UM WAS GEHT ES?
Etwa ein Jahr vor Preußens Niederlage gegen Napoleon 1806 formulierte der Schriftsteller Heinrich von Kleist seine Vorstellung einer „neuen Ordnung der Dinge“, ausgelöst durch Napoleons Expansionsdrang in Europa. In den folgenden Jahren reagierte Kleist auf diese politischen und kulturellen Umwälzungen, indem er als Journalist und Herausgeber arbeitete: Er leitete die Kunstzeitschrift Phöbus (1808), plante die nationalistische Zeitung Germania (1809) und trug zur ersten Berliner Tageszeitung, den Berliner Abendblättern (1810–11), bei. Ein zentrales Element seines Engagements war der enge Briefwechsel mit bedeutenden kulturellen und politischen Persönlichkeiten in Deutschland und darüber hinaus. So entstanden Netzwerke, die Kleists Texte, seine Zeitschriften und die salonartige Kultur miteinander verknüpften und die frühe Vernetzung der Kultur des 19. Jahrhunderts sichtbar machten.
WAS IST DAS ZIEL?
Die Forschenden um Prof. Dr. Seán Allan, Joint Research Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft der Universitäten Bonn und St. Andrews, und Prof. Dr. Christian Moser, Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft und Mitglied des Transdisziplinären Forschungsbereichs (TRA) „Individuals and Societies“ an der Uni Bonn, untersuchen in dem Projekt „"Eine neue Ordnung der Dinge": Sozialer und kultureller Wandel in den brieflichen und journalistischen Netzwerken Heinrich von Kleists“, wie solche Netzwerke Kleists Werk beeinflusst haben und wie dies das Verständnis der frühen Vernetzung der Kultur im 19. Jahrhundert stärkt. Das Ziel ist, ein neues analytisches Modell für vernetzte Kulturen des 19. Jahrhunderts zu entwickeln und damit die Autorschaft um 1800 neu zu denken.
WIE GEHEN DIE FORSCHENDEN VOR?
Das Team verfolgt einen kollektiven Netzwerk-Ansatz: Sie untersuchen das Zusammenspiel von öffentlicher Kommunikation in Kleists Zeitschriften, privater Korrespondenz und halböffentlichen Salons. Sie konzentrieren sich dabei auf die fünf Schlüsselbereiche Politik, Militär, Ökonomie, Kommunikation/Verkehr und visuelle Künste), um Kleist in breiten intellektuellen Netzwerken statt als isolierten Autor zu positionieren.
VON WEM WIRD ES GEFÖRDERT UND WIE HOCH IST DIE FÖRDERSUMME?
Das Arts and Humanities Research Council (AHRC) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördern das Projekt mit rund 980.000 Euro.
WIE IST DIE LAUFZEIT?
Die Förderperiode beginnt im Februar 2026 und läuft über vier Jahre.
WANN IST MIT ERSTEN ERGEBNISSEN ZU RECHNEN?
Mit ersten Ergebnissen rechnen die Forschenden bis Juli 2027.
WER IST BETEILIGT?
Das internationale Projekt wird geleitet von Prof. Dr. Seán Allan, Joint Research Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft der Universitäten Bonn und St. Andrews, Prof. Dr. Christian Moser, Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Uni Bonn, Prof. Dr. Elke Dubbels von der Universität Osnabrück, und Prof. Dr. Elystan Griffiths der University of Birmingham.
WO KANN ICH MEHR ERFAHREN?
Projekt-Website: https://www.iglk.uni-bonn.de/de/forschung/forschungsprojekte/eine-neue-ordnung-der-dinge