Herzklopfen, Schmetterlinge im Bauch, Gänsehaut: Emotionen wie Liebe, Aufregung und Angst erleben wir mit unserem Körper. Und auch wenn wir Emotionen in der Literatur darstellen, spielt der Körper oft eine Rolle. Das war in schon in der Antike so. „Manche verkörperte Darstellungen von Emotionen in der antiken griechischen und lateinischen Literatur leuchten auch heute noch unmittelbar ein, etwa wenn eine Figur vor Angst zittert“, erklärt Prof. Dr. Thomas Kuhn-Treichel. „Andere werfen dagegen Fragen auf: Was passiert körperlich, wenn sich in den homerischen Epen ‚die Knie und das Herz lösen‘, und warum geschieht dies sowohl bei Todesangst als auch bei freudiger Überraschung? Was bedeutet es, wenn eine Figur vor Liebe oder Kummer ‚schmilzt’? Und schmelzen Frauen in der antiken Literatur häufiger als Männer?“
Diesen und ähnlichen Fragen widmet sich Thomas Kuhn-Treichel im Rahmen seiner Heisenberg-Professur an der Universität Bonn. Neben literaturwissenschaftlichen Analysen wird er auch psychologische, neurophysiologische und kognitionswissenschaftliche Perspektiven betrachten. „Mich interessiert dabei auch, ob Veränderungen derartiger Ausdrucksweisen im Laufe der Antike auf sich wandelnde Konzepte von Körper und Emotion deuten oder ob vor allem literarische Konventionen die die Ausdrucksweisen bestimmen.“ Geplant sind eine Monographie und Aufsätze, aber auch Tagungen und Kooperationen in Form eines Netzwerks.
„Die Universität Bonn bietet mir gute Kooperationsmöglichkeiten sowohl innerhalb des Faches als auch mit anderen Disziplinen“, freut sich Thomas Kuhn-Treichel über seine neue Wirkungsstätte. „Die Bonner Klassische Philologie hat ein theorieaffines Profil, an das ich gut anknüpfen kann; über die Emotionsforschung haben sich jetzt bereits Kontakte in Bonn ergeben.“ Auch der Exzellenzcluster Bonn Center for Dependency and Slavery Studies bietet sehr gute Anknüpfungspunkte.