Pünktlich um 19:11 Uhr startete die Sitzung, bei der die Grenzen zwischen Hörsaal und Bütt fließend waren. Durch den Abend führten Dr. Nina Lemmens von der Universitätsallianz Ruhr und Prof. Dr. Andreas Archut, Pressesprecher der Universität Bonn. Mit ihrer launigen Moderation sorgten sie von Beginn an für Stimmung und entlockten dem Publikum im Saal nicht nur viel Beifall, sondern auch die ersten „Raketen*“ des Abends.
Politik im Höhenrausch
Den thematischen Höhepunkt der „Jeckzellenz-Initiative“ lieferte Rektor Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch gemeinsam mit seinem Team, bestehend aus Dr. Martina Krechel und den Referenten Jonas Fehres und Niklas Almasi. Unter dem Titel „Völlig losgelöst. Ein Ministerium hebt ab!“ bewiesen sie schauspielerisches Talent: Der Rektor und die Geschäftsführerin des Rektorats schlüpften in die Paraderollen als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Forschungsministerin Dorothee Bär. Nach einem im Dienstsitz Bonn eingefädelten Komplott fanden sich die beiden Politgrößen plötzlich in einer Rakete im Orbit ohne funktionierenden Rückkehr-Mechanismus wieder – eine bissige Satire auf die aktuelle Wissenschaftspolitik in Bund und Ländern.
Dass der Griff nach den Sternen für die Universität Bonn durchaus realistisch ist, bestätigte Dr. Insa Thiele-Eich. Die Wissenschaftlerin und Astronautinnen-Anwärterin schlüpfte in die Rolle des Universums und prüfte die Exzellenzuniversität in ihren „Betrachtungen aus dem Weltraum“ auf Herz und Nieren. Trotz augenzwinkernder Kritik an der baulichen Infrastruktur gab es am Ende das ersehnte „Go!“ für die Weltraumtauglichkeit der Alma mater.
Berliner Spitzen und bürokratische Hürden
Einen scharfen Blick von außen warf Nicola Kuhrt, Redaktionsleiterin Research bei Table.Media auf die Hauptstadtpolitik. In ihrem „Bericht aus Berlin“ sezierte sie die aktuelle Lage zwischen Rhein und Spree: Während man im Rheinland Karnevalswagen baue, konstruiere man in Berlin „Workpackages“, wo die Drittmittelantragstellung längst zur eigenen Kunstform avanciert sei.
In die gleiche Kerbe schlugen Dr. Annette Julius von der Studienstiftung und Dr. Roman Luckscheiter von der UNESCO-Kommission. Als Vertreter des fiktiven „Bundesamtes für den Bürokratieabbau in den Wissenschaftsorganisationen BufBüAWissO“ spießten sie mit wohlgesetzten Pointen die bürokratischen Abgründe des Wissenschaftsbetriebs auf. Bodenständiger ging es bei den „Hausmeistern der Exzellenz“ zu: Andreas Archut und Georg Scholl, Pressesprecher des Wissenschaftsrates, demonstrierten im Duett, dass der wahre Erfolg einer Exzellenzuni oft in den Händen des Facility Managements liegt.
Internationale Klänge und akrobatische Einlagen
Für Gänsehautmomente sorgte der Internationale Chor der Universität Bonn. Rund 50 Studierende und Promovierende aus 17 Nationen standen erstmals auf der Forschologicum-Bühne. Unter der Leitung des dialektfesten Rheinländers Martin Kirchharz sang der Chor den Klassiker „Wenn et Trömmelche jeht“ auf Rheinisch, Niederländisch, Französisch und Norwegisch – ein starkes Zeichen für die akademische Völkerverständigung, das den ganzen Saal zum Mitsingen brachte.
Tänzerisch eröffnet wurde der Abend von Staicy Stadtler und der Hip-Hop-Gruppe des Hochschulsports der Universität Bonn mit flotten Beats. Später am Abend beeindruckte die Showtanzgruppe „Headlights“ aus Oberbreisig, geleitet von Maren Kraus, Projektmanagerin am Exzellenzcluster PhenoRob, mit akrobatischen Hebefiguren unter dem Motto „Viva Las Vegas!“.
Schweinen, Senioren und Tenöre
Die thematische Bandbreite des Abends war riesig. Die Agrar-, Ernährungs- und Ingenieurwissenschaftliche Fakultät (AEI) widmete sich unter dem Titel „Schwein gehabt!“ einem praktischen Zuchtproblem, das erst durch das Eingreifen eines geheimnisvollen „Exzellenzmagiers“ gelöst werden konnte. Dr. Stephan Eisel, Urgestein des Forschologicums und Bonns „Erster Bürger für Beethoven“ musikalisch den Abschiedsschmerz von der Alma Mater, während DAAD-Altgeneralsekretär Dr. Christian Bode als „Altmeister der Forschologie“ die Nöte posttraumatisierter Führungskräfte im Ruhestand beleuchtete – inklusive der Erkenntnis, dass auch Bügelkurse keine echte Hilfe sind.
Den krönenden Abschluss bildeten Christoph Scheeben und Andreas Etienne vom Haus der Springmaus. Scheebens Version von „Heidewitzka, Herr Kapitän“ zur Melodie der Puccini-Arie „Nessun Dorma“ riss das Publikum von den Sitzen.
Zum Finale dankten Geschäftsführerin Berit Baumhoff und Andreas Archut allen Beteiligten. Unter den Gästen befand sich auch Guido Déus, der „Erste Bürger“ der Bundesstadt Bonn. Das Fazit des Abends war eindeutig: „Nach dem Forschologicum ist vor dem Forschologicum!“ Am 25. Januar 2027 heißt es in Endenich dann wieder: „Wissenschaft alaaf!“
Viele weitere Bilder der Veranstaltung sind in der Bildergalerie der Universität zu finden.
* „Rakete“, die; in Anlehnung an das gleichnamige astro-orbitale Verkehrsmittel mehrstufige karnevalstypische Zustimmungsbekundung mit Klatschen, Trampeln und Pfeifen; anders als das militärische Pendant unter Dual-Use-Gesichtspunkten völlig unbedenklich