28. April 2022

Dialog zu gesundheitlichen Risiken mit dem Hausarzt Dialog zu gesundheitlichen Risiken mit dem Hausarzt

Simone Dohle erforscht Kommunikationsstrategien für die Gesundheit- und Risikokompetenz von Patienten

Prof. Dr. Simone Dohle leitet die neue Arbeitsgruppe „Gesundheits- und Risikokommunikation in der hausärztlichen Versorgung“ am Universitätsklinikum Bonn (UKB). Im Rahmen der neuen Professur der Universität Bonn geht die 41-jährige Psychologin der Frage nach, wie Menschen durch eine gelungene Kommunikation zu einem gesundheitsfördernden Lebensstil motiviert und bei dessen Umsetzung unterstützt werden. Dazu möchte Prof. Dohle am Institut für Hausarztmedizin ein Forschungslabor für Gesundheits- und Risikokommunikation aufbauen.

Dialog zu gesundheitlichen Risiken:
Dialog zu gesundheitlichen Risiken: - Prof. Dr. Simone Dohle leitet die neue Arbeitsgruppe „Gesundheits- und Risikokommunikation in der hausärztlichen Versorgung“ am UKB. © Foto: Universitätsklinikum (UKB)/Katharina Wislsperger
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„Das Ziel einer guten Gesundheits- und Risikokommunikation ist häufig, auch diejenigen zu erreichen, die sich beispielsweise mit der Entwicklung eines gesundheitsförderlichen Lebensstils noch gar nicht beschäftigt haben“, sagt Prof. Dohle, die in anschaulichen graphischen Darstellungen von Risiko und Nutzen eine zentrale Rolle sieht. Die Wahrscheinlichkeit, beispielsweise einen Herzinfarkt zu erleiden, ist erst einmal nur ein mathematischer Wert – eine rein statistische Information. „Idealerweise wird das Risiko so vermittelt, dass es jeder verstehen kann und der Nutzen einer Ernährungsumstellung auf der Hand liegt. Der Betroffene kann dann eine informierte Entscheidung treffen“, betont Prof. Dohle.

„War schon immer der Prävention zugewandt“

Welche Informationen sind nötig, um Menschen zu motivieren, das Gesundheitsverhalten positiv zu ändern? Wie kann man ihnen dann helfen, sich gesünder zu verhalten? „Neben der Motivation kommt hier dem Planungsaspekt eine besondere Bedeutung zu. Die Motivation ist zwar da, aber wie geht es weiter?“, sagt Prof. Dohle. „Effektive Selbstregulationsstrategien tragen hier dazu bei, dass gesundheitsbezogene Absichten – wie sich bewegen und gesünder ernähren – auch umgesetzt werden.“

Um all diese Fragen beantworten zu können, möchte sie am Institut für Hausarztmedizin ein Forschungslabor für Gesundheits- und Risikokommunikation aufbauen. Ziel ist es, für die hausärztliche Praxis und den Facharzt geeignete Darstellungsformate zur Vermittlung von gesundheitlichen Risiken zu entwickeln. Am Computer werden unter anderem Informationsmaterialien per Eye-tracking auf ihre Verständlichkeit getestet. „Dadurch bekommt man Informationen darüber, welche Aspekte übersehen oder nicht verstanden werden“, sagt Prof. Dohle. In ihrer experimentellen Forschung interessiert sie sich dafür, wann die Bereitschaft steigt, weitere gesundheitsfördernde Schritte zu gehen. E-Health, hier Apps auf Smartphones, können dabei helfen, in einer realistischen Umgebung Gesundheitsverhalten zu erfassen und Entscheidungen zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil direkt im Alltag zu unterstützen.

Gewinnbringende Verknüpfung von Forschung und Praxis

Die Möglichkeit am UKB ihre Forschung in der Praxis so umzusetzen, dass es den Menschen wirklich hilft, motivierte Prof. Dohle, den Ruf an die Medizinische Fakultät in Bonn anzunehmen. Es gibt viele Bereiche wie Pränataldiagnostik, Impfen, Organspende oder Erbkrankheiten, wo Personen patientenzentrierte Informationen benötigen, um eine individuell passende Entscheidung treffen zu können. „Patienten sind Individuen jeweils mit einem anderen Hintergrund. Das muss bei einer Risiko-Nutzen-Abwägung berücksichtigt werden“, sagt Prof. Dohle.

Prof. Dohle möchte zusätzlich auch technologische Möglichkeiten zur Erhöhung der Gesundheits- und Risikokompetenz wie Augmented Reality einsetzen. Dazu möchte sie bestehende Projekte mit Forschern beispielsweise von der University of Newcastle in Australien fortsetzen. Am Bonner Standort sieht sie ebenfalls viele Kooperationsmöglichkeiten, beispielsweise im Bereich eHealth zur Entwicklung von Gesundheits-Apps. Auch privat nutzt sie eHealth. So erfasst ihre Laufuhr Puls und zurückgelegte Strecke beim Joggen. Die Mutter von zwei Töchtern im Alter von drei und sechs Jahren ist aber auch gerne mit dem Rennrad unterwegs.

Ihre wissenschaftliche Karriere begann Prof. Dohle mit einem Studium der Psychologie in Würzburg und promovierte im Jahr 2010 in Zürich zu Risikowahrnehmung. Von 2011 bis 2014 leitete sie dort das Projekt „Das Ernährungspanel Schweiz“, eine Längsschnittstudie zu körperlicher Aktivität und Ernährungsverhalten im Alter von 20 bis 99 Jahren. Seit 2014 war sie an der Universität Köln tätig, wo sie nach ihrer Habilitation zum Gesundheitsverhalten eine Arbeitsgruppe im Bereich „Angewandte Sozialpsychologie und Entscheidungsforschung“ leitete.

Kontakt:

Prof. Dr. phil. Simone Dohle
Gesundheits- und Risikokommunikation in der hausärztlichen Versorgung
Institut für Hausarztmedizin
Universitätsklinikum Bonn
Tel. +49 (0)228 287-11156 (Sekretariat)
E-Mail: simone.dohle@ukbonn.de

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