09. Juni 2026

Wilde Wohngemeinschaft in den Botanischen Gärten Wilde Wohngemeinschaft in den Botanischen Gärten

Käfer, Pilze, die Feuerlibelle und andere Gartenbewohner in neuer Ausstellung der Botanischen Gärten

Die faszinierende Welt der heimlichen Mitbewohner in den Botanischen Gärten der Universität Bonn wird dort in einer neuen Ausstellung des Verbands der Botanischen Gärten bis Ende Oktober vorgestellt. Sie wird am 16. Juni 2026 um 17.00 Uhr mit einem Gartenrundgang eröffnet. Neben Informationstafeln und Gartenführungen zur Lage der Artenvielfalt können interessierte Studierende mit der Hochschulgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (NABU-Hochschulgruppe) beim Zählen der verschiedenen Arten in den Botanischen Gärten helfen.

Feuerlibelle
Feuerlibelle - Die Feuerlibelle wurde 2023 zum ersten Mal beobachtet und seit dem immer wieder. © Johannes Sander / Universität Bonn
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Die neue Ausstellung des Verbandes Botanischer Gärten fußt auf den Bioblitz-Ergebnissen des letzten Jahrs und stellt so die verschiedenen Lebensräume der Arten in den wissenschaftlichen Gärten vor. Die Ausstellung wird den ganzen Sommer hindurch bis Ende Oktober bei einem Besuch in den Botanischen Gärten der Universität Bonn zu sehen sein.

Beim Bioblitz 2025 wurden innerhalb von nur einer Woche über 1400 Arten gefunden. Mehr als die Hälfte der Arten sind Insekten, darunter 180 Käferarten. Die Auswertung der Bioblitz-Ergebnisse aus 2025 läuft noch angesichts der enormen Datenmenge, die alle Artenvielfalt-Fans der Region zusammengetragen haben. Allein im Schlossgarten wurden in früheren Untersuchungen 980 Käferarten nachgewiesen, sagt Johannes Sander von der NABU-Hochschulgruppe. Weitere, noch unbekannte Arten seien auch aus den kommenden Erfassungen zu erwarten, weshalb eine vorsichtige Prognose von mindestens 1050 Arten im Schlossgarten ausgehe, erläutert Sander.

Totholz fördert Käfer-Arten

Auffällig sei dabei die „deutliche Zunahme von totholzgebundenen Arten im Vergleich zu den Erfassungen aus 1997 und 2007. Diese positive Entwicklung verdanken wir der veränderten Gestaltung und Pflege im Garten“, erläutert Dr. Cornelia Löhne. Regelmäßigen Besuchern im Schlossgarten dürfte es aufgefallen sein: Es verbleibt heute wesentlich mehr Totholz im Garten, wo früher Rasen war, liegt heute eine dicke Laub- und Mulchschicht unter den Bäumen. „Was als Pflegemaßnahme für unsere Gehölze gedacht war, hat sich auch als Schlüssel zur Erhöhung der Artenvielfalt erwiesen. Es ist schön zu sehen, dass unterrepräsentierte Gruppen wie Bock- und Prachtkäfer deutlich zugenommen haben“, so Löhne. 

Feuerlibelle mag die Gärten 

Besonders schön: Derzeit sind in den Botanischen Gärten 23 Arten von Libellen nachgewiesen, darunter 14 Libellenarten, die in den Gärten hier zuhause sind und nicht nur zwischendurch der attraktiven Gewässer halber als Gast vorbeifliegen. Und obwohl die Umwelt zweifellos seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts vielen Veränderungen ausgesetzt war: Die Libellenfauna hat sich seither nur geringfügig verändert. Eine neue Libellenart ist mit der wärmeliebenden Feuerlibelle sogar hinzugekommen; 2023 wurde sie erstmals im Schlossgarten nachgewiesen und seitdem immer wieder gesichtet.

Zur Eröffnung am 16. Juni um 17.00 Uhr bieten der Direktor der Botanischen Gärten der Universität Bonn, Prof. Dr. Maximilian Weigend, die Wissenschaftliche Leiterin der Botanischen Gärten der Universität Bonn, Dr. Cornelia Löhne, mit Johannes Sander von der NABU-Hochschulgruppe eine Gartenführung zum Thema Artenvielfalt an. Im Anschluss laden die Botanischen Gärten zum get-together mit der Möglichkeit zur weiteren Diskussion ein.

Zur Ausstellung erscheint auch ein gesondertes Heft zur Artenvielfalt der Botanischen Gärten, an dem Studierende und Forschende der Universität Bonn mitgewirkt haben. So stellt beispielsweise Prof. Dr. Antonia Mayr die Welt der Bienen in den Gärten vor; Dr. Daniela Rösler stellt zusammen mit einem Studenten vor, was wir über verschiedene Spinnenarten wissen. Dr. Inge Bischoff bietet am Freitag, 19. Juni, 16:30 Uhr, einen Gartenrundgang zur wilden Vielfalt der Bienen in den Gärten an.

Käfer im Schlossgarten
Käfer im Schlossgarten - Vorsichtig geschätzt leben - wie dieser Käfer der Art Agrilus sulcicollis - über tausend Käferarten im Schlossgarten. © Johannes Sander / Universität Bonn
Trompetenschnitzling
Trompetenschnitzling - Trompetenschnitzling: Dr. Cornelia Löhne hat diesen Pilz im Herbst 2025 in den Gärten festgehalten © Cornelia Löhne / Universität Bonn

Käfer-Monitoring:
Studierende, die Lust haben, selbst aktiv zu werden, können bei der NABU-Hochschulgruppe jederzeit mitmachen. In diesem Jahr steht unter anderem ein großangelegtes Käfer-Monitoring im Schlossgarten an. Man kann beim Sortieren, Präparieren und Bestimmen der verschiedenen Käferarten helfen und gleichzeitig etwas über die Artenvielfalt in den Gärten lernen. „Interessierte brauchen kein Fachwissen mitbringen. Das Wichtigste ist Interesse und die Bereitschaft, zuverlässig an verschieden Terminen mitzumachen. Wer mitmachen will, meldet sich bei mir“, erklärt Johannes Sander.

Ansprechpartner für das Käfer-Monitoring: 
Johannes Sander, Hochschulgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) 
E-Mail: hochschulgruppe@nabu-bonn.de

Weitere Infos zum Bioblitz 2025:
https://www.botgart.uni-bonn.de/bioblitz

Tiere und Pilze in den Botanischen Gärten der Universität Bonn bei I-Naturalist: 
https://www.inaturalist.org/projects/tiere-und-pilze-in-den-botanischen-gaerten-der-universitaet-bonn

Dr. Cornelia Löhne
Wissenschaftliche Leiterin der Botanischen Gärten der Uni Bonn
E-Mail: botgart@uni-bonn.de 
Tel. 0228-73-5523

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