15. April 2026

150 Jahre Geodäsie in Bonn 150 Jahre Geodäsie in Bonn

Von der Feldmesskunst zur Schlüsselwissenschaft

Die Universität Bonn begeht am Dienstag, 21. April 2026 das 150-jährige Bestehen der Geodäsie in Bonn. Mit einem Festakt würdigt das Institut für Geodäsie und Geoinformation (IGG) der Universität Bonn seine lange Tradition in Forschung und Lehre – und richtet zugleich den Blick nach vorn: auf die Frage, welche Beiträge die Geodäsie in den kommenden Jahrzehnten für Gesellschaft, Wissenschaft und Technik leisten muss.

Geodäsie
Geodäsie - Seit 150 Jahren vermisst die Geodäsie in Bonn die Welt. © Foto: Maximilian Waidhas/Uni Bonn
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Die Geschichte der Geodäsie in Bonn begann im Sommersemester 1876. Damals eröffnete die Landwirtschaftliche Akademie in Bonn-Poppelsdorf preußischen Feldmessern neue Möglichkeiten, ihre Ausbildung wissenschaftlich zu vertiefen. Wenige Jahre später, 1882, wurde ein viersemestriges Studium für die Ausbildung öffentlich anzustellender Landmesser eingerichtet – ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur akademischen Verankerung des Fachs.

Vom Maßband zum Satelliten

Die heutige Geodäsie hat einen weiten Weg zurückgelegt: Was einst mit Maßband, Theodolit und klassischer Vermessung begann, hat sich in Bonn über eineinhalb Jahrhunderte zu einem hochmodernen Wissenschaftsfeld entwickelt. Früh wurde hier der Grundstein dafür gelegt, Vermessung nicht nur als praktische Technik, sondern als wissenschaftlich fundierte Disziplin zu begreifen. Mit der Zeit entstanden neue Professuren, Institute und Forschungsfelder; 1934 wurde die damalige Poppelsdorfer Landwirtschaftliche Hochschule in die Universität Bonn eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg weitete sich das Fächerspektrum deutlich aus. Neben der klassischen Geodäsie prägten unter anderem Photogrammetrie, Kartographie, Geoinformation, Städtebau, Bodenordnung und Theoretische Geodäsie die Entwicklung. Mit dem Ausbau experimenteller Messtechnik, der Satellitengeodäsie sowie später digitaler Bildverarbeitung und algorithmischer Geoinformation entwickelte sich der Standort zu einer der profiliertesten geodätischen Adressen in Deutschland.

Forschen für die Landwirtschaft der Zukunft

Heute ist das Institut für Geodäsie und Geoinformation ein profilbildender Teil der Universität Bonn. Seine Forschung reicht von hochpräzisen Referenzsystemen für die Beobachtung des Erdsystems über Klima- und Wasserforschung bis hin zu Robotik, Fernerkundung, maschinellem Lernen und nachhaltiger Landwirtschaft. Es ist unter anderem beteiligt am Exzellenzcluster PhonoRob, das eine nachhaltige und technologiegetriebene Transformation der Landwirtschaft vorantreibt. Im Fokus stehen die Entwicklung innovativer und nachhaltiger Anbausysteme sowie neuer Technologien, wie Robotik, Künstliche Intelligenz und sensorbasierte Phänotypisierung. Zugleich steht die Bonner Geodäsie für eine enge Verbindung von Forschung und Praxis. Kooperationen mit Partnern aus Verwaltung, Wirtschaft und Berufspraxis gehören ebenso dazu wie international ausgerichtete Studiengänge.

Geodäsie in 20 bis 30 Jahren


Prof. Dr. Heiner Kuhlmann, Geschäftsführender Direktor des IGG, sagt: „Das Jubiläum bietet uns einen willkommenen Anlass, die Entwicklung der Geodäsie sichtbar zu machen – von den Anfängen der wissenschaftlichen Landvermessung in Poppelsdorf über den institutionellen Ausbau im 20. Jahrhundert bis hin zur heutigen Spitzenforschung an der Schnittstelle von Erde, Umwelt, Technik und Digitalisierung.“ So blickt die Bonner Geodäsie bei ihrem Festakt am 21. April vor allem in die Zukunft. Im Mittelpunkt steht dabei die Leitfrage „Was muss die Geodäsie in 20 bis 30 Jahren leisten?“.

Auch Rektor Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch gratuliert zum Jubiläum: „Die Bonner Geodäsie hat sich in 150 Jahren beeindruckend entwickelt und ist heute ein international sichtbarer und profilbildender Teil der Exzellenzuniversität Bonn. Prägend war und ist die stets enge Verbindung von Forschung und Praxis. Als hochmoderne, interdisziplinäre und global vernetzte Schlüsselwissenschaft leistet sie wesentliche Beiträge zur Bewältigung zentraler Herausforderungen unserer Zeit: vom Klimawandel über Mobilität und Urbanisierung bis hin zu Sensorik, Fernerkundung und Automatisierung in der Landwirtschaft. Nicht zuletzt in unserem Exzellenzcluster PhenoRob wird dies eindrucksvoll sichtbar."

Weitere Informationen gibt es unter: https://www.igg.uni-bonn.de/de/150-jahre-igg

Aktuelles aus der Forschung erfahren Interessierte bei der aktuellen Ringvorlesung „Die Welt im Wandel“ und bei einem Tag der offenen Tür am Samstag, 27. Juni 2026.

Ringvorlesung “Die Welt im Wandel“

07.05.2026: “Bauwerke, Städte und Gebirge: Präzise vermessen, Wandel erkennen, Risiken verringern”, Prof. Christoph Holst, TU München, Lehrstuhl für Ingenieurgeodäsie

11.06.2026: “Satelliten wiegen den Klimawandel”, Prof. Annette Eicke, HafenCity Universität Hamburg, Geodäsie und Ausgleichsrechnung

18.06.2026: “Mit Daten der Stadt die Zukunft gestalten”, Thomas Wendel, Leitung Vermessungs- und Katasteramt Landeshauptstadt Düsseldorf

Tag der offenen Tür

Samstag, 27. Juni 2026 ab 14 Uhr, Institut für Geodäsie und Geoinformation, Nussallee 17, 53115 Bonn

Kontakt für die Medien:

Ines Barczewski

Institut für Geodäsie und Geoinformation

Tel.: 0228/73-3570

E-Mail: i.barczewski@uni-bonn.de

Geodäsie
Geodäsie - Das Institut für Geodäsie und Geoinformation an der Nussallee © Foto: Barbara Frommann/Uni Bonn
Geodäsie
Geodäsie - Das Exzellenzcluster PhenoRob arbeitet an den Lösungen für die Landwirtschaft von morgen. © Foto: Volker Lannert/Uni Bonn
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