29. Oktober 2026

Was macht Waldschutz erfolgreich? Was macht Waldschutz erfolgreich?

+++ Forschungsticker Universität Bonn: Studie zu Brasilien beleuchtet Rolle der Gesetzesdurchsetzung: Zusätzliche Schutzmaßnahmen dort am wirksamsten, wo bestehende Umweltgesetze konsequent durchgesetzt werden +++

Eine neue Studie des Instituts für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik der Universität Bonn zeigt, dass der Erfolg von Naturschutzmaßnahmen teilweise von der glaubwürdigen Durchsetzung von Umweltgesetzen abhängt. Die Studie mit dem Titel „Enforcement drives conservation policy impacts at the Brazilian agricultural frontier“ wurde jetzt in der Fachzeitschrift „Global Environmental Change“ veröffentlicht. Sie entstand unter der Leitung von Dr. Javier Miranda, Universität Bonn, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. David Wuepper, Universität Bonn, sowie Prof. Dr. Jan Börner, Universität Bonn.
Entwaldung in Brasilien
Entwaldung in Brasilien - Entwaldung in Brasilien 2026 © Dr. Javier Miranda / Universität Bonn
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WORUM GEHT ES?
Im Oktober 2026 meldete Brasilien, dass die jährliche Entwaldung im Amazonas-Regenwald und in der Cerrado-Savanne auf den niedrigsten jemals verzeichneten Stand gesunken ist. Diese positive Entwicklung wirft wichtige Fragen auf: Was macht Maßnahmen zum Waldschutz wirksam, und was ist erforderlich, um diese Fortschritte dauerhaft zu sichern?
Eine neue Studie von Forschenden der Universität Bonn liefert Antworten auf diese Frage, indem sie Schutzmaßnahmen an der landwirtschaftlichen Erschließungsgrenze zwischen dem brasilianischen Amazonas-Regenwald und der Cerrado-Savanne untersucht – einem Gebiet, in dem die landwirtschaftliche Ausdehnung weiterhin Druck auf die natürlichen Ökosysteme ausübt.
Brasilien verfügt bereits seit Langem über Gesetze, die festlegen, welchen Anteil an Waldflächen Landbesitzer erhalten müssen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat das Land zudem weitere Maßnahmen ergriffen, um die Entwaldung einzudämmen. Dazu gehören etwa Einschränkungen beim Zugang zu Agrarkrediten oder zu Märkten für Rohstoffe wie Soja, falls Erzeuger die geltenden Umweltauflagen nicht einhalten. Wie wirksam sind diese Maßnahmen, und warum kann ihre Wirkung von Ort zu Ort unterschiedlich ausfallen? Die Ergebnisse der Studie geben Aufschluss darüber, unter welchen Bedingungen politische Schutzmaßnahmen erfolgreich sein können.

WIE SIND DIE FORSCHENDEN VORGEGANGEN?
Die Forschenden untersuchten Veränderungen beim Waldverlust sowie bei der landwirtschaftlichen Flächennutzung entlang der Grenze zwischen den Biomen Amazonas und Cerrado in Brasilien im Zeitraum von 2000 bis 2022. Diese Grenze bietet eine einzigartige Gelegenheit, Maßnahmen zum Naturschutz zu untersuchen. Obwohl beide Seiten der nationalen brasilianischen Waldgesetzgebung unterliegen, wurden speziell für den Amazonas zusätzliche Schutzmaßnahmen eingeführt. Durch den Vergleich benachbarter Gebiete auf beiden Seiten dieser Grenze – vor und nach der Einführung dieser Maßnahmen – konnten die Forschenden deren Auswirkungen bewerten. Dabei berücksichtigten sie bereits bestehende regionale Unterschiede sowie umfassendere Veränderungen, die beide Regionen betrafen.
Das Team kombinierte satellitengestützte Informationen zur Landnutzung mit Daten zu umweltrechtlichen Bußgeldern. So untersuchten sie, ob die zusätzlichen Maßnahmen in Gemeinden, in denen bestehende Umweltgesetze unterschiedlich stark durchgesetzt wurden, auch unterschiedliche Wirkungen zeigten.

WAS IST DAS WICHTIGSTE ERGEBNIS?
Zusätzliche Schutzmaßnahmen verringerten den Waldverlust vor allem dort, wo Umweltgesetze konsequent durchgesetzt wurden. Die Studie ergab, dass die im brasilianischen Amazonasgebiet eingeführten zusätzlichen Maßnahmen mit einem Rückgang des Waldverlusts einhergingen – insbesondere in Gemeinden, in denen die Gesetze stärker durchgesetzt wurden. In Gebieten mit schwächerer Durchsetzung fanden die Forschenden keine eindeutigen Hinweise auf einen vergleichbaren Rückgang. Dies deutet darauf hin, dass der Erfolg neuer Naturschutzmaßnahmen teilweise davon abhängt, wie effektiv bestehende Vorschriften umgesetzt werden.
Zudem untersuchten die Forschenden, ob diese Maßnahmen Landwirte dazu veranlassten, bereits gerodete Flächen intensiver zu nutzen – etwa durch die Umwandlung von Weideland in Ackerland. Diese Effekte waren jedoch schwächer und weniger einheitlich; dies deutet darauf hin, dass ein erfolgreicher Waldschutz nicht zwangsläufig zu einer intensiveren landwirtschaftlichen Nutzung führt.
Die Ergebnisse sind auch über Brasilien hinaus von Bedeutung. Sie legen nahe, dass dieselben Naturschutzmaßnahmen sehr unterschiedliche Wirkungen haben können – je nachdem, wie konsequent die zugrunde liegenden Gesetze durchgesetzt werden.
Dies ist besonders relevant, da Brasilien versucht, die jüngsten Fortschritte bei der Eindämmung der Entwaldung zu bewahren. Die Erfahrungen des Landes zeigen, dass Erfolge im Naturschutz nicht zwangsläufig von Dauer sind – so nahm der Waldverlust nach einem anfänglichen Rückgang später wieder zu.
Die Studie unterstreicht, dass es für den dauerhaften Erhalt solcher Erfolge nicht nur guter politischer Maßnahmen bedarf, sondern auch einer konsequenten Durchsetzung der bestehenden Umweltgesetze.

WER WAR DARAN BETEILIGT?
Die Forscher der Universität Bonn, Dr. Javier Miranda, Prof. Dr. David Wuepper und Prof. Dr. Jan Börner haben diese Studie realisiert. Alle drei Forscher sind Mitglieder des Transdisziplinären Forschungsbereichs „Technologie und Innovation für eine nachhaltige Zukunft“, TRA Sustainable Futures.

WAS IST DIE QUELLE?
Miranda, J., Wuepper, D., & Börner, J. (2026). Enforcement drives conservation policy impacts at the Brazilian agricultural frontier. Global Environmental Change, 101, 103239.
https://doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2026.103239

WO ERFAHRE ICH MEHR?
Dr. Javier Miranda, Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik, Universität Bonn
javier.miranda@ilr.uni-bonn.de

Wald in Brasilien
Wald in Brasilien - Wald 2026 © Dr. Javier Miranda / Universität Bonn
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