21. Februar 2011

Hilfe für „Herzkinder“ im Nordirak Hilfe für „Herzkinder“ im Nordirak

Bonner Kinderherzteam im ehrenamtlichen Einsatz

Im Nordirak haben Kinder mit schweren Herzfehlern oft blaue Lippen und Finger. Zudem sind sie sehr dünn und haben einen schwachen Kreislauf. Das liegt daran, dass ihr Herz zu wenig Sauerstoff im Blut transportiert. In Deutschland werden Kinder frühzeitig behandelt und deswegen erst gar nicht so krank. Anders im Irak. Dort herrscht ein erheblicher Mangel an qualifizierten Ärzten. Daher hat ein fünfköpfiges Team des Universitätsklinikums Bonn jetzt eine Woche lang ehrenamtlich herzkranke Kinder behandelt und operiert.

Dr. Esmailzadeh (li) im OP zusammen mit seinem irakischen Kollegen Dr. Hemmen(re)
Dr. Esmailzadeh (li) im OP zusammen mit seinem irakischen Kollegen Dr. Hemmen(re) © privat
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Sehr viele herzkranke Kinder erwarteten das Bonner Spezialistenteam in der nordirakischen Stadt Erbil. Seine Ankunft hatte sich schnell herumgesprochen. Sogar aus dem fünf Stunden entfernten Bagdad waren Eltern mit ihren kranken Kindern angereist. Über 4.000 kleine Patienten mit zum Teil schweren Herzfehlern stehen auf der Warteliste des Hawler Cardiac-Center, dem Krankenhaus in Erbil. „Sie leiden an Blausucht, weil das Blut an ihrer Lunge vorbeifließt“, erklärt Professor Dr. Johannes Breuer, Direktor der Bonner Uni-Kinderkardiologie. Ihr Kreislauf funktioniert nicht richtig und sie sind sehr dünn, weil ihr Körper wegen der Krankheit viel mehr Kalorien verbraucht.

Nur an Know-how fehlt es

„Der Hygienestandard und auch die technische Ausstattung in Erbil sind vergleichbar mit dem europäischer Krankenhäuser, nur an Know-how fehlt es“, sagt der Kinderkardiologe. Sein Kollege Dr. Bahman Esmailzadeh, Leiter der Bonner Uni-Kinderherzchirurgie, hat diesen und einen früheren Einsatz in Erbil initiiert. „Klar muss man helfen, wenn man die Möglichkeit dazu hat“, sagt er. „Es ist schön zu sehen, wie Kinder nach einem Eingriff wieder gesund und rosig sind.“

Unterstützt wurden sie von Eva Maria Seibel und Tanja Kömpel, beides Kinderkrankenschwestern des Universitätsklinikums Bonn, sowie von dem Anästhesisten Dr. Omed Assaf vom Herzzentrum NRW. Das Team hat 20 Kinder operiert und 18 mittels Katheter-Eingriff geholfen.

Eine Woche Hilfe Non-Stop

Die beiden Kinderkrankenschwestern waren das erste mal ehrenamtlich in Erbil. Auch wenn der Einsatz hart war und sie sich täglich mindestens zwölf Stunden um die Kinder kümmerten, waren sie froh, helfen zu können: „Wenn die Kinder einen anlächeln und aus Dankbarkeit umarmen, vergisst man schnell die Müdigkeit“.

Die zwei jungen Frauen mussten sehr flexibel sein und auch improvisieren. „Manchmal schrieben wir einen OP-Plan um ihn dann gleich wieder umzuwerfen.“ Natürlich wollten alle Kinder als erstes dran kommen. Um möglichst vielen von Ihnen zu helfen, nahmen die Herzspezialisten lieber kurze und vorbereitende als lang dauernde Korrekturoperationen vor.

Den Ärzte fiel es sehr schwer den Eltern sagen zu müssen, dass ihr Kind inoperabel krank ist oder die Zeit für eine Operation einfach nicht reicht. So bleibt den Helfern besonders ein kleiner Junge mit schwerem Herzfehler in Erinnerung. Er bekam noch auf dem OP-Tisch Fieber und konnte deswegen nicht mehr während des kurzen Einsatzes operiert werden.

Kein Tropfen auf den heißen Stein

Nicht allen Kindern auf der Warteliste konnte geholfen werden. Trotzdem war der Einsatz kein Tropfen auf den heißen Stein. „Es gibt einen großen Bedarf an Kindherzchirurgen im Irak, deswegen ist unser primäres Ziel, die Ärzte zu schulen“, betont Esmailzadeh. Dass die früheren Einsätze schon Früchte tragen, zeigen die verbesserten und schnelleren Abläufe im Krankenhaus. „Die Ärzte sind richtig gut geworden und können inzwischen schon Maßnahmen vornehmen, die früher noch nicht möglich waren“, freut sich der Herzchirurg.

Doch der komplexe Herzfehler von Sheneye kann derzeit nicht im Irak operiert werden, weil eventuell notwendige Medikamente und Geräte fehlen. Das vierjährige Mädchen hat ein sehr großes „Loch“ im Herzen mit einem ungewöhnlich ausgeprägten Lungenhochdruck. Daher möchten die Ärzte des Universitätsklinikums Bonn die Operation in Kürze hier durchführen.

Wer Sheneye helfen will, kann eine Spende auf folgendes Konto überweisen:

Kontoinhaber: Universitätsklinikum Bonn
Kreditinstitut: Deutsche Bank Bonn
Bankleitzahl: 380 700 59
Kontonummer: 0 31 37 91
Verwendungszweck: G-022.0022 (bitte unbedingt angeben!)

Spender, die eine Spendenbescheinigung wünschen, können sich an Professor Dr. Johannes Breuer, Direktor der Abteilung für Kinderkardiologie am Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn, unter Telefon: 0228/287-33350 oder E-Mail: johannes.breuer@ukb.uni-bonn.de wenden.

Kontakt:
Professor Dr. Johannes Breuer
Direktor der Abteilung Kinderkardiologie
Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-33350
E-Mail: johannes.breuer@ukb.uni-bonn.de

Professor Breuer untersucht in Erbil einen kleinen Patienten
Professor Breuer untersucht in Erbil einen kleinen Patienten © privat
Die Kinderkrankenschwestern Eva Maria Seibel (li) und Tanja Kömpel (re) kümmern sich vor und nach der OP um herzkranke Kinder
Die Kinderkrankenschwestern Eva Maria Seibel (li) und Tanja Kömpel (re) kümmern sich vor und nach der OP um herzkranke Kinder © privat
Sheneye (Mitte) und ihr Vater (ganz links) hoffen auf eine Operation in Deutschland
Sheneye (Mitte) und ihr Vater (ganz links) hoffen auf eine Operation in Deutschland - Von rechts: Prof. Dr. Johannes Breuer, Kinderkrankenschwester Eva Maria Seibel und Dr. Bahman Esmailzadeh; © privat
Das Bonner Team mit seinen Kollegen aus dem Hawler Cardiac-Center in Erbil. (Dr.Bahman Esmailzadeh 1.v li, Tanja Kömpel (3. v li), Eva Maria Seibel (4. v li)
Das Bonner Team mit seinen Kollegen aus dem Hawler Cardiac-Center in Erbil. (Dr.Bahman Esmailzadeh 1.v li, Tanja Kömpel (3. v li), Eva Maria Seibel (4. v li) © privat
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