WAS IST DAS ZIEL DES PROJEKTES?
Das Projekt stellt die Ahrtalflut als einschneidendes Ereignis für die Menschen der Region in den Mittelpunkt. Anhand dieser Fallstudie untersucht das Forschungsteam, wie rechtliche, politische und soziale Strukturen in Krisensituationen funktionieren – und wo Verbesserungen möglich sind, die auch für andere Regionen in Deutschland relevant sein können. Extremwetterereignisse als Folgen des menschengemachten Klimawandels werden immer wahrscheinlicher und können künftig vielerorts auftreten. Daher ist es entscheidend, aus den Erfahrungen im Ahrtal zu lernen, um besser vorbereitet zu sein und die Auswirkungen zukünftiger Katastrophen abzumildern.
UM WAS GEHT ES?
Im Juli 2021 entstanden in NRW und insbesondere Rheinland-Pfalz durch Hochwasser und Sturzfluten enorme Verwüstungen. In der Folge rückte das Ahrtal verstärkt in den Fokus der Wissenschaft. Schwerpunkte der öffentlichen Ahrtal-Forschung lagen bislang auf technischen Fragen rund um einen hochwassersicheren Wiederaufbau.
Die Ereignisse verdeutlichen den Bedarf für systemische Transformation hin zu mehr Klimaresilienz, die nicht nur ökologische Wirksamkeit, sondern auch soziale Verträglichkeit berücksichtigt. Das interdisziplinäre Forschungsteam des SOZIAHR-Projekts zum Thema „Soziale, Ökonomische und Administrative Herausforderungen von Klima-Resilienz“ rückt soziale Perspektiven stärker in den Vordergrund. Klimaschutz und Klimaanpassung werden auch hier als wichtige Ziele für die überregionale Entwicklung angesehen, aber von vornherein mit Fragen der Gerechtigkeit und Umsetzbarkeit zusammengedacht. Dieser innovative Forschungsansatz wird in den nächsten drei Jahren durch die Stiftung Mercator und verschiedene Einrichtungen der Universität Bonn mit einer Million Euro gefördert.
WIE GEHEN DIE FORSCHENDEN VOR?
Um statistisch belastbare Daten zur Lebenssituation der Menschen im Ahrtal seit der Flut zugrunde legen zu können, unternimmt das Projekt eine große Bevölkerungsumfrage im Ahrtal, für die ca. 40.000 Haushalte angeschrieben werden. Parallel soll mittels juristischer Behördeninterviews und Dokumentenanalysen auch die administrative Seite des Wiederaufbaus untersucht werden. Ziel ist es, die Projekterkenntnisse zeitnah ins Ahrtal zurück zu melden und gemeinsam realistische Handlungen für die identifizierten Problemlagen zu entwickeln. Damit dies gelingt, sucht das Projekt in wiederholt stattfindenden Workshops mit Expertinnen und Experten aus der Region den direkten Austausch mit der Praxis. Das Wuppertal Institut unterstützt das Projekt zudem im Rahmen einer Kooperation mit einer Akteurs- und Politikfeldanalyse, die die verschiedenen Politikebenen (Kommune, Landkreis, Bundesland und Bund) zusammendenkt und systemische Lösungswege aufzeigt.
WANN IST MIT ERSTEN ERGEBNISSEN ZU RECHNEN?
Anfang 2027 werden die deskriptiven Ergebnisse der Bevölkerungsumfrage öffentlich zugänglich gemacht. Ende 2027 erscheinen erste wissenschaftliche Teilergebnisse in Form von Kurzberichten, medialen Beiträgen und Fachvorträgen. Ende 2028 folgt der gemeinsame Abschlussbericht mit Handlungsempfehlungen für die politische und rechtliche Rahmengestaltung von vergleichbaren Wiederaufbauprozessen sowie für die Vorsorge künftiger Krisenlagen. Dieser wird in mehreren regionalen und überregionalen Veranstaltungen für Politik und Öffentlichkeit vorgestellt und beworben. Nach Projektende folgen wissenschaftliche Veröffentlichungen in Fachzeitschriften.
VON WEM WIRD DAS PROJEKT IN WELCHER HÖHE GEFÖRDERT?
