31. März 2026

Opfer vor dem Untergang: Der Duft von Pompejis Hausaltären Opfer vor dem Untergang: Der Duft von Pompejis Hausaltären

Ein internationales Forschungsteam analysierte Aschereste aus rund 2000 Jahre alten Räuchergefäßen

Ein internationales Forschungsteam der LMU, der Universität Zürich, der Universität Bonn und weiterer Partner untersuchte Aschereste aus Räuchergefäßen. Die entdeckten Substanzen zeigen, dass Pompeji Teil eines globalen Handelsnetzwerks war. 

Hausruinen in Pompeji:
Hausruinen in Pompeji: - Blick Richtung Norden auf den Vesuv. © Foto: Parco Archeologico di Pompeii/Johannes Eber
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Der Untergang von Pompeji hat auch die Asche auf den Hausaltären der Bewohner erhalten. Ein internationales Forschungsteam hat erstmals wissenschaftlich untersucht, was in römischen Räuchergefäßen aus Pompeji verbrannt wurde – und Überraschendes entdeckt: Neben heimischen Pflanzen nutzten die Menschen auch importierte Duftstoffe aus Afrika oder Asien. Was zeigt, dass Pompeji Teil eines globalen Handelsnetzes war.

79 n. Chr. brach der Vesuv aus und verschüttete das römische Pompeji und viele weitere Orte und Villen in seiner Umgebung. Die Katastrophe für die damaligen Menschen ist zugleich ein Glück für die heutige Archäologie, dank der einmaligen Erhaltungsbedingungen. So hatte sich unter anderem auch die Asche in den Räuchergefäßen erhalten, mit denen die Römer ihren Göttern Rauchopfer darbrachten. Die Asche aus zwei solchen Opferschalen aus Pompeji und einer nahegelegenen Villa wurde nun mit einer Reihe modernster Laborverfahren analysiert.

Exotische Baumharze aus Afrika oder Asien

„Wir können nun konkret zeigen, welche Düfte im pompejanischen Hauskult tatsächlich verbrannt wurden“, sagt Dr. Johannes Eber von der Universität Zürich, der die Studie leitete. „Neben regionalen Pflanzen fanden wir auch Spuren importierter Harze – ein Hinweis auf weitreichende Handelsverbindungen von Pompeji.“ Besonders bemerkenswert: In einem Gefäß wurden Reste eines exotischen Baumharzes nachgewiesen, das vermutlich aus tropischen Regionen Afrikas oder Asiens stammt. 

„Molekulare Analysen deuten auch auf ein Traubenprodukt in einem der Räuchergefäße hin“, sagt Prof. Dr. Maxime Rageot vom Bonn Center for ArchaeoSciences der Universität Bonn, der die biomolekularen Untersuchungen in der Studie durchführte. „Dies würde mit der Verwendung von Wein in Ritualen übereinstimmen, die in römischen Bildern gezeigt und in Texten beschrieben wird, und zeigt gleichzeitig, wie wichtig es ist, archäologische Studien durch wissenschaftliche Analysen zu ergänzen“, so Rageot. „Die Verbindung verschiedener aktueller chemischer und mikroskopischer Untersuchungsverfahren macht den religiösen Alltag der Menschen in Pompeji plötzlich greifbar“, erklärt LMU-Archäologe Prof. Dr. Philipp W. Stockhammer, in dessen ERC-Forschungsgruppe die Studie initiiert wurde.

Weitreichendes Handelsnetz vor knapp 2000 Jahren

Der Archäologische Park von Pompeji, der kürzlich eine neue Dauerausstellung über den Ausbruch und seine Opfer eingerichtet hat und dabei auch eine große Anzahl organischer Funde wie Pflanzenreste, Lebensmittel und Holzgegenstände präsentiert, unterstreicht die Bedeutung dieser Art von Studien: „Ohne Pompeji wäre unser Wissen über die römische Welt weniger reich“, sagt der Direktor des Parks, Dr. Gabriel Zuchtriegel. „Doch es handelt sich um einen Reichtum an Daten und Erkenntnissen, den nur eine zeitgemäße Archäologie angemessen erschließen kann: Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften können wir noch viel über das Leben in der antiken Stadt entdecken.“

Die Untersuchung zeigt: Pompeji war nicht nur eine römische Stadt am Vesuv – sondern Teil eines globalen Handelsnetzes, dessen Spuren sich sogar im Duft ihrer Hausaltäre nachweisen lassen. 

Räucherschale aus Terrakotta
Räucherschale aus Terrakotta - mit den untersuchten Ascheresten. Der Rand ist mit drei weiblichen Figuren verziert. © Foto: Parco Archeologico die Pompeii/Johannes Eber

Publikation: Johannes Eber, Shira Gur-Arieh, Robert C. Power, Maxime Rageot & Philipp W. Stockhammer, “Ashes from Pompeii: incense burners, residue analyses and domestic cult practices”, in: Antiquity. A Review of World Archaeology, Volume 100, No. 411, June 2026, 
https://doi.org/10.15184/aqy.2026.10320 

Prof. Dr. Maxime Rageot
Universität Bonn, Bonn Center for ArchaeoSciences
Tel. +49 (0) 157 53625554
E‐Mail: rageot@uni-bonn.de 

Prof. Dr. Philipp Stockhammer
LMU, Prähistorische Archäologie (Schwerpunkt Ostmittelmeerraum)
Tel. +49 (0) 170 6463031
E‐Mail: philipp.stockhammer@lmu.de 

Dr. des. Johannes Eber
Universität Zürich, Institut für Archäologie, Klassische Philologie und Altertumswissenschaften (Fachbereich Klassische Archäologie)
Tel. +49 (0) 1786249325
E-Mail: johannes.eber@iaka.uzh.ch 

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