21. Mai 2026

Mehr Nachhaltigkeit im Labor Mehr Nachhaltigkeit im Labor

Superfreezer, Abluftanlagen, Schutzkleidung – Labore verbrauchen viel Energie und verursachen erheblichen Abfall. Gleichzeitig sind sie zentrale Orte für Innovation und Fortschritt. Um die negativen Umweltauswirkungen ihrer Forschungslabore systematisch zu reduzieren, haben die Universität Bonn und das Universitätsklinikum Bonn vergangenes Jahr das international anerkannte LEAF-Programm eingeführt. In den Pilotlaboren hat sich seitdem so einiges geändert.

Bitte schließen: Ein Smiley weist in Laboren auf Einsparpotenzial hin.
Bitte schließen: Ein Smiley weist in Laboren auf Einsparpotenzial hin. © Universitätsklinikum Bonn (UKB) / A. Winkler
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„Ein Laborabzug, der mit voller Leistung läuft, verbraucht so viel Energie wie ein Einfamilienhaus. Das hatte ich nicht auf dem Schirm“, berichtet Jens-Henning Krause von einem Aha-Moment, den ihm das LEAF-Programm beschert hat. Krause ist technischer Assistent am Institut für Angeborene Immunität des Universitätsklinikums Bonn (UKB) in dessen Labor rund 80 Mitabreitende forschen. Diese leistungsstarken Abzüge sind an Arbeitsplätzen installiert, an denen mit flüchtigen Stoffen gearbeitet wird – unerlässlich für den Schutz der Mitarbeitenden. Besonders viel Energie benötigen sie, wenn die Schiebetüren offenstehen, also jemand an diesem Platz gerade Versuche durchführt. Nach getaner Arbeit werden die Türen geschlossen, und der Abzug fährt in den Ruhemodus runter. 

Der Laborabzug verbraucht so viel Energie wie ein Einfamilienhaus 

Doch im hektischen Laboralltag kann es leicht mal passieren, dass die Türen nicht vollständig geschlossen werden und der Abzug weiter auf Hochtouren läuft – und damit unnötig wertvolle Energie verbraucht. Um das zu verhindern, hat das Labor zu einem einfachen, aber wirkungsvollen Trick gegriffen: Auf den beiden Schiebetüren ist ein Smiley-Sticker angebracht, der einen nur dann anlacht, wenn die Türen wirklich zu sind (siehe Foto). „Das motiviert die Mitarbeitenden spürbar, die Türen zu schließen, wenn sie fertig sind“, erklärt Krause. Auch an allen anderen Geräten, die nach der Arbeit abgeschaltet werden können, wurden entsprechende Sticker angebracht. Das ist nur eines von zahlreichen Beispielen, wie sich die Arbeit in den Pilotlaboren an der Universität Bonn und dem UKB, die an der ersten Runde des LEAF-Programms teilgenommen haben, durch eine stärkere Sensibilisierung für Nachhaltigkeit verändert hat. 

LEAF steht für Laboratory Efficiency Assessment Framework. Das vom University College London entwickelte Programm zielt darauf ab, sowohl die erzeugten Umweltbelastungen als auch die Betriebskosten von Laboren zu senken, und wird inzwischen weltweit an 85 Forschungseinrichtungen eingesetzt. Es kombiniert praxisnahe Maßnahmen mit wissenschaftlich fundierten Standards und einem dreistufigen Zertifizierungssystem (Bronze, Silber, Gold). Labore werden dabei angeleitet, Energie, Wasser, Chemikalien und Kunststoffe einzusparen, nachhaltige Beschaffungsprozesse zu etablieren und ihre Fortschritte mithilfe von CO₂- und Kostenrechnern zu dokumentieren. Fünf Pilotlabore der Uni Bonn und des UKB haben die erste Runde des LEAF-Programms und das damit verbundene Assessment erfolgreich durchlaufen und ein Bronze-Zertifikat erhalten. 

Exzellente Forschung mit Verantwortung für die Umwelt verbinden

„Unsere Aufgabe ist es, Exzellenz in der Forschung mit Verantwortung für die Umwelt und Ressourcen zu verbinden. Mit LEAF schaffen wir einen strukturierten Rahmen, um Nachhaltigkeit im Laboralltag messbar zu machen und dauerhaft zu verankern“, erläutert die Prorektorin für Nachhaltigkeit, Prof. Dr. Annette Scheersoi, warum sich Uni Bonn und UKB daran beteiligen. „Besonders freut mich, dass der Anstoß dazu aus den Reihen der Mitarbeitenden kam“, betont sie.

Eine Labormitarbeiterin etwa, die voll hinter LEAF steht, ist Saskia Seland, technische Assistentin am Bonner Institut für Organismische Biologie (BIOB). Hier wird zum genetischen und evolutionären Ursprung der morphologischen und verhaltensbezogenen Vielfalt verschiedener Drosophila-Arten geforscht. Die Mitarbeitenden verwenden für ihre Forschung Proben, die gekühlt werden müssen. Im Rahmen des LEAF-Pilotdurchlaufs hat das Labor die Temperatur der Gefrierschränke von minus 80 auf minus 70 Grad erhöht. „Das spart ein Drittel der Energie ein, die diese Geräte im Jahr verbrauchen. Den Proben schadet das nicht“, erklärt Seland. Auch die Temperatur von Kühlschränken wurde entsprechend angepasst.

Abfalltrennung ist ein wichtiger Faktor

Als größte Änderung sehen sowohl Saskia Seland als auch Jens-Henning Krause aber die Abfalltrennung, die im Rahmen von LEAF in den Laboren deutlich optimiert wurde. Ein wichtiger Faktor, angesichts enormer Abfallmengen, die in Laboren entstehen. „Man wundert sich, was im Labor alles an Plastik anfällt“, sagt Seland. So bestehen viele Versuchsmaterialien wie Pipetten, Spritzen und Petrischalen oft aus Kunststoff und sind zusätzlich – teils einzