Zu den Referent*innen gehörten Prof. Günter Mayer (Professor für Chemische Biologie und Chemische Genetik) und Dr. Nora Karnowski (Leiterin der Technologieabteilung bei APIS Assay Technologies und Geschäftsführerin von Clickmer Systems), die Mitbegründer des Start-ups Clickmer Systems, das 2022 erfolgreich auf den Markt kam. Prof. Radosław Nowak (Professor für Immun-Engineering und Wirkstoffforschung) und Dr. Lorenzo Cianni vom Start-up-Projekt OncoDegrade, die sich noch in der frühen Phase der Entwicklung ihrer innovativen Idee für die Kommerzialisierung befinden, nahmen ebenfalls an der Podiumsdiskussion teil. Sie berichteten von ihren unternehmerischen Erfahrungen und ihrem Weg vom Labor zum Markt. Die Diskussion bot spannende Einblicke in Life-Science-Unternehmen mit wissenschaftlichem Hintergrund, insbesondere hinsichtlich der Karriereperspektiven für Nachwuchswissenschaftler*innen.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Ivan Savchuk, Doktorand am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn und Co-Geschäftsführer der Region NRW bei Nucleate Germany, der lebhafte Einblicke in die Aktivitäten der Organisation und die Möglichkeiten für Innovatoren im Bereich Life Sciences gab. Anschließend übernahm Sergi Bravo, Doktorand am Institut für Pharmazeutische Biologie und Co-Geschäftsführer der Region NRW bei Nucleate Germany, die Moderation der Podiumsdiskussion.
Teambuilding als wichtiger Entwicklungsschritt
Günter Mayer erläuterte, wie eine Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vor fünfzehn Jahren zu der Innovation führte, auf der das Start-up Clickmer Systems basiert. Er betonte, wie wichtig es war, Menschen für sein Team zu gewinnen, die ein starkes Interesse daran hatten, das Start-up voranzubringen, und die zudem ihre betriebswirtschaftliche Expertise in das Projekt einbrachten, wodurch sie den Weg für die Kommerzialisierung des Start-ups ebneten.
Patentiert Eure Ideen
Die Patentierung der Technologie von Clickmer Systems war laut Günter Mayer ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Start-ups. Nora Karnowski, Mitbegründerin von Clickmer Systems, unterstrich dies: „Erst patentieren, dann veröffentlichen.“ Sie betonte, wie wichtig es sei, geistiges Eigentum zu schützen, bevor es nach außen kommuniziert oder veröffentlicht werde. Sie betrachtete dies als einen wesentlichen Schritt, um Investoren zu gewinnen, ebenso wie die Bereitstellung erster Einblicke in die „In-vivo-Wirksamkeit“, also den Nachweis, dass eine Methode oder ein Produkt tatsächlich wirksam ist. Sie betonte, wie wichtig es sei, akademische Veröffentlichungen sorgfältig mit dem Schutz des geistigen Eigentums in Einklang zu bringen, und wies darauf hin, dass Patentstrategien oft komplex seien und spezialisiertes Fachwissen erfordern.
Radosław Nowak wies darauf hin, dass eine frühzeitige Inanspruchnahme der Dienstleistungen des Transferzentrums enaCom äußerst hilfreich sei, um Forschende während des gesamten Entwicklungsprozesses zu unterstützen und ihnen dabei zu helfen, sich in diesem komplexen Umfeld zurechtzufinden. Er erklärte: „Die Transferstrukturen an der Universität Bonn und am Universitätsklinikum Bonn sind großartige Motivatoren und Unterstützer, die Gründer*innen mit ihrem Coaching und ihrem Fachwissen begleiten.“
Auf dem Weg zu einer unternehmerischen Denkweise
Günter Mayer wies darauf hin, dass der Übergang von der Wissenschaft zum Unternehmertum mehr als nur wissenschaftliche Expertise erfordere. Er stellte fest, dass Professor*innen selten ihre institutionelle Rolle aufgeben, um sich ganz dem Gründerleben zu widmen. Er betonte, dass es äußerst wichtig sei, Mitgründer*innen mit ergänzender unternehmerischer Erfahrung frühzeitig zu identifizieren und einzubinden. Sein Team rekrutierte aktiv wissenschaftliche Nachwuchskräfte und arbeitete mit einem erfahrenen externen Experten zusammen, um ein Gründerteam aufzubauen, das fundiertes technisches Wissen mit unternehmerischem Gespür verbindet.
Für Forschende, die einen Weg in die Start-up-Welt anstreben, betonte das Podium, wie wichtig es sei, vom ersten Tag an eine unternehmerische Denkweise anzunehmen. Nora Karnowski riet Forschenden, so früh wie möglich Kontakte zur Industrie zu knüpfen und einen soliden Plan zu erstellen, um die richtigen Ideen in ein Geschäftsmodell umzusetzen. Sie müssen die Kundenbedürfnisse verstehen, frühzeitig validieren und nachweisen, dass Zahlungsbereitschaft besteht. Lorenzo Cianni, der vor einem Jahr aus Belgien zu Prof. Nowaks Labor gewechselt ist, um angewandte Forschung zu betreiben, betonte, dass Erfolg die richtige Denkweise, persönliche Motivation und ein unterstützendes Umfeld erfordere. Die Betreuung durch Projektleitende, Technologietransferstellen und Accelerator-Programme mache den entscheidenden Unterschied aus.
Tipps für den Schritt aus dem Labor heraus
Die Podiumsdiskussion endete mit einer klaren Botschaft: Wissenschaft und Kommerzialisierung schließen sich nicht gegenseitig aus. Mit strategischem Management, interdisziplinärer Zusammenarbeit und der Bereitschaft, über die Grenzen des Labors hinauszugehen, lassen sich wissenschaftliche Durchbrüche in greifbare gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen umsetzen. „Auch wenn Sie noch keine eigene Idee haben, tauchen Sie in das Innovationsökosystem ein“, riet Lorenzo Cianni. „Knüpfen Sie Kontakte zu Acceleratoren, wenden Sie sich an Technologietransferbüros (TTOs) und lassen Sie sich von Experten begleiten.“
IP-Unterstützung durch das Transfer Center enaCom
Zu den Dienstleistungen des Transfer Center enaCom gehört die Begleitung und Beratung während des Patentierungsprozesses. Berater*innen für geistiges Eigentum (IP) begleiten Erfinder*innen bei jedem Schritt, von der Bewertung der Erfindung bis zur eigentlichen Patentanmeldung. Ein Patent kann den wirtschaftlichen Erfolg einer Erfindung steigern und der erste Schritt zu einem erfolgreichen Unternehmensvorhaben sein.