25. Juni 2026

Mobilität trotz Blackout: EnergiKaba entwickelt Solartankstellen in Kuba Mobilität trotz Blackout: EnergiKaba entwickelt solarbetriebene Ladestationen in Kuba

exist Women-Teilnehmerin gründet ein Start-up zwischen zwei Kontinenten

Kuba leidet unter einer Energiekrise: Im ganzen Land legen andauernde Stromausfälle die Infrastruktur lahm. Hier setzt das Start-up „EnergiKaba“ mit seinen solarbetriebenen Ladestationen für elektrische Rikschas an. Es möchte Mobilität unabhängig vom Stromnetz garantieren. Mithilfe der Solartankstellen sollen die Rikschafahrer*innen auch während den oft stundenlangen Stromausfällen fahren und so ihr Einkommen und den Transport von Personen und Waren in Kuba gewährleisten können. Hinter der Idee von „EnergiKaba“ steht exist Women-Stipendiatin Franca-Noemi Kaba Gómez. Sie berichtet im Interview, wie das Projekt über zwei Kontinente hinweg entstanden ist und wie sie eine (Teil)Finanzierung mithilfe von Crowdfunding plant.

Gründerin Franca Kaba Gómez
Gründerin Franca Kaba Gómez © Franca Kaba Gómez
Alle Bilder in Originalgröße herunterladen Der Abdruck im Zusammenhang mit der Nachricht ist kostenlos, dabei ist der angegebene Bildautor zu nennen.
Bitte füllen Sie dieses Feld mit dem im Platzhalter angegebenen Beispielformat aus.
Die Telefonnummer wird gemäß der DSGVO verarbeitet.

Woher kam die Idee für EnergiKaba?

EnergiKaba ist aus unseren ersten Erfahrungen mit der elektrischen Rikscha meines kubanischen Schwiegervaters entstanden. Diese haben wir 2024 angeschafft, um ein nachhaltiges Einkommen für unsere Familie sicherzustellen. Wir haben dann schnell das Potenzial des Transportwesens auf Kuba begriffen, aber auch seine massiven Probleme. Vor allem elektrische Rikschas sind von regelmäßigem Strom abhängig. Die häufigen und unregelmäßigen Stromausfälle bedeuten fast täglich Einkommensverluste, aber auch einen durchgehenden Stress für Fahrer.

Was ist dein Geschäftsmodell?

Wir sind Havannas erste Solartankstelle, das heißt wir bieten überwiegend Batterieladungen für elektrische Fahrzeuge an. Über Nacht können elektrische Rikschas bei uns parken und werden an unseren Batteriespeicher angeschlossen. So garantieren wir 100% Ladung auch frühmorgens, wenn kommerzielle Fahrer (im Personentransport) ihre Schicht beginnen. Tagsüber bieten wir vor allem Ladungen für Privatpersonen an, denn elektrische Scooter, Motoroller und Rikschas sind auf Kuba unter den häufigsten Verkehrsmitteln. Daneben bieten wir aber auch Ersatzteile, Werkzeug, Arbeitskleidung und sogar Getränke und Snacks an. Perspektivisch kommen auch Reparaturleistungen und Modifikationen (z.B.) die Installation von Solarpaneelen auf Rikscha-Dächern) dazu. Unsere Vision ist es, ein vollständiges Servicezentrum zu werden, der erste Ansprechpartner für alle Belange zum Thema elektrischer Mobilität.

Wie funktioniert der Sprung von einer gemeinwohlorientierten Idee zum Business?

Unser Ziel ist es, den Basisservice, das heißt das Laden von Fahrzeugen so vielen Menschen wie möglich zur Verfügung zu stellen. In diesem Bereich arbeiten wir also (fast) rein kostendeckend. Mit all unseren Zusatzservices, die wir zu ortsüblichen Preisen anbieten, erwirtschaften wir jedoch einen Gewinn, der in das Wachstum des Unternehmens gesteckt werden kann. Eine Ausweitung der Kapazitäten (z.B. des Solarsystems) ist also schnell möglich. Des Weiteren planen wir, perspektivisch Großkunden zu akquirieren, z.B. gibt es eine Flotte von kleinen Elektrobussen, die in manchen Stadtteilen zirkuliert. Mit diesen Privatunternehmen können wir als Infrastrukturpartner gegenseitig voneinander profitieren.

