Eine Patin aus dem Rhein-Sieg-Kreis lädt mehrere internationale Studierende zum Abendessen ein. Ein Bonner Ehepaar öffnet an Heiligabend seine Tür für junge Menschen, die Weihnachten fernab ihrer Familien verbringen. Ein ehrenamtlicher Opernführer begleitet regelmäßig kleine Gruppen zu verschiedenen Aufführungen. Was mit einem Kennenlernen beginnt, entwickelt sich häufig zu Freundschaften, die weit über den Studienalltag hinausreichen.
Als Teil des iStudy-Studienförderprogramms ermöglicht das Patenprogramm „Family and Friends“ genau solche Begegnungen. Sein Ziel ist es, internationale Studierende beim Ankommen in Deutschland zu unterstützen und den Austausch mit den Menschen aus der Region zu fördern. Durch die persönlichen Patenschaften entstehen so Kontakte, die soziale Integration, interkulturelles Verständnis und gesellschaftliche Teilhabe stärken.
Persönliche Begegnungen, die verbinden
Wie wertvoll die Patenschaften für beide Seiten sind, zeigen die Erfahrungen der Teilnehmenden. Silke Steinert, Assistentin der Geschäftsleitung des IMPULSE – House for Intellectual Innovation and Creativity der Universität Bonn, engagiert sich seit Herbst 2025 als Patin: „Ich bin sowohl von Bonn und der Region als auch vom internationalen Umfeld der Universität Bonn begeistert. Der Kontakt mit den jungen Studierenden ist für mich sehr bereichernd, und das Patenprogramm bietet mir die Möglichkeit, all das miteinander zu verbinden.“
Auch auf studentischer Seite entstehen enge Beziehungen. Awyetu Elizabeth Rabo, die Geodetic Engineering studiert und seit November 2025 am Programm teilnimmt, berichtet: „Bei meinem ersten Workshop im November habe ich eine unglaublich herzliche Gastgeberin kennengelernt. Für mich ist sie wie eine Mutter, eine Schwester und eine echte Freundin. Vom gemeinsamen Weihnachtsessen bis zum Opernbesuch hat sie mir hier ein tiefes Gefühl von Geborgenheit und Zugehörigkeit vermittelt.“
So finden Studierende und Paten zusammen
Wer Patin oder Pate werden möchte, kann sich allein, als Paar oder als Familie anmelden und selbst entscheiden, ob eine oder mehrere Studierende begleitet werden sollen. Ein Matching-Verfahren berücksichtigt die Interessen beider Seiten und hilft dabei, passende Tandems zu bilden. Wie oft und in welcher Form die Treffen stattfinden, legen die Beteiligten anschließend selbst fest. Darüber hinaus organisiert das iStudy-Team mehrmals im Semester gemeinsame Veranstaltungen für alle Teilnehmenden. Dazu zählen Spieleabende, Führungen durch den Botanischen Garten oder Besuche auf dem Weihnachtsmarkt. So entstehen auch über die eigentlichen Patenschaften hinaus neue Kontakte und Netzwerke.
Integration als gemeinschaftliche Aufgabe
„Das iStudy-Programm schließt eine wichtige Lücke in unserem Beratungs- und Betreuungsangebot für internationale Studierende. Es begleitet sie entlang des gesamten Qualifizierungspfads – von der Orientierung über die Integration bis hin zum erfolgreichen Studienabschluss und dem Übergang in den Arbeitsmarkt. Mit Angeboten wie ‚Family and Friends‘ stärken wir zugleich die Verbindung zwischen Universität und Stadtgesellschaft“, sagt Christine Müller, Abteilungsleiterin im Dezernat Internationales der Universität Bonn.
Langfristige Verankerung geplant
Ermöglicht wird das Programm durch die DAAD-Förderlinie „FIT – Förderung internationaler Talente zur Integration in Studium und Arbeitsmarkt“, die Teil der Campus-Initiative Internationale Fachkräfte des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ist. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt stellt dafür bundesweit 120 Millionen Euro zur Verfügung. 89 deutsche Hochschulen profitieren zwischen 2024 und Ende 2028 von der Förderung. An die Universität Bonn fließen rund 913.000 Euro. Mit diesen Mitteln wurde das iStudy-Programm seit 2024 aufgebaut; die Finanzierung ist zunächst bis Ende 2028 gesichert. Langfristig soll „Family and Friends“ über die aktuelle Projektlaufzeit hinaus fest an der Universität Bonn verankert werden.
Engagement, das sich für alle lohnt
Die bisherigen Rückmeldungen zeigen, wie groß der Gewinn für beide Seiten ist. Internationale Studierende erhalten Unterstützung beim Ankommen in Bonn, lernen die Region besser kennen und knüpfen persönliche Kontakte. Gastgebende gewinnen Einblicke in andere Kulturen, erweitern ihren Horizont und werden Teil einer vielfältigen Gemeinschaft. Das iStudy-Team hofft deshalb, dass noch viele weitere Menschen mitmachen, damit noch mehr engagierte Gastgebende Studierenden aus anderen Ländern helfen, hier eine zweite Heimat zu finden.
Informationen zum Programm gibt es online: www.uni-bonn.de/istudy