Mehr Struktur für ein internationales Hochschulsystem
Forschung und Lehre sind international vernetzt, viele Verwaltungsprozesse ebenfalls. Entsprechend wächst der Bedarf an verlässlichen englischsprachigen Informationen – von Personalformularen bis hin zu Verwaltungsvorschriften. Genau hier setzt die Landeskoordinationsstelle an: Sie soll Ressourcen bündeln, Doppelarbeit vermeiden und hochschulübergreifend relevante Dokumente zentral in englischer Sprache zugänglich machen.
In der aktuellen Aufbauphase erhebt die Koordinationsstelle zunächst, welche englischsprachigen Dokumente oder zweisprachigen Ressourcen – etwa Glossare oder Terminologie – an den 36 öffentlich-rechtlichen Hochschulen in NRW bereits existieren. Daraus werden Prioritäten für die weitere Arbeit abgeleitet.
Parallel entsteht ein digitales Portal, das Ende April 2026 online gehen soll. Über das lassen sich Musterdokumente sowie weitere Materialien abrufen. Künftig können dort – sowie per E-Mail – auch Anfragen für Übersetzungen und Lektorate eingereicht werden.
Etablierte Expertise
Die Einrichtung der Koordinationsstelle in Bonn hängt auch mit den hier vorhandenen, fest etablierten Strukturen zusammen. Bereits 2019 hat die Universität Bonn im Dezernat Internationales einen Zentralen Übersetzungsservice aufgebaut, um sprachliche Barrieren abzubauen und die internationale Ausrichtung zu fördern. Anfangs stand die Übersetzung von Texten, Formularen und anderen Inhalten aus dem Deutschen ins Englische im Fokus. Ein Jahr später kam die Koordination von Lektoraten englischsprachiger wissenschaftlicher Texte mit einem externen Serviceanbieter hinzu.
Der Zentrale Übersetzungsservice berät die Mitarbeitenden in sämtlichen Sprach- und Übersetzungsangelegenheiten. Er pflegt zudem das deutsch-englische Glossar und den Styleguide für englischsprachige Texte der Universität. Seit 2021 bieten die Sprachprofis auch an, für wichtige Gesprächstermine und öffentlichkeitsrelevante Veranstaltungen an der Uni Bonn zu dolmetschen.
Zentrale Stelle soll Synergien schaffen
In einigen Bundesländern gibt es bereits eine Stelle, die hochschulübergreifend relevante Übersetzungen koordiniert oder gemeinsame Sprachressourcen bereitstellt. Im Austausch mit anderen Hochschulen in NRW entstand die Idee, auch hier eine landesweite Koordinationsstelle zu schaffen: Zusammen mit Vertreter*innen der Hochschulen und der Landesrektorenkonferenz wurde daher beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen für die Einrichtung einer solchen Stelle geworben. Die Universität Bonn erhielt 2025 den Zuschlag, die Finanzierung erfolgt aus Mitteln des Zukunftsfonds. Gefördert wird die Koordinationsstelle vom Ministerium zunächst für zwei Jahre.
Prof. Dr. Birgit Ulrike Münch, Prorektorin für Internationales an der Uni Bonn, hebt hervor: „Internationale Zusammenarbeit braucht verlässliche sprachliche Grundlagen, auch in der Verwaltung. Mit der Landeskoordinationsstelle schaffen wir eine Struktur, die die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen konkret unterstützt“. Auch Prof. Dr. Petra M. Vogel, Prorektorin für Nachwuchs, Diversity und Internationales an der Universität Siegen, gehörte von Beginn an zu den Fürsprecher*innen der Stelle: „Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass die Landeskoordinationsstelle einen echten Mehrwert im Hochschulübersetzungsbereich bieten kann. Im Mittelpunkt steht dabei, bestehende Strukturen sinnvoll zu vernetzen und Synergien zu schaffen. Ich freue mich sehr darüber, dass nun auch in NRW eine solche Stelle eingerichtet werden konnte.“
Ziel ist der Aufbau einer funktionsfähigen Plattform, um
- Synergien im Übersetzungsbereich zu nutzen und Doppelarbeit zu vermeiden,
- mehr englischsprachige Informationen bereitzustellen,
- Hochschulübersetzer*innen sowie Mitarbeitende in Verwaltung und Wissenschaft bei der Umsetzung der Internationalisierung zu unterstützen.
Das Serviceangebot: praxisnah und bedarfsorientiert
Mit dem Start des Portals Ende April 2026 sollen unter anderem folgende Angebote zur Verfügung stehen:
- Übersetzungen hochschulübergreifend relevanter Musterdokumente (vom Deutschen ins Englische),
- eine zweisprachige Terminologiedatenbank (Deutsch/Englisch),
- themenspezifische Glossare, die auch in maschinellen bzw. KI-gestützten Übersetzungstools eingesetzt werden können,
- maschinelle Übersetzungen für Hochschulen ohne eigene Lizenzen,
- Lektorate,
- Schulungen, insbesondere zum sinnvollen Einsatz maschineller Übersetzung.
Gerade beim Thema maschinelle Übersetzungen oder Übersetzungen mit Künstlicher Intelligenz zeigt sich ein wachsender Bedarf an Orientierung. In Schulungen soll deshalb konkret vermittelt werden, wie entsprechende Werkzeuge funktionieren, wo ihre Grenzen liegen und welche Anforderungen zu beachten sind, etwa beim Datenschutz oder bei festgelegter Terminologie.
Zusammenarbeit im Netzwerk
Die Landeskoordinationsstelle arbeitet eng mit den 36 öffentlich-rechtlichen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen zusammen. Jede Einrichtung erhält Zugänge zur Plattform und kann die angebotenen Services nutzen. Geplant sind zudem Austauschformate, ein Newsletter sowie Möglichkeiten für Feedback.
Wichtig dabei: Die Koordinationsstelle versteht sich als Service- und Vernetzungsangebot. Sie bietet Unterstützung, legt jedoch keine verbindlichen Standards fest. Die bereitgestellten Übersetzungen und Terminologie-Empfehlungen sollen den Hochschulen als Orientierung dienen und ihre eigene sprachliche Praxis ergänzen.
Bedeutung für die Universität Bonn
Mit der landesweiten Koordinationsfunktion ist die Universität Bonn noch stärker in übergreifende Strukturen der Hochschulentwicklung in Nordrhein-Westfalen eingebunden. Zugleich fügt sich die Koordinationsstelle in die Internationalisierungsstrategie der Universität ein, in der die Weiterentwicklung englischsprachiger Informationsangebote ausdrücklich benannt ist.
Kontakt:
Landeskoordinationsstelle für Übersetzungsangelegenheiten im Hochschulwesen des Landes Nordrhein-Westfalen an der Universität Bonn: landeskoordinationsstelle.nrw@uni-bonn.de