Ein Schwerpunkt von Dr. Hoffmanns Forschung liegt auf solchen Mindsets, die eng mit den gesellschaftlichen Vorstellungen von Weiblichkeit verbunden sind. In ihrem neu erschienenen Buch „Female Mindsets. Wie Denkmuster Weiblichkeit formen“ geht sie der Frage nach, wie Denkmuster über Geschlechterrollen entstehen, warum sie weder gut noch schlecht sind und welchen Einfluss sie auf unser Leben und unsere Entscheidungen haben können. Die Psychologin macht dabei deutlich, dass solche Denkmuster Frauen wie Männer betreffen und durch gesellschaftliche Erwartungen geformt und verstärkt werden können.
„Das selektive Wahrnehmen führt dazu, dass man nur die Informationen registriert, die zu den persönlichen Vorannahmen passen“, erläutert Hoffmann. Dieses Prinzip lasse sich nicht nur auf das Bild von Frauen, sondern ebenso auf gesellschaftliche Erwartungen an Männer übertragen, etwa in Bezug auf die Berufswahl oder Verantwortung in der Familie. Wer beispielsweise annimmt, dass Frauen weich und fürsorglich sind, bestärke die Vorstellung, dass soziale Berufe eher für Frauen geeignet sind. Wer hingegen davon ausgeht, Männer seien stark, belastbar und rational, übersehe, dass auch Männer fürsorglich sein können.
Studien zeigen beispielsweise, dass Männern Schmerzen häufiger als „aushaltbar“ zugeschrieben werden, während Frauen eher als schmerzempfindlich gelten. Gleichzeitig erhalten Frauen in medizinischen Situationen teils seltener oder später Schmerzmittel, während bei Männern schneller von ernsthaften Beschwerden ausgegangen wird. Auch hier verstärken Mindsets – häufig unbewusst – bestehende Erwartungen.
Dr. Hoffmann betont, dass sich Frauen und Männer auf psychologischer Ebene weniger unterscheiden, als oftmals angenommen wird. Dennoch existieren festgeschriebene Rollenbilder, die beide Geschlechter betreffen. Insgesamt wünscht sie sich daher, dass gesellschaftliche Erwartungen und Normen stärker hinterfragt werden, damit jede Person die Möglichkeit hat, sich frei zu entfalten. Ob die Wissenschaftlerin die These „Mindsets sind unsere Fesseln!?“ verifiziert (als wahr bestätigt) oder falsifiziert (widerlegt), hören Sie hier.
Zugespitzt und wissenschaftsnah
Zugespitzt und wissenschaftsnah – das ist der „Hypothese“-Podcast der Uni Bonn. Jeden ersten Donnerstag im Monat stellen sich renommierte Gäste einer zugespitzten Hypothese zu einem gesellschaftlich relevanten Thema. Moderiert von dem Journalisten Denis Nasser wägt jeweils eine Expertin oder ein Experte den Wahrheitsgehalt der Titelaussage ab und gibt abschließend ein Votum ab, ob die finale Einschätzung eher in Richtung „verifiziert“ (also als „wahr bestätigt“) oder falsifiziert (als „unwahr“ bestätigt) gehen würde.
Ihr habt Fragen, Anmerkungen oder einen Themenvorschlag? Wir freuen uns, von Euch zu hören unter wissenschaftskommunikation@uni-bonn.de!