25. April 2023

Über den Missbrauch geistlicher Autorität Über den Missbrauch geistlicher Autorität

Fritz Tillmann-Lecture der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Bonn am Montag, 15. Mai, 18:30 Uhr

Zur Fritz Tillmann-Lecture über geistigen und geistlichen Missbrauch in der katholischen Kirche lädt die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn im Rahmen ihres Forschungsschwerpunktes „Ambiguitäten – Identitäten – Sinnentwürfe“ ein. Der Vortrag mit anschließender Diskussion von Pater Dr. h.c. Klaus Mertes findet am Montag, 15. Mai, 18:30 Uhr im Hörsaal I des Universitäts-Hauptgebäudes statt. Um Anmeldung wird gebeten unter https://terminplaner.dfn.de/fritztillmann23

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Der Jesuit Klaus Mertes steht wie wenige andere für die Offenlegung und Reflexion missbräuchlicher Machtausübung und sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche in Deutschland. Sie erschüttert Bistümer und Ordensgemeinschaften seit Jahren. Dabei haben Klaus Mertes und andere schon früh darauf hingewiesen, dass der Ausübung sexualisierter Gewalt fast immer andere Formen von Gewalt, Manipulation oder Vereinnahmung vorausgehen.

Im Kontext religiöser Gemeinschaften wird dabei von geistigem und geistlichem Missbrauch gesprochen. Religiöse Systeme, ihr Mindset, ihre Lebens- und Organisationsformen bieten dafür viele und spezifische Gelegenheiten. Die genuin asymmetrische Beziehung zwischen „einfachem Gläubigen“ und „geistlichem Lehrer“ ist hoch sensibel und anfällig für (Selbst)Täuschung und Instrumentalisierung.

Doch wie genau lässt sich diese Art von religiös figurierter Beziehung fassen? Wie lässt sich ihre Qualität beurteilen, welche Kriterien stehen uns zur Verfügung, und was würde Prävention in diesem Kontext bedeuten? Wie kann das Sprechen über religiöse Vorstellungen, Erfahrungen und Selbstbilder eigentlich erlernt und abgesichert werden? Wie unterscheiden sich religiöse von anderen existentiellen Erfahrungen, wie lassen sie sich überhaupt deuten, und wo und wie werden Deutungsangebote und -hoheit verhandelt?

Pater Dr. h.c. Klaus Mertes, geboren 1954 in Bonn, entschied sich 1977 zum Eintritt in den Jesuitenorden und studierte Philosophie in München und Theologie in Frankfurt. Nach Priesterweihe, Referendariat und einigen Jahren Schuldienst wechselte er 1994 an das Canisiuskolleg der Jesuiten in Berlin, dessen Leitung er 2000 bis 2011 innehatte. In dieser Funktion entschloss sich Klaus Mertes 2010, die Missbrauchsvorwürfe gegenüber Geistlichen und Lehrern am Canisiuskolleg offenzulegen und um die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche zu ringen. Nach einer weiteren Station als Schulleiter in St. Blasien ist er seit 2021 Superior der Berliner Jesuitenkommunität im Ignatiushaus und Redakteur der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer und Rektor war und ist Pater Mertes seelsorgerisch und publizistisch aktiv und in unterschiedlichsten Kontexten als Berater und Begleiter engagiert. 2019 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Freiburg und 2021 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Der Namensgeber: Fritz Tillmann

Fritz Tillmann (1874-1953) war von 1913 bis zu seiner Emeritierung 1939 Professor für Moraltheologie und von 1919 bis 1921 Rektor der Universität Bonn. Er trug maßgeblich zur Entwicklung einer interdisziplinär ausgerichteten und den modernen Bibelwissenschaften verpflichteten Theologie bei. Dabei setzte er Impulse und Maßstäbe, die noch im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) fortwirkten und bis heute von Bedeutung sind. Als sozial engagierter Priester und Seelsorger gründete Fritz Tillmann 1920 den „Verein Studentenwohl e.V.“, eine der ersten Einrichtungen dieser Art und Vorläufer des Bonner Studierendenwerks. Ende der 1920er Jahre gehörte er zu den Gründern und ersten Vorsitzenden des Deutschen Studentenwerks und des Deutschen Hochschulverbands. Mit Beginn der nationalsozialistischen „Gleichschaltung“ 1933 zog er sich aus allen Ämtern zurück.

Der Fakultätsschwerpunkt

Ambiguitäten – Identitäten – Sinnentwürfe: Diese Begriffe umreißen den Forschungsschwerpunkt der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. Die zunehmende Pluralität religiöser und weltanschaulicher Positionen und die Folgen technologischer wie ökologischer Transformationsprozesse provozieren Krisenwahrnehmungen und -reaktionen, aus denen eine große Verunsicherung spricht. Ein konstruktiver Umgang mit den Herausforderungen der „Spätmoderne“ kann nur gelingen, wenn Mehrdeutigkeiten und Widersprüche – individuell wie kollektiv – angenommen und verhandelt werden. Die Theologie als wissenschaftliche Reflexion auf Glaubenserfahrungen, -überlieferungen und -praktiken kann dazu mit der ihr eigenen Hermeneutik und Methodenvielfalt einen spezifischen und relevanten Beitrag leisten.

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn zählt zu den renommiertesten Katholisch-Theologischen Fakultäten Deutschlands. Ihre Lehre basiert auf starken Forschungsleistungen in den einzelnen theologischen Disziplinen. Hier studieren künftige Pastoralreferentinnen und -referenten und Priester sowie Religionslehrerinnen und -lehrer für Gymnasien, Gesamt- und Berufsschulen. Ihre neuen BA-Studiengänge eröffnen außerdem das weite Spektrum geisteswissenschaftlicher Studien- und Berufswege. 

Pater Dr. h.c. Klaus Mertes
Pater Dr. h.c. Klaus Mertes - spricht am Montag, 15. Mai, 18:30 Uhr im Hörsaal I an der Universität Bonn. © Foto: pro/Norbert Schäfer

Ruth Jung
Katholisch-Theologische Fakultät
Universität Bonn
Tel. 0228/737343
E-Mail: ruth.jung@uni-bonn.de

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