Die Ausstellung dokumentiert die Bandbreite historischer Exponate aus dem Nachlass Simrocks, darunter sein barocker Schreibsekretär sowie Ölgemälde seines Enkels, welche das Stadtmuseum Bonn als Leihgaben für die Ausstellung bereit gestellt hat. So erhalten die Besucher der Schau im Universitätsmuseum einen Eindruck von Simrocks Privathaus „Parzival“ in Menzenberg, heute Bad Honnef. Erstausgaben seiner Werke werden ausgestellt, Autographe und Fotografien aus Simrocks Nachlass sowie auch das Familienbesteck mit den Initialen KS.
Von der Fachgeschichte Germanistik über das Netzwerk der Simrocks bis hin zu dessen Freundschaft mit den Brüdern Grimm spannt die neue Sonderausstellung einen Bogen. PD Dr. Peter Glasner dankt insbesondere den Studierenden für ihren Beitrag: „Die Kreativität und die Leistungsbereitschaft der Studierenden in der Bonner Germanistischen Mediävistik haben diese Ausstellung wirklich voran gebracht. Ich freue mich sehr darüber.“
Simrock war das 13. Kind des Musikverlegers Nikolaus Simrock und seiner Frau Francisca Ottilie. Er wurde 1818 einer der ersten Jura-Studenten der neu gegründeten Universität, hörte Vorlesungen auch bei Ernst Moritz Arndt und August Wilhelm Schlegel und fühlte sich schon früh als Deutscher, ganz anders als sein francophoner Vater; zuhause in der Acherstraße wurde Französisch gesprochen. Seine Zeit im Staatsdienst als Jurist am Berliner Kammergericht endete nach der Veröffentlichung seines Lobliedes auf die Juli-Revolution 1830 in Frankreich. Zurück in Bonn, wurde Simrock erster Germanistikprofessor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Er selbst verstand sich als Sagen- und Märchensammler, als Dichter und Übersetzer. Aus seiner Feder stammt auch der Schluss des mittelalterlichen Tristan-Romans von Gottfried von Straßburg. Ab 1839 erschienen Simrocks Deutsche Volksbücher in 55 Auflagen. Seinem Forschungsdrang ist der hochdeutsche Zugang zur nordischen Literatur zu verdanken.
Die neue Sonderausstellung im Universitätsmuseum ist ein Schritt auf dem Weg zu einer digitalen Bibliothek mit den Werken Simrocks, seiner Korrespondenz sowie Dokumenten zum Leben Simrocks, das nicht zuletzt von einem großen Netzwerk geprägt war. Dazu zählten Persönlichkeiten wie die Brüder Grimm, Ludwig Uhland, Karl Lachmann, Karl Bartsch, Heinrich Heine, Ferdinand Freiligrath oder auch Johann Wolfgang von Goethe.