22. April 2026

„Life Coaching“ mit antiken Wurzeln „Life Coaching“ mit antiken Wurzeln

Im neuen „FoSPRA“ sollen frühes Christentum und Antike Philosophie zusammen erforscht werden

Scheinbar Unvereinbares wird hier zusammen gedacht: Das neue „Forum for the Study of Philosophy and Religion in Antiquity“ (FoSPRA) an der Universität Bonn soll die Erforschung der Schnittstellen von Religion und Philosophie vom frühen Römischen Reich bis in die Spätantike (1. bis 9. Jahrhundert n.Chr.) fördern. Am Dienstag, 28. April, findet von 18 bis 19 Uhr im IMPULSE House, Adenauerallee 131, die Auftaktveranstaltung statt.  

Symbolbild für die Antike:
Symbolbild für die Antike: - Der Poseidon-Tempel in Attica (Griechenland). © Foto: COLOURBOX.de
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Primär richtet sich FoSPRA an Nachwuchsforschende und etablierte Wissenschaftler:innen. Beim Kickoff sind jedoch auch Studierende sowie interessierte Bürger:innen herzlich willkommen. Die Auftaktveranstaltung bietet die Chance, das Projekt näher kennenzulernen, Ideen einzubringen und sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. 

„Entgegen einer weit verbreiteten Annahme, die Philosophie und Religion scharf voneinander trennt, wird Philosophie in der Antike nicht als bloße Spekulation verstanden, sondern als Lebenskunst, die auf Reflektion beruht“, sagt Dr. Athanasios Despotis, apl. Professor für Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. In dieser Hinsicht weise die antike Philosophie durchaus Ähnlichkeiten zu bestimmten Strömungen der modernen Psychologie auf, etwa im Bereich des „Life Coaching“. 

Gleichzeitig integrierten religiöse Traditionen Konzepte und Praktiken von philosophischen Schulen. „Vor diesem Hintergrund lässt sich das frühe Christentum – ebenso wie jüdische oder polytheistische Traditionsbildungen – als eine neue Form von Philosophie im antiken Sinne begreifen“, ist Despotis überzeugt. Gerade in einer Zeit, in der Fragen nach Sinn, Orientierung und individueller Lebensführung erneut an Bedeutung gewinnen, eröffne diese Perspektive somit wichtige Impulse für gegenwärtige gesellschaftliche und wissenschaftliche Debatten.

FoSPRA ist eine gemeinsame Initiative von apl. Prof. Dr. Athanasios Despotis, Prof. Dr. Christoph Horn (Praktische Philosophie und Philosophie der Antike) und Prof. Dr. Hermut Löhr (Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät und Professor für Neues Testament mit Schwerpunkt Antikes Judentum). Die Schnittstelle von Philosophie und Religion in der Spätantike soll innerhalb von fünf Bereichen erforscht werden: Begriffe und Argumente, literarische Formen und Auslegung, Lebens- und Sterbeformen, Rituale und Symbole, soziale Strukturen und Netzwerke. „Es gibt bislang kein dauerhaftes, international vernetztes Zentrum, das die Verbindung von Philosophie und Religion in dieser Breite systematisch untersucht“, sagt Despotis. „In dieser Hinsicht ist FoSPRA ein weltweites Novum.“
 
FosPRA soll sowohl ein internationales Forschungsforum als auch ein Ort für Lehre sein. Nicht nur sollen Forschungsergebnisse gezielt in die universitäre Lehre integriert werden, beabsichtigt wird auch ein Transfer dieser Erkenntnisse in praxisnahe Bereiche und in die Gesellschaft. Die Finanzierung erfolgt zunächst durch eine Anschubfinanzierung der Universität Bonn. Darüber hinaus sind Fördermittel, insbesondere bei der DFG und anderen Institutionen, beantragt. Es besteht bereits ein Netzwerk von Professorinnen und Professoren aus verschiedenen Fakultäten. Langfristig ist geplant, daraus größere Forschungsverbünde zu entwickeln.

Informationen: https://www.etf.uni-bonn.de/de/religion-and-philosophy 

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