01. Oktober 2026

Geschmolzen vor Kummer: Wie die Antike über Gefühle schrieb Geschmolzen vor Kummer: Wie die Antike über Gefühle schrieb

Der klassische Philologe Prof. Dr. Thomas Kuhn-Treichel erforscht an der Uni Bonn, wie Emotionen in der antiken Literatur dargestellt werden

Was bedeutet es, wenn eine Figur vor Liebe oder Kummer „schmilzt“? Wie Emotionen in der antiken Literatur dargestellt werden, untersucht Prof. Dr. Thomas Kuhn-Treichel im Rahmen einer Heisenberg-Förderung an der Universität Bonn. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft ermöglicht mit dem Heisenberg-Programm Forschenden, hochkarätige Projekte zu verwirklichen und damit ihre wissenschaftliche Reputation weiter zu steigern. Thomas Kuhn-Treichel wird ab Oktober 2026 mit rund 830.000 Euro gefördert.

Der klassische Philologe Prof. Dr. Thomas Kuhn-Treichel
Der klassische Philologe Prof. Dr. Thomas Kuhn-Treichel - erforscht im Rahmen einer Heisenberg-Förderung der DFG ab Oktober 2026 an der Uni Bonn, wie Emotionen in der antiken Literatur dargestellt werden. © Foto: Gregor Hübl/Uni Bonn
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Herzklopfen, Schmetterlinge im Bauch, Gänsehaut: Emotionen wie Liebe, Aufregung und Angst erleben wir mit unserem Körper. Und auch wenn wir Emotionen in der Literatur darstellen, spielt der Körper oft eine Rolle. Das war in schon in der Antike so. „Manche verkörperte Darstellungen von Emotionen in der antiken griechischen und lateinischen Literatur leuchten auch heute noch unmittelbar ein, etwa wenn eine Figur vor Angst zittert“, erklärt Prof. Dr. Thomas Kuhn-Treichel. „Andere werfen dagegen Fragen auf: Was passiert körperlich, wenn sich in den homerischen Epen ‚die Knie und das Herz lösen‘, und warum geschieht dies sowohl bei Todesangst als auch bei freudiger Überraschung? Was bedeutet es, wenn eine Figur vor Liebe oder Kummer ‚schmilzt’? Und schmelzen Frauen in der antiken Literatur häufiger als Männer?“

Diesen und ähnlichen Fragen widmet sich Thomas Kuhn-Treichel im Rahmen seiner Heisenberg-Professur an der Universität Bonn. Neben literaturwissenschaftlichen Analysen wird er auch psychologische, neurophysiologische und kognitionswissenschaftliche Perspektiven betrachten. „Mich interessiert dabei auch, ob Veränderungen derartiger Ausdrucksweisen im Laufe der Antike auf sich wandelnde Konzepte von Körper und Emotion deuten oder ob vor allem literarische Konventionen die die Ausdrucksweisen bestimmen.“ Geplant sind eine Monographie und Aufsätze, aber auch Tagungen und Kooperationen in Form eines Netzwerks.

„Die Universität Bonn bietet mir gute Kooperationsmöglichkeiten sowohl innerhalb des Faches als auch mit anderen Disziplinen“, freut sich Thomas Kuhn-Treichel über seine neue Wirkungsstätte. „Die Bonner Klassische Philologie hat ein theorieaffines Profil, an das ich gut anknüpfen kann; über die Emotionsforschung haben sich jetzt bereits Kontakte in Bonn ergeben.“ Auch der Exzellenzcluster Bonn Center for Dependency and Slavery Studies bietet sehr gute Anknüpfungspunkte. 

Prof. Dr. Thomas Kuhn-Treichel hat an der Universität Göttingen lateinische und griechische Philologie studiert. 2016 schloss er seine Promotion in lateinischer Philologie ab. Anschließend folgten Stationen als Lehrbeauftragter am Institut für Klassische Philologie und Komparatistik der Universität Leipzig, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Klassische Archäologie der Freien Universität Berlin sowie die Vertretung des Lehrstuhls für griechische Literaturwissenschaft an der Universität Heidelberg. Im Jahr 2020 habilitierte sich Kuhn-Treichel in lateinischer Philologie. Von 2022 bis 2026 war er Akademischer Mitarbeiter am Seminar für Klassische Philologie der Universität Heidelberg.

Prof. Dr. Thomas Kuhn-Treichel
Institut für Klassische und Romanische Philologie
Universität Bonn
Tel. +49 228 73-82036
E-Mail: kuhntrei@uni-bonn.de 

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