09. Mai 2018

NS-Raubkunst, Kulturgutschutz und Koloniales Erbe NS-Raubkunst, Kulturgutschutz und Koloniales Erbe

Im Sommersemester nehmen drei neue Professuren an der Universität Bonn die Arbeit auf

An der Universität Bonn etabliert sich ein einmaliger interdisziplinärer Schwerpunkt für Provenienzforschung, Kunst- und Kulturgutschutzrecht. Nun haben drei neue Professuren ihre Arbeit aufgenommen: Die Juniorprofessur für Kunsthistorische Provenienzforschung wurde mit Ulrike Saß, die Professur für Bürgerliches Recht, Kunst- und Kulturgutschutzrecht mit Matthias Weller und die Professur für Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart mit Schwerpunkt Provenienzforschung/Geschichte des Sammelns mit Christoph Zuschlag besetzt. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung fördert zwei Professuren für fünf Jahre mit jeweils einer Million Euro.

Drei neue Professuren für Provenienzforschung sowie Kunst- und Kulturgutschutzrecht:
Drei neue Professuren für Provenienzforschung sowie Kunst- und Kulturgutschutzrecht: - Ulrike Saß, Christoph Zuschlag und Matthias Weller vor den Gipsabgüssen des Paul-Clemen-Museum im Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn. © Foto: Meike Böschemeyer/Uni Bonn
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Das Thema Provenienzforschung sowie Kunst- und Kulturgutschutzrecht ist hochaktuell – es reicht von unrechtmäßigen Enteignungen in der ehemaligen DDR und der einstigen Sowjetischen Besatzungszone über die Raubkunst der Nationalsozialisten bis hin zum kolonialen Erbe in ethnologischen Museen. Provenienzforschung untersucht die Herkunft und Geschichte von Kunstwerken und Kulturgütern im jeweiligen historischen Kontext.

Professur für Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart

„Die Profile der drei Professuren ergänzen einander hervorragend“, sagt Prof. Dr. Christoph Zuschlag. „Wir überlegen derzeit, unsere Aktivitäten in einem fakultätsübergreifenden Zentrum zu bündeln.“ Der Wissenschaftler (Jahrgang 1964), der von der Universität Koblenz-Landau nach Bonn kommt, bringt seine Schwerpunkte unter anderem in der Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart, zu Propagandaaktionen der Nationalsozialisten gegen die sogenannte „Entartete Kunst“ und seine langjährige Beschäftigung mit NS-Raubkunst ein. Zurzeit plant er ein Sachbuch über Kunst und Künstler im Nationalsozialismus, arbeitet an einer Publikation über eine bedeutende Privatsammlung abstrakter Kunst nach 1945 und kuratiert eine Ausstellung zur Nicht-Farbe „Weiß“, die im November 2018 in Kaiserslautern eröffnet wird.

Juniorprofessur für Kunsthistorische Provenienzforschung

„Bonn ist die einzige Universität in Deutschland, die dank der beiden Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Lehrstühle sowie der von der Universität finanzierten Juniorprofessur im Bereich Provenienzforschung und Kunstrecht einen interdisziplinären Schwerpunkt setzt“, sagt Jun.-Prof. Ulrike Saß. Sie verweist auf die fachliche Breite des Kunsthistorischen Instituts, die vielfältigen Austauschmöglichkeiten sowie die umfangreiche Bibliothek, die optimale Arbeitsbedingungen bieten. Die Wissenschaftlerin (Jahrgang 1983) arbeitete zuvor an der Hamburger Kunsthalle, am GRASSI Museum für Angewandte Kunst in Leipzig und in der Tübke-Stiftung Leipzig. Ihre Schwerpunkte sind Provenienzforschung, Kunstmarktforschung vor allem für das 19. und 20. Jahrhundert, Institutionengeschichte, Geschichte des Sammelns und der Geschmacksbildung im 20. Jahrhundert, Kunstrezeption und DDR-Kunst.

