25. Mai 2017

Gendefekt häufige Ursache einer Bewegungsstörung Gendefekt häufige Ursache einer Bewegungsstörung

Eine „spastische Ataxie“ ist eine Störung der Bewegungskoordination. Eine genetische Ursache dieser Erkrankung haben Wissenschaftler im Rahmen einer internationalen Kooperation unter Beteiligung des Forschungszentrums Jülich, der Universitäten Bonn, Köln und Tübingen sowie weiteren nationalen und internationalen Projektpartnern untersucht und die Ergebnisse in einer neuen Studie vorgestellt.

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Die Ursachen von Bewegungsstörungen sind häufig unklar. Möglicherweise spielen unerkannte, vererbte Gendefekte eine Rolle; sie sind aber bei Familien mit einzelnen Erkrankten meist nicht zu klären. Dennoch ist eine genaue Diagnose sowohl für den Umgang mit der Erkrankung als auch für die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze von großer Bedeutung. Bei neuen gendiagnostischen Verfahren wird nicht das komplette Genom analysiert, sondern werden nur die sogenannten Exone untersucht: Bereiche, die für die Herstellung neuer Proteine „abgelesen“ werden. Die dazwischen liegenden Introne werden nicht vollständig erfasst.

Die von Dr. Martina Minnerop vom Jülicher Institut für Neurowissenschaften und Medizin und Dr. Alfredo Ramirez von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn koordinierte Studie zeigt aber, dass gerade hier ein Schlüssel zum Verständnis der Ursachen der Erkrankung liegt: Die Forscher entdeckten, dass im Genom des Enzyms RNA-Polymerase III eine intronische Mutation in Kombination mit einer exonischen Mutation eine häufige Ursache einer „spastischen Ataxie“ ist. Die RNA-Polymerase III ist wichtig für die Herstellung von RNAs, die für regulatorische Funktionen in den Zellen benötigt werden.

Die Forscher untersuchten mithilfe verschiedener Methoden, welchen Einfluss einzelne Mutationen im Intron und Exon auf die Struktur und Funktion des Enzyms RNA-Polymerase III haben, dessen Restfunktion offensichtlich Art und Ausprägung der Symptome bestimmt. Die neuen Erkenntnisse zeigen den Weg zu einer genaueren Diagnose der Bewegungsstörung „spastische Ataxie“ auf.

Publikation: Martina Minnerop et al., Hopomorphic mutations in POLR3A are a frequent cause of sporadic and recessive spastic ataxia. Brain, April 27 2017, DOI: 10.1093/brain/awx095

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