„Klaus Borchard hat sich in herausragender Weise um die Universität Bonn verdient gemacht und ihre Entwicklung über viele Jahre hinweg maßgeblich geprägt“, sagt Rektor Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch. „Als Wissenschaftler, Dekan und Rektor hat er Verantwortung für unsere Universität übernommen, sie mit großer strategischer Weitsicht und klarem Wertekompass mitgestaltet und ist ihr weit über seine Amtszeit hinaus engagiert und eng verbunden geblieben. Wir verlieren mit ihm nicht nur einen klugen Ratgeber und eine prägende Persönlichkeit, sondern auch einen warmherzigen Menschen mit feinem Humor, der vielen in persönlicher Erinnerung bleiben wird. Seine Zugewandtheit und seine Verbundenheit mit unserer Alma Mater haben ihn weit über seine Ämter und Funktionen hinaus ausgezeichnet. Sein Verlust erfüllt uns mit großer Trauer. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.“
Rektor der Universität Bonn von 1997 bis 2004
Klaus Borchard folgte 1976 dem Ruf auf den Lehrstuhl für Städtebau und Siedlungswesen an die Universität Bonn und wurde zugleich Direktor des Instituts für Städtebau, Bodenordnung und Kulturtechnik. An der damaligen Landwirtschaftlichen Fakultät übernahm er Verantwortung als Dekan und Prodekan. Als Wissenschaftler und Hochschullehrer hinterließ er bleibende Spuren und prägte Generationen von Studierenden. Seine Forschung verband analytische Präzision mit einer klaren Orientierung an praktischen Anforderungen; mit Arbeiten zu Orientierungswerten, Flächenbedarfen und Kostenkennwerten sowie interdisziplinären Beiträgen zur Stadt- und Raumentwicklung setzte er auch international nachhaltige Impulse.
1997 wurde er zum 140. Rektor der Universität Bonn gewählt und leitete die Hochschule bis 2004 in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen. In seine Amtszeit fiel eine Phase, in der sich die Universität Bonn national wie international zunehmend als forschungsstarke Volluniversität profilierte.
Über die Universität hinaus wirkte Borchard in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien und Fachgesellschaften. Von 1998 bis 2002 war er Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz. Er engagierte sich unter anderem in der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, im Deutschen Rat für Landespflege und in wissenschaftlichen Beiräten zur Stadt- und Raumentwicklung. Für sein wissenschaftliches und gesellschaftliches Wirken wurde er vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande.
Historische Verantwortung der Universität
Ein besonderes Anliegen war Klaus Borchard die historische Verantwortung der Universität. 1999 gab er eine Publikation über die Opfer nationalsozialistischen Unrechts an der Universität Bonn heraus und setzte damit ein wichtiges Zeichen für Erinnerung, Aufklärung und moralische Verantwortung. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Rektorat blieb er der Universität eng verbunden – unter anderem als Ehrenvorsitzender der Universitätsgesellschaft Bonn und als Jubiläumspräsident im Jahr des 200-jährigen Bestehens der Universität 2018.
Erst im Herbst 2025 hatte die Universität Bonn Klaus Borchard mit ihrer Universitätsmedaille ausgezeichnet, der höchsten Ehrung, die sie an ihre Mitglieder und Angehörigen vergeben kann. Damit würdigte sie sein jahrzehntelanges Wirken für die Universität und sein außergewöhnliches persönliches Engagement.
Die Universität Bonn wird Prof. Dr.-Ing. Klaus Borchard ein ehrendes Andenken bewahren.