Insgesamt stehen dem Team von SOZIAHR im Zeitraum von 2026 bis 2028 ca. 1.000.000 € an Forschungsgeldern zur Verfügung, wobei ein Anteil von 840.000 € durch die Stiftung Mercator getragen wird. Verschiedene Einrichtungen der Universität Bonn – Rektorat, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät und Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät – leisten mit Zuschüssen in Höhe von ca. 160.000 € ebenfalls einen wichtigen finanziellen Beitrag.
Durch eine universitätsinterne Anschubfinanzierung über ca. 90.000 € durch die Transdisciplinary Research Area (TRA) ‚Individuen, Institutionen und Gesellschaften‘ konnte das Projektteam bereits Mitte 2024 mit ersten Stakeholder-Workshops, juristischen Hintergrund-Recherchen und der Entwicklung des Fragebogens für die Bevölkerungsumfrage starten. Ohne diese extrem wertvolle finanzielle und ideelle Unterstützung wäre es nicht möglich gewesen, diese umfangreiche Drittmittelförderung einzuwerben.
WIE IST DIE LAUFZEIT?
01.01.2026 bis 31.12.2028
WER IST BETEILIGT?
Am Projekt beteiligt sind Wissenschaftler des Geographischen Institut der Universität Bonn, des Centers for Advanced Studies in Law and Economics (CASTLE) der Universität Bonn, weiter die Argelander-Professur für das Recht der Nachhaltigkeit und ökologischen Transformation der Universität Bonn und Forschende des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie gGmbH.
WIE SETZT SICH DAS KERN-TEAM VON SOZIAHR ZUSAMMEN?
Susanne Bell, M.A., Soziologie/Kulturgeographie
Jun.-Prof. Dr. Svenja Hippel, Rechtsökonomik
Prof. Dr. Kathrin Hörschelmann, Kulturgeographie
Jun.-Prof. Dr. Jacqueline Lorenzen, Rechtswissenschaft
Jun.-Prof. Dr. Julia Mink, Angewandte Mikroökonomik
Jun.-Prof. Hanna Schwank, Ph.D., Angewandte Mikroökonomik
Die Stiftung Mercator
ist eine private, unabhängige und gemeinnützige Stiftung, die auf der Grundlage wissenschaftlicher Expertise und praktischer Projekterfahrung handelt. Seit 1996 tritt sie für eine solidarische und partizipative Gesellschaft ein. Dazu fördert und entwickelt sie Projekte, die Chancen auf Teilhabe und den Zusammenhalt im Gemeinwesen verbessern. Die Stiftung Mercator setzt sich für ein handlungsfähiges und demokratisches Europa ein, eine an den Grundrechten orientierte digitale Transformation von Staat und Gesellschaft sowie eine resiliente, sozial ausgewogene Klimapolitik. Dies lässt sich nur in einer liberalen Demokratie verwirklichen, welche die Stiftung Mercator verteidigen und festigen will – wie es ihr Motto zusammenfasst: #WirstärkenDemokratie. Sie engagiert sich in Deutschland, Europa und weltweit. Dem Ruhrgebiet, Heimat der Stifterfamilie und Stiftungssitz, fühlt sie sich besonders verbunden.
https://www.stiftung-mercator.de/de/
Das Wuppertal Institut
ist ein umsetzungsorientiertes Forschungsinstitut mit Wurzeln in Nordrhein-Westfalen und globalem Horizont. Gemeinsam mit seinen Stakeholdern gestalten die Forschenden Transformationsprozesse mit der Vision, eine nachhaltige Welt für alle zu schaffen. Dazu entwickeln sie wissenschaftsbasierte Lösungen für ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen: von konkreten Maßnahmen für Städte und Unternehmen, Land, Bund und EU bis zu Impulsen für internationale Klimaverhandlungen. Dabei haben die Mitarbeitenden immer das große Ganze im Blick und verknüpfen Zukunftswissen aus verschiedenen Forschungsfeldern und Themengebieten.
https://wupperinst.org
WO KANN ICH MEHR ERFAHREN?
www.soziahr.uni-bonn.de
Kontakt:
Susanne Bell, M.A. (Projektkoordination)
Geographisches Institut der Universität Bonn
sbell@uni-bonn.de, +49 228-73-5029