03. Juni 2026

Kunstkammer Pohl-Goldschmidt im Arithmeum Kunstkammer Pohl-Goldschmidt im Arithmeum

Eine Woche lang: Wertvolle wissenschaftliche Instrumente der Renaissance aus der Sammlung Pohl-Goldschmidt erstmalig öffentlich ab dem 13. Juni 2026 zu sehen

Die neue Sonderausstellung des Arithmeum zeigt ab dem 13. Juni 2026 Objekte der Sammlung Pohl-Goldschmidt. Erstmalig sind damit einzigartige und prachtvolle wissenschaftliche Instrumente der Spätrenaissance aus dieser Sammlung öffentlich zu sehen. Die Ausstellung endet bereits am 20. Juni 2026. 

Armillarsphäre
Armillarsphäre - Italienische Armillarsphäre, um 1520. Messing vergoldet, Sammlung Pohl-Godschmidt. © Patrick Rocca / Universität Bonn
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Eine Kunstkammer war in der Spätrenaissance ein Ort, an dem das Wissen der Zeit und die Wunder der Welt in materieller Form zusammengetragen wurden. Künstliche Objekte wurden als „Artificialia“ und natürliche Sammlungsgegenstände als „Naturalia“ zusammengetragen und dicht gedrängt auf engem Raum präsentiert, um die Fülle der Welt und des Universums zu spiegeln. Historische Kunstkammern sind gut erschlossen und beschrieben, wie beispielsweise eine der ältesten Sammlungen in Schloss Ambras, oder auch die heute im Kunsthistorischen Museum in Wien zu bestaunende Kunstkammer der Habsburger. Kunstkammern waren außerdem Horte der Forschung mit wissenschaftlichen Instrumenten. „Artificialia“ und „Scientificia“ umfassten künstlerische bzw. wissenschaftliche Erzeugnisse jeglicher Art.
Die Kunstkammer Pohl-Goldschmidt zeigt jetzt erstmals öffentlich prachtvolle Exemplare ihrer Sammlung. Seit mehreren Generationen in Privatbesitz, wurden hier Objekte höchster künstlerischer und zugleich auch materieller Qualität zusammengetragen, die ursprünglich für die Verwendung in Kunstkammern gefertigt worden waren. Es handelt sich vornehmlich um wissenschaftliche mathematische Objekte der Renaissancezeit, die von den renommiertesten Herstellern solcher Kunstkammerstücke virtuos kreiert wurden.
Das besondere Merkmal dieser Sammlung ist, dass die Produktion von Kunstkammerstücken dokumentiert wird. Unterschiedliche Ausführungen besonderer Typen spezieller Kunstkammerobjekte, wie Armillarsphären werden einander gegenübergestellt.

Großer Gewinn für die Universität, für die Wissenschaft und für die Besucher

Damit ist die Kunstkammer Pohl-Goldschmidt sowohl eine einzigartige, unvergleichliche Sammlung von Instrumenten der Spätrenaissance mit großer Bedeutung für die wissenschaftliche Erarbeitung der Geschichte mathematischer Instrumente, als auch eine ergiebige Quelle für das Studium des Kunstkammerobjekts.
„Die in der Ausstellung gezeigten Objekte der Kunstkammer Pohl-Goldschmidt verbinden auf eindrucksvolle Weise wissenschaftliche Erkenntnis, handwerkliche Präzision und künstlerische Gestaltung. Dass diese außergewöhnliche Sammlung nun im Arithmeum erstmals öffentlich zugänglich wird, ist ein großer Gewinn für die Universität, für die Wissenschaft und für alle Besucherinnen und Besucher.“, erklärt der Rektor der Universität, Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch.
Die Hersteller – oft selbst Wissenschaftler, Ingenieure oder Mathematiker – versuchten nicht allein, bereits Bekanntes zu reproduzieren, sondern durch Kombination oder Verwen-dung neuer wissenschaftlicher Errungenschaften bis dahin nie Dagewesenes neu zu schaffen und die Welt und das Universum besser zu verstehen.

Sammlung Pohl-Goldschmidt: Schätze für die Jugend

Professor Dr. Ina Prinz, Direktorin des Arithmeums und Co-Kuratorin der Ausstellung, weist auf das Beispiel des Triens von Christoph Schissler hin: "Hier ist ganz wunderbar erkennbar, wie die wissenschaftlichen Ideen von Peter Bennewitz alias Petrus Apianus (1495 – 1552) zur Fertigung eines Instruments zur Vermessung von Sternbahnen und deren Kulminationspunkten von Christoph Schissler im Jahr 1569 umgesetzt und praktisch ergänzt wurden. Zuvor waren solch präzise Vermessungen nicht möglich und Schissler fertigte gleich zwei dieser sehr aufwändig gravierten und vergoldeten Kupferinstrumente, auf deren Rückseite eine Darstellung des Ptolemäus bei der Verwendung eines Quadranten zu finden ist."
Die Direktorin des Arithmeums freut sich zudem darüber, dass "viele der Objekte jetzt überhaupt zum ersten Mal Dritten gezeigt und ihre genaue Funktion untersucht und beschrieben werden. Nie zuvor wurde beispielsweise der exzeptionelle Himmelsglobus von Christoph Schissler überhaupt präsentiert, schon gar nicht öffentlich.“, erklärt Prof. Dr. Ina Prinz.
"Ich freue mich", erklärt der Sammler, Karl Pohl, "dass meine Sammlung im Arithmeum einen Ort gefunden hat, an dem 'meine Schätzchen' in ästhetischem Ambiente fachkundig kuratiert und präsentiert werden. Vor allem freut es mich, dass junge Menschen so die Chance erhalten, die Stücke kennen zu lernen und sich damit und mit den wissenschaftlichen Hintergründen auseinander zu setzen.“

Kuratiert wurde die Ausstellung von Professor Dr. Ina Prinz, Direktorin des Arithmeums, und Professor Dr. Patrick Rocca, Chefkurator des Arithmeums.

Das gesamte Team des Arithmeums hat zudem gemeinsam mit den Kuratoren ein ansprechendes Führungsprogramm erarbeitet, ein didaktisches Video erstellt und sowohl interaktive Workshops für Erwachsene als auch Kinder- und Schulprogramme erarbeitet.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Alle Zusatzprogramme und Führungen können auch als Individualprogramme gebucht werden. Die Ausstellung endet am 20. Juni 2026. 

Astrolabium
Astrolabium - Astrolabium, Georg Hartmann, Nürnberg 1525, Messing, Sammlung Pohl-Goldschmidt. © Patrick Rocca / Universität Bonn
Himmelsglobus mit Sonnenuhr
Himmelsglobus mit Sonnenuhr - Himmelsglobus mit Sonnenuhr, Christoph Schissler, Augsburg 1597, Messing vergoldet, Holz, diverse Materialien, Sammlung Pohl-Goldschmidt. © Patrick Rocca / Universität Bonn
Klappsonnenuhr
Klappsonnenuhr - Klappsonnenuhr, drei Platten. Thomas Tucher, Nürnberg um 1620. Elfenbein koloriert, Messing vergoldet, Eisen, Glas, Sammlung Pohl-Goldschmidt. © Patrick Rocca / Universität Bonn
Mathematisches Kompendium
Mathematisches Kompendium - Mathematisches Kompendium, Christoph Schissler, Augsbugr 1557, Messing vergoldet, Sammlung Pohl Goldschmidt. © Patrick Rocca / Universität Bonn

Weitere Information auf der Website des Arithmeums.

Ein Anmeldung zur Teilnahme an der Eröffnung der Ausstellung am 13. Juni 2026, 16.00, im Arithmeum, ist erforderlich unter arithmeum@uni-bonn.de

Professor Dr. Patrick Rocca,
Arithmeum. Rechnen einst und Heute. 
Universität Bonn, Lennéstraße 2, 53113 Bonn
Tel. 0049-228-73-8790 
arithmeum@or.uni-bonn.de

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