WORUM GEHT ES?
Küchenschwämme gelten als potenzielle, bisher wenig untersuchte Quelle von Mikroplastik im Haushalt. Die Studie hat erforscht, wie viele Mikroplastikpartikel aus Küchenschwämmen während der Nutzung freigesetzt werden und welche Umweltwirkungen daraus entstehen. Ziel war es, die tatsächliche Freisetzung unter realistischen Nutzungsbedingungen zu quantifizieren und die Umweltwirkungen mithilfe einer Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment, LCA) zu bewerten.
WIE SIND SIE BEI IHRER UNTERSUCHUNG VORGEGANGEN?
Die Untersuchung kombinierte Citizen-Science, wo Bürgerinnen und Bürger selber Experimente durchführen, mit Laborversuchen. Freiwillige Haushalte nutzten einen von drei verschiedenen Schwammtypen im Alltag und dokumentierten ihre Nutzung. Vor und nach der Nutzung wurden die Schwämme gewogen, um Materialverlust und Mikroplastikfreisetzung zu bestimmen. Ergänzend wurden Laborversuche mit einer automatisierten Testmaschine („SpongeBot“) durchgeführt, die die mechanische Belastung von Schwämmen beim Spülen simuliert.
WAS SIND DIE WICHTIGSTEN ERGEBNISSE?
Alle untersuchten Schwämme verlieren während der Nutzung Material und setzen dadurch Mikroplastik frei. Die jährliche Freisetzung liegt je nach Schwammtyp zwischen etwa 0,68 und 4,21 Gramm Mikroplastik pro Person und Jahr. Schwämme mit einem geringeren Kunststoffanteil setzen deutlich weniger Mikroplastik frei. Insgesamt zeigte die Analyse jedoch, dass nicht die Mikroplastikfreisetzung selbst, sondern vor allem der Wasserverbrauch beim manuellen Geschirrspülen den größten Anteil an den Umweltwirkungen hat.
WELCHE ROLLE SPIELTE CITIZEN SCIENCE IN IHRER STUDIE?
Citizen Science spielte eine zentrale Rolle, weil freiwillige Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Schwämme im Alltag nutzten. Dadurch konnten realistische Nutzungsbedingungen und typische Spülgewohnheiten erfasst werden. Diese Daten ermöglichten eine deutlich realitätsnähere Abschätzung der Mikroplastikfreisetzung als reine Laborstudien.
WELCHER FAKTOR VERURSACHT BEIM MANUELLEN GESCHIRRSPÜLEN DIE GRÖSSTE UMWELTBELASTUNG?
Obwohl die Menge pro Kopf niedrig erscheint, können hochgerechnet auf eine nationale Ebene jedoch relevante Mengen erreicht werden – beispielsweise bis zu 355 Tonnen Mikroplastik pro Jahr, wenn ein bestimmter Schwammtyp flächendeckend genutzt wird. Ein Großteil dieser Partikel wird zwar in Kläranlagen zurückgehalten, dennoch gelangen jährlich mehrere Tonnen Mikroplastik in Gewässer oder Böden. Gleichzeitig zeigt die Umweltbewertung, dass rund 85 bis 97 Prozent der gesamten Umweltwirkungen beim Spülen auf den Wasserverbrauch zurückzuführen sind, während die Mikroplastikemissionen einen deutlich kleineren Anteil am Gesamtökosystemschaden haben.
WAS KÖNNEN VERBRAUCHERINNEN UND VERBRAUCHER TUN, UM DIE UMWELTBELASTUNG ZU REDUZIEREN?
Die Studie zeigt mehrere Möglichkeiten zur Reduktion der Umweltbelastung: 1) weniger Wasser beim Spülen verbrauchen, da dies den größten Einfluss hat. 2) Schwämme mit geringerem Kunststoffanteil verwenden, um Mikroplastikfreisetzung zu reduzieren. 3) Schwämme länger nutzen, da eine längere Lebensdauer den Gesamtressourcenverbrauch senkt.
WER WAR AN DER ARBEIT BETEILIGT?
Bonner Institut für Organismische Biologie (BIOB) der Universität Bonn, Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, Leiden University.
WIE LAUTET DIE QUELLE?
Leandra Hamann, Christina Galafton, Peter T. Rühr, Alexander Blanke, Nils Thonemann: From sink to Sea: Microplastic release from kitchen sponges and potential environmental effects: Environmental Advances, Volume 23, 2026, 100693, ISSN 2666-7657, https://doi.org/10.1016/j.envadv.2026.100693
WO KANN ICH MEHR ERFAHREN?
Leandra Hamann, Bonner Institut für Organismische Biologie der Universität Bonn, hamannleandra@gmail.com (inzwischen an der University of Alberta)