute komplexe Rechenvorgänge ermöglicht.
Der bundesweite Aktionstag „Türen auf mit der Maus“ bot den Kindern an der Universität Bonn die Möglichkeit, selbst zu entdecken, ausprobieren und Fragen zu stellen. Ob beim Experimentieren mit Licht und Lasern, beim Eintauchen in das antike Rom oder beim Blick auf die Geschichte und Zukunft des Rechnens – Überall gab es etwas Neues zu entdecken. Ein Tag voller kleiner Wunder, die sonst oft hinter den Türen der Universität verborgen bleiben.