13. Mai 2026

KI als sozialer Akteur KI als sozialer Akteur

Konferenz an der Universität Bonn beleuchtet, welche Auswirkungen emotional intelligente KI auf die Gesellschaft haben

Wie verändert Künstliche Intelligenz unser Denken, Fühlen und Sprechen? Die internationale Konferenz „Irrationality and the Age of AI“ geht diesen Fragen vom 18. bis 20. Mai an der Universität Bonn aus transdisziplinärer Perspektive nach. Im Zentrum steht die wachsende Bedeutung sogenannter „irrationaler“ Aspekte wie Emotionen, Intuition und affektive Kommunikation im Kontext moderner KI-Systeme. An der Konferenz nehmen neben international hochkarätigen Forschenden aus Asien, den USA, Afrika und Europa auch hochrangige Vertreter der globalen Wirtschaft, wie die Vorstandsvorsitzenden von NTT und Hitachi, teil. 

Wenn KI emotional intelligent wird
Wenn KI emotional intelligent wird - was hat das für Auswirkungen für uns Menschen? Dieser Frage geht eine Konferenz an der Uni Bonn nach. © Foto: Colourbox.de
Alle Bilder in Originalgröße herunterladen Alle Rechte vorbehalten!
Bitte füllen Sie dieses Feld mit dem im Platzhalter angegebenen Beispielformat aus.
Die Telefonnummer wird gemäß der DSGVO verarbeitet.

Künstliche Intelligenz (KI) durchdringt unseren Alltag immer mehr. Dabei ist KI längst nicht mehr nur ein Werkzeug zur rationalen Problemlösung: KI-Systeme wie Chatbots treten zunehmend in Dialog mit Nutzerinnen und Nutzern. „Systeme, die auf menschlichen Daten trainiert werden, beinhalten zwangsläufig Aspekte wie emotionale Reaktion, subjektive Werte oder kulturelle Prägung“, sagt Professor Markus Gabriel vom Center for Science and Thought der Universität Bonn. „Die KI wird damit zu einem Spiegel unserer selbst – und zu einem sozialen Akteur.“

Sprachmodelle wie ChatGPT und Claude imitieren nicht nur menschliche Sprache, sondern passen ihre Antworten auch an Stil, Situation und Kontext an. Normalerweise läuft die Interaktion höflich, wertschätzend und hilfsbereit ab. All das imitiert gezielt zwischenmenschliche Kommunikation und die emotionalen Nuancen menschlichen Verhaltens.

KI ist damit nie neutral, sie ist kontextabhängig und emotional aufgeladen. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten emotionaler und politischer Einflussnahme – insbesondere im Zusammenspiel mit den meinungsverstärkenden Dynamiken sozialer Medien. Im Rahmen der Konferenz „Irrationality and the Age of AI“ untersuchen die Forschenden, welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf Sprache, zwischenmenschliche Kommunikation sowie gesellschaftliche und kulturelle Prozesse haben. Was bedeutet es für uns, wenn selbst die emotionalen Aspekte des Lebens nicht länger außerhalb der Reichweite der Digitalisierung liegen? Inwiefern verstärkt KI bestehende Denk- und Verhaltensmuster? Inwiefern erzeugt sie neue Dynamiken? Wie hängen Emotionen und ihre verschiedenen Formen des körperlichen und sprachlichen Ausdrucks zusammen? Und was bedeutet es, wenn KI emotionale Muster menschlichen Verhaltens erkennt und massenhaft reproduziert?

Die Konferenzbeiträge widmen sich den ethischen, philosophischen und politischen Implikationen von KI-Systemen mit emotionaler Intelligenz. Fragen nach Verantwortung, Regulierung und nachhaltiger Gestaltung stehen ebenso im Mittelpunkt wie Überlegungen zu Bewusstsein, Intentionalität und der Rolle von Emotionen in Mensch-Maschine-Interaktionen.

Die Konferenz verfolgt einen transdisziplinären Ansatz und bringt Forschende sowie Praktiker zusammen. Neben Vorträgen aus Informatik, Linguistik, Philosophie, Sozial- und Kulturwissenschaften wird es Panels mit führenden Unternehmern wie Jun Sawada, OBE (NTT, Executive Chairman) und Toshiaki Higashihara (Präsident der japanisch-deutschen Gesellschaft und Hitachi, Executive Chairman) und sozial progressiven Start-Ups geben. Ziel ist es, Chancen und Risiken von KI im Spannungsfeld zwischen Rationalität, Emotion und Intuition besser zu verstehen. Mit ihrem thematischen Fokus greift die Veranstaltung eine zentrale Herausforderung unserer Zeit auf: die Gestaltung einer Zukunft, in der technologische Innovationen und menschliche Ausdrucksformen in verantwortungsvoller Weise zusammenwirken. Keynotes werden von Prof. Eva Weber-Guskar (Bochum) und Prof. Alva Noë (UC Berkeley) gegeben.

Transdisziplinäres Forschungsprojekt „Desirable AI“

Die Konferenz findet im Rahmen des Projekts „Desirable AI“ (auf Deutsch: wünschenswerte KI“) statt, eine Kooperation zwischen den Universitäten Bonn und Cambridge. Prof. Markus Gabriel vom Center for Science and Thought und Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Individuals and Societies“, leitet das Teilprojekt „Anthropologische Perspektiven“, das unter anderem untersucht, wie unterschiedliche Vorstellungen vom „Menschen“ die Ansichten verschiedener Kulturen über wünschenswerte Digitalisierung prägen. Humboldt-Professorin Dr. Aimee van Wynsberghe, Institut für Ethik und Wissenschaft, legt in ihrem Teilprojekt „Ethische Designpraxis“ den Fokus auf ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit im technischen Fortschritt.

Website der Konferenz:
https://www.cst.uni-bonn.de/en/events/conference_irrationality_and_the_age_of_ai

Zum Weiterlesen:
Gabriel, Markus: Ethische Intelligenz: Wie KI uns moralisch weiterbringen kann. Ullstein, 26. Februar 2026

Christiane Schäfer
Center for Science and Thought
Universität Bonn
Tel.: +49 228 73 54012
E-Mail: c-schaefer@uni-bonn.de

Wird geladen