Erneuerbare Energie sind aktuell ein sehr relevantes Thema. Inwiefern bietet dein Start-up neue Perspektiven dazu?

In Havanna ist die Verkehrswende bereits Realität: Weit mehr als die Hälfte aller Fahrzeuge sind elektrisch. Die Transformation zu einer ‚grünen‘ Gesellschaft läuft also komplett anders ab als in Europa. Gelingt es, die elektrischen Verkehrsmittel mit dezentraler, erneuerbarer Energie zu betreiben, dann könnte Havanna ein Modell für das Transportwesen in vielen anderen Regionen mit ähnlichen Voraussetzungen werden.

Dein Start-up hat zwei Standpunkte: einer in Kuba und einer in Bonn. Wie verlaufen die Koordination und Organisation des Start-ups?

Mit vielen Videoanrufen, manchmal auch zu Uhrzeiten, zu denen man sich eigentlich nicht mehr mit geschäftlichen Themen befassen möchte! Wir haben allerdings auch klar getrennte Aufgabenbereiche, zum Beispiel kümmert sich das kubanische Team exklusiv um die Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen und um Genehmigungen. Dabei ist es extrem wichtig, sich auf die Kompetenz und Einschätzung des dortigen Teams zu verlassen, um sich nicht in Diskussionen über Projektziele und Zwischenziele zu verlieren, die der Realität vor Ort nicht gerecht werden.

Wie kann man dein Start-up unterstützen?

Unsere Crowdfunding-Kampagne läuft! Wir haben unseren Pilothub zu zwei Dritteln bereits aus eigenen Mitteln finanziert, die restlichen 5000€ möchten wir mit eurer Unterstützung aufbringen. Wir haben uns bewusst für das Crowdfunding und gegen einen kommerziellen Kredit entschieden, weil wir sonst die Kosten für die Ladungen (für kubanische Verhältnisse) massiv erhöhen müssten. In unserer Kampagne arbeiten wir mit verschieden kubanischen Selbstständigen und einem kleinen lokalen Unternehmen, sowie mit dem deutschen Unternehmen Solarrepublik zusammen und haben eine ganze Reihe ziemlich toller Rewards (keine Sticker und Jutebeutel!) auf die Beine gestellt. Schaut vorbei!

Welche Rolle hat das Transfer Center enaCom bei deiner Ideenfindung und -entwicklung gespielt?

enaCom hat eine große Rolle gespielt: In der Start-Up Summer School 2025 habe ich das erste Mal unsere Idee in (deutsche) Worte gefasst. Zusammen mit dem damaligen Team haben wir in nur 5 Tagen das erste Businessmodell aus dem Boden gestampft. Unser Pitch hat die Jury überzeugt und sie hat mir empfohlen, mich auf das exist-Women Programm zu bewerben. Ich wurde tatsächlich aufgenommen und merke fast täglich, wie sehr mich das Programm motiviert und dabei unterstützt, konstant am Ball zu bleiben. Es ist daher wirklich unglaublich, wie weit wir seitdem gekommen sind!

Hier geht es zur Website von EnergiKaba

Gründungsberatung der Uni Bonn

Beim Transfer Center enaCom der Uni Bonn seid Ihr sowohl mit einer konkreten Gründungsidee als auch als völlige Neueinsteiger*innen in das Thema Gründen und Unternehmertum genau richtig. Wir unterstützen sowohl Studierende als auch Wissenschaftler*innen, Mitarbeiter*innen und Alumni der Uni.

www.uni-bonn.de/enacom

Wird geladen