18. Juni 2026

Konrad Adenauer – ein rheinisch-katholischer Kanzler? Konrad Adenauer – ein rheinisch-katholischer Kanzler?

Vierte Fritz Tillmann-Lecture der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Bonn am Mittwoch, 1. Juli, 18:15 Uhr

Konrad Adenauer gilt vielen als Symbolfigur des „rheinischen Katholizismus“ und knallharter Machtstratege, der im Zweifel keinen allzu großen Wert auf demokratische Prinzipien legte. Doch stimmt das? Welche Ziele verfolgte der Kanzler trotz aller Wendigkeit hartnäckig und mutig über Jahre hinweg? Wie viel Katholizismus steckte noch darin? Wer dazu mehr erfahren möchte, sollte sich Mittwoch, 1. Juli, 18:15 Uhr im Großen Hörsaal, Wegelerstraße 10, in Bonn vormerken. Bei der vierten Fritz Tillmann-Lecture der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn geht Prof. Dr. Friedrich Kießling der Frage nach: „Katholisch – wie katholisch? Pragmatismus und Wertorientierung in der Politik Konrad Adenauers“. Um Anmeldung wird gebeten: https://kurzlinks.de/ktf-lecture 

Konrad Adenauer
Konrad Adenauer - auf dem Katholikentag in Köln 1956. © Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F003951-0011 / Rolf Unterberg / CC-BY-SA 3.0
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Der späte Adenauer verkörpert – wie kaum eine andere Figur – die „frühe Bundesrepublik“, ihren Politikstil, ihre Lebenswelten. Die populäre Wahrnehmung dieser Zeit wird bis heute vom Narrativ eines machtbewussten „rheinischen Katholizismus“ geprägt. Adenauer, der Kölner Katholik und Kanzler, passt perfekt in dieses Bild. Er gilt als knallharter Machtstratege, der im Zweifel keinen allzu großen Wert auf demokratische Prinzipien legte.

Die Forschung hat derlei Zuschreibungen längst differenziert. Konrad Adenauer wusste die institutionellen und ideologischen Ansprüche der Kirchen sehr wohl zurückzuweisen, wenn sie ihm nicht opportun erschienen. Bei aller politischen Wendigkeit wiederum verfolgte er Ziele, die ihm wirklich wichtig waren, hartnäckig und über Jahre hinweg. Wie also lässt sich sein politisches Denken und Handeln zwischen Pragmatismus und Wertorientierung fassen? Wie viel Katholizismus steckte noch darin? Und welche Erfahrungen gaben ihm und anderen, die den Niedergang der Weimarer Demokratie und den Aufstieg des Nationalsozialismus erlebt hatten, nach 1945 den Mut, in politisch unüberschaubarer Lage Entscheidungen zu treffen, die Deutschland und Europa bis heute prägen? Lässt sich an seinem Beispiel etwas lernen – auch oder gerade über den Umgang mit Ambiguitäten, Identitäten und (politischen) Sinnentwürfen?

Prof. Dr. Friedrich Kießling spricht am Mittwoch, 1. Juli, 18:15 Uhr bei der vierten Fritz Tillmann-Lecture der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn zum Thema „Katholisch – wie katholisch? Pragmatismus und Wertorientierung in der Politik Konrad Adenauers“. Der Vortrag mit Diskussion und Empfang findet im Großen Hörsaal, Wegelerstraße 10, in Bonn statt. Um Anmeldung wird gebeten: https://kurzlinks.de/ktf-lecture . Friedrich Kießling ist seit 2020 Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Bonn. Im Oktober 2025 erschien seine Biografie von Konrad Adenauer.

Fritz Tillmann - Namensgeber der Lecture

Fritz Tillmann (1874-1953) war 1913 bis zu seiner Emeritierung 1940 Professor für Moraltheologie und von 1919 bis 1921 Rektor der Universität Bonn. Er trug maßgeblich zur Entwicklung einer interdisziplinär ausgerichteten, den modernen Bibelwissenschaften verpflichteten Theologie bei. Dabei setzte er Impulse und Maßstäbe, die noch im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) fortwirkten und bis heute von Bedeutung sind. Als sozial engagierter Priester und Seelsorger gründete Fritz Tillmann 1920 den „Verein Studentenwohl e.V.“, eine der ersten Einrichtungen dieser Art und Vorläufer des Bonner Studierendenwerks. Ende der 1920er Jahre gehörte er zu den Initiatoren und ersten Vorsitzenden des Deutschen Studentenwerks und des Deutschen Hochschulverbands. Mit Beginn der nationalsozialistischen „Gleichschaltung“ 1933 zog er sich aus allen Ämtern zurück.

Forschungsschwerpunkt und Rahmen der Lecture

Ambiguitäten - Identitäten - Sinnentwürfe: diese Begriffe umreißen den Forschungsschwerpunkt der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. Die zunehmende Pluralität religiöser und weltanschaulicher Positionen und die Folgen technologischer wie ökologischer Transformationsprozesse provozieren Krisenwahrnehmungen und -reaktionen, aus denen eine große Verunsicherung spricht. Ein konstruktiver Umgang mit den Herausforderungen der „Spätmoderne“ kann nur gelingen, wenn Mehrdeutigkeiten und Widersprüche – individuell wie kollektiv – angenommen und verhandelt werden. 

Ruth Jung
Universität Bonn
Katholisch-Theologische Fakultät
Tel. 0228 / 737343
E-Mail: dekanat.ktf@uni-bonn.de 

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