Professur für Bürgerliches Recht, Kunst- und Kulturgutschutzrecht

Die juristische Perspektive deckt Prof. Dr. Matthias Weller (Jahrgang 1971) ab, der von der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden kommt: „Die Universität Bonn ist eine der forschungsstärksten Standorte Deutschlands mit einer hervorragenden Juristischen Fakultät.“ Seit langem bearbeitet er als Gründungsvorstand des Heidelberger Instituts für Kunst und Recht das Kunst- und Kulturgutschutzrecht. „Ich freue mich sehr, dass sich Bonn entschlossen hat, dieses dynamische und komplexe Feld auch rechtswissenschaftlich zu erschließen.“ Die meisten seiner Fragestellungen weisen grenzüberschreitende Bezüge auf und sind häufig streitträchtig, deshalb ist die Professur am Institut für deutsches und internationales Zivilprozessrecht und Konfliktmanagement angesiedelt, in dessen Direktorium Weller eintritt. Sein Schwerpunkt umfasst neben Urheberrecht und Kunstfreiheit das neue Kulturgutschutzrecht sowie den internationalen Kunsthandel.

Stiftung und Staatsministerin begrüßen den Start der Professuren

Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung fördert die Professuren von Christoph Zuschlag und Matthias Weller für fünf Jahre mit jeweils einer Million Euro. „Die Fragen, die die Provenienzforschung heute stellt, sind in hohem Maße interdisziplinär“, sagt Prof. Dr. Dr. h. c. Ursula Gather, Vorsitzende des Stiftungskuratoriums. „Das Verständnis für ein Kunstobjekt und seine Herkunft wird außer von kunsthistorischen Aspekten auch von komplexen juristischen Problemstellungen begleitet.“ Daher habe die Stiftung mit zwei unabhängigen, aber doch aufeinander bezogenen „Tandemprofessuren“ am Kunsthistorischen Institut sowie in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät ein Forschungsumfeld geschaffen, welches nicht vor Fächergrenzen Halt macht, sondern vielmehr im direkten Nebeneinander und kollegialen Austausch wirkt.

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, begrüßt den Start der drei neuen Professuren: „Ich danke der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung für ihre Initiative, die ich von Anfang an unterstützt habe. Die Einrichtung der Professuren ist eine höchst erfreuliche Entwicklung, gerade weil der Bedarf an qualifizierten Forscherinnen und Forschern wächst und für lange Zeit groß bleiben wird.“ Deutschland habe eine große Verantwortung für die Aufarbeitung des nationalsozialistischen Kunstraubs, die eine fundierte Forschungsinfrastruktur unabdingbar macht. Aber auch in den Sammlungen aus kolonialem Kontext und im Hinblick auf Kulturgutverluste in der einstigen Sowjetischen Besatzungszone und der ehemaligen DDR sei eine leistungsfähige Provenienzforschung der Schlüssel für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Objekten.

Neuer Masterstudiengang in Planung

Während Matthias Weller an einer Analyse der Restitutionspraxis in verschiedenen Ländern in einem „Restatement of Restitution Principles“ arbeitet, planen Ulrike Saß und Christoph Zuschlag ein Handbuch zur Provenienzforschung. Außerdem entwerfen die Juniorprofessorin und die beiden Professoren einen bundesweit einzigartigen Masterstudiengang, der umfassende Kenntnisse sowohl in Provenienzforschung und Sammlungsgeschichte als auch juristische Aspekte vermitteln soll.

Kontakte:

Jun.-Prof. Dr. des. Ulrike Saß
Kunsthistorisches Institut
Tel. 0228/735692
E-Mail: ulrike.sass@uni-bonn.de

Prof. Dr. Christoph Zuschlag
Kunsthistorisches Institut
Tel. 0228/737523 oder 738369
E-Mail: zuschlag@uni-bonn.de

Prof. Dr. Matthias Weller
Institut für deutsches und internationales
Zivilprozessrecht und Konfliktmanagement
Tel. 0228/739252
E-Mail: weller@jura.uni-bonn.de

Prof. Dr. Matthias Weller
Prof. Dr. Matthias Weller - vom Institut für deutsches und internationales Zivilprozessrecht und Konfliktmanagement der Universität Bonn. © Foto: Meike Böschemeyer/Uni Bonn
Jun.-Prof. Dr. des. Ulrike Saß
Jun.-Prof. Dr. des. Ulrike Saß - vom Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn. © Foto: Meike Böschemeyer/Uni Bonn
Prof. Dr. Christoph Zuschlag
Prof. Dr. Christoph Zuschlag - vom Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn. © Foto: Meike Böschemeyer/Uni Bonn
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