22. März 2019

Wie können sich Städte an den Klimawandel anpassen? KlimaExpo.NRW zeichnet Projekt „KlimNet“ aus / Universität Bonn beteiligt

Auszeichnung der KlimaExpo.NRW für das Projekt „KlimNet“. Universität Bonn ist beteiligt

Im Projekt „KlimNet“ entwickeln Wissenschaftler mit Bürgern zusammen Ideen und Strategien, die Menschen zeigen, wie sie ihre Stadt an den Klimawandel anpassen können - bevor Jahrhunderthochwasser, Starkregen, Trockenheit oder Hitze bedrohlich werden. Das gemeinsam vom Wissenschaftsladen Bonn e.V., der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Universität Bonn durchgeführte Projekt wurde nun als Vorreiter und Schrittmacher in Klimaschutz und Klimafolgenanpassung von der KlimaExpo.NRW ausgezeichnet. Staatssekretär Christoph Dammermann überreichte die Urkunde im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Ausgezeichnet
Ausgezeichnet - (v.l.) Projektbeteiligte Andreas Rienow, Frank Thonfeld und Anke Valentin. © Foto: Marquard/RUB

Um Expertenwissen mit der Bevölkerung zu teilen, nutzt das Projektteam verschiedene Kommunikationswege. Zum einen bietet es ein dreitägiges Pfingstcamp und Exkursionen an, um vor Ort etwa die Wirkungen von Grünflächen auf das Mikroklima zu verdeutlichen oder aufzuzeigen, welchen Einfluss Freiluftschneisen auf die Temperaturen in Quartieren besitzen. Zum anderen gestalten Dr. Andreas Rienow an der RUB und Dr. Frank Thonfeld an der Universität Bonn Seminare für Studierende des Geographie-Masterprogramms, die sich mit klimarelevanten Landschaftsmerkmalen auseinandersetzen, beispielsweise Grünflächenanteil in Städten, Versiegelungsgrad oder Landnutzung. Außerdem präsentiert sich das Projektteam bei Aktionstagen wie der „WissensNacht Ruhr“ und „Bonn wird Klima-Garten“. „Hier können wir Interessierten zeigen, wie einfach eigene Beiträge zur Klimaanpassung sein können, wenn man sich nur mit dem Thema auseinandersetzt“, sagt Andreas Rienow.

Aus dem Projekt ist auch ein webbasiertes interaktives geographisches Informationssystem (Web-GIS) hervorgegangen. Anhand von thematischen Karten aus den Jahren 1975 bis 2017, die auf Satellitenbildern basieren, können Nutzer in ganz NRW die Landnutzungen vergleichen. Das lässt zum Beispiel Schlüsse zu, wie stark ein Gebiet ver- oder entsiegelt wurde und welche Regionen besonders durch den Klimawandel gefährdet sind. „Stark versiegelte Flächen heizen sich nicht nur im Sommer stark auf, sondern bieten auch bei Starkregenereignissen kaum Versickerungsfläche“, so Frank Thonfeld. Außerdem können Benutzer im Web-GIS eigene Karten gestalten und exportieren.

Eine Besonderheit ist das integrierte Crowd Mapping, bei dem jeder Nutzer mit einem Smartphone oder Computer besondere Orte in den Städten identifizieren kann, in denen bereits Klimaanpassungsstrategien umgesetzt wurden oder dringend erforderlich sind. Die eingetragenen Punkte sind für jeden Nutzer einsehbar und liefern damit noch genauere Informationen über den Zustand von Städten. Die Veröffentlichung des Web-GIS mit Datengrundlagen für ganz NRW ist im Sommer 2019 geplant. „Da Klimaanpassung in Kommunen im Kommen ist, freuen wir uns über die Möglichkeit, Wissenschaft und Praxis miteinander zu verbinden“, sagt Dr. Anke Valentin vom Wissenschaftsladen Bonn.

Das Projekt „KlimNet: Stadt und Land im Fluss – Netzwerk zur Gestaltung einer nachhaltigen Klimalandschaft“ wurde bislang mit insgesamt 330.000 Euro des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) durch den Projektträger Jülich (PTJ) unter dem Förderkennzeichen 03DAS098B gefördert. Das Teilprojekt der Universität Bonn wurde im letzten Jahr abgeschlossen.

Weitere Informationen auf der Projektwebsite: http://www.klimnet.de


Kontakt für die Medien:

Dr. Frank Thonfeld
Arbeitsgruppe Fernerkundung
Geographisches Institut der Universität Bonn
Tel.: 0228/73-4970
E-Mail: frank.thonfeld@uni-bonn.de

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