Institutional Innovation, Behavior and System Transformations


Nachhaltige Entwicklung setzt institutionelle und technologische Veränderungen voraus. Dabei wird Innovation auch unmittelbar durch gegebene oder antizipierte Ressourcenknappheiten induziert. Forschung im Bereich des institutionellen Wandels untersucht Fragen der institutionellen Steuerung und analysiert Möglichkeiten zur Umgestaltung sozioökonomischer Systeme. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die Erkenntnisse der Verhaltensforschung. Diese können dazu beitragen, die Reaktionen von Akteuren auf Informationen und sonstige Anreize besser zu verstehen und damit Menschen zu nachhaltigeren Entscheidungen bzw. effizienterer Ressourcennutzung zu motivieren.

Relevante Forschungsthemen in diesem Bereich sind:

  • Forschung, die sich mit Verhaltensänderungen zur Unterstützung der Nachhaltigkeit befasst: Erkenntnisse über Entscheidungsfindungsprozesse helfen dabei, notwendige Verhaltensänderungen zu fördern. Innovative Ansätze, unter Verwendung von Erkenntnissen aus den Neurowissenschaften, der Psychologie und der Verhaltensökonomik tragen dabei zur Gestaltung effizienterer Verhaltensinterventionen bei. Diese können Verbraucher und andere wirtschaftliche Akteure unterstützen, nachhaltigere Entscheidungen in Bereichen wie Gesundheit, Ernährung, Energieverbrauch und Finanzen zu treffen. Mit Maßnahmen wie "Nudging" (Anstupser), kann es zum Beispiel gelingen, Verhaltensroutinen zu ändern und nachhaltigere Konsummuster zu fördern. Auch die wirtschafts- und sozialgeschichtliche Forschung, z. B. zur Analyse von Marktversagen oder zur Unterstützung von Nachhaltigkeit durch die Politik, kann dazu beitragen.

  • Forschung zu nachhaltiger Bioökonomie: Die Transformation sozioökonomischer Systeme erfordert sowohl institutionelle als auch verhaltensbezogene Veränderungen. Letztlich geht es um den Übergang zu einem zirkulären Wirtschaftssystem mit geringen Ressourcenverlusten. Mehr als 40 Länder, darunter auch Deutschland, haben inzwischen entsprechende nationale Bioökonomie-Strategien formuliert. Bioökonomie ist die nachhaltige Produktion und Nutzung biologischer Ressourcen, Prozesse und Prinzipien zur Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen in allen Wirtschaftssektoren, mit dem Ziel die Wirtschaft insgesamt nachhaltiger zu gestalten. Die Forschung zur Bioökonomie ist an der Universität Bonn mit der Einbindung in das Bioeconomy Science Center (BioSC) und dem Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) bereits etabliert. Aktivitäten in Hinblick auf die Bewertung bioökonomie-spezifischer Technologieentwicklung und ihrer sozialen und ökologischen Auswirkungen in Deutschland, aber insbesondere auch in den Entwicklungsländern werden fortgeführt. Teil der Forschungsagenda sind darüber hinaus die Identifikation und Analyse von Governance-Lücken im internationalen Handel mit Biomasse sowie die Entwicklung regulatorischer Rahmenbedingungen zur Stärkung der Governance für Nachhaltigkeit in der Bioökonomie auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene. Auch die Biodiversitätsforschung und darauf basierende Innovationen (wie die Bionik) sind wichtige Forschungsfelder in einem stärker biobasierten und biointelligenten System.

  • Transformation und Belastbarkeit städtischer und ländlicher Systeme: In einem besseren Verständnis der Einflussfaktoren auf Prozesse der Urbanisierung und des demographischen Wandels liegt der Schlüssel für die Entwicklung von Strategien für belastbare städtische und ländliche Systeme. So sind innovative Ansätze wie z. B. die Erforschung des "Alltagslebens" unter Verwendung partizipativer Methoden mittlerweile ein zentraler Gegenstand der Regionalplanung geworden. Verwandte Phänomene sind die Bürgerbeteiligung sowie die Stärkung regionaler Identitäten und Netzwerke. Mit einem Schwerpunkt auf dem urbanen Wandel in Asien und Afrika sollen insbesondere mittelgroße Städte stärker in den Blick genommen werden. Dies ist vor allem deshalb von Relevanz, da mit der bisherigen starken Fokussierung auf "Megastädte“ die wichtige entwicklungspolitische Rolle von Sekundärstädten, wie Provinzhauptstädten oder Regionalstädten, bislang zu wenig erforscht wurde. Die Folgen für den sozial-ökologischen Wandel und dessen Ursachen und Akteure sind ebenfalls ein Schwerpunkt dieses Themenblocks, wobei hier Kenntnisse aus den Sozialwissenschaften ("Future-making", insbesondere in Afrika), den Wirtschafts- und Agrarwissenschaften sowie der Medizin und den Umweltwissenschaften einfließen.

  • Forschung zu Regierungsführung und internationaler Sicherheit: Soziale und politische Konflikte können eine nachhaltige Entwicklung befördern, behindern oder gefährden. Ein wichtiger Faktor für ein solches Gelingen oder Scheitern von Entwicklungsprozessen ist namentlich die Verfügbarkeit von Mechanismen der kollektiven Entscheidungsfindung oder geeigneter Regierungsstrukturen. Vor diesem Hintergrund sollen die verschiedenen Ebenen und Funktionsweisen der Regierungsführung in den Blick genommen und daraufhin analysiert werden, ob sie den aktuellen Herausforderungen bei der Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen gewachsen sind. Die Bonner Forschung zur internationalen Sicherheit und zu politischen Konflikten des Center for International Security and Governance (CSIG) sowie des Bonn International Center for Conversion (BICC) hat bereits wichtige Erkenntnisse unter anderem dahingehend geliefert, dass und wie politische Konflikte und Ressourcenkonflikte miteinander zusammenhängen. In diesem Sinne sollen in Zusammenarbeit mit der United Nations University (UNU) namentlich die aktuellen Flüchtlingskrisen näher untersucht werden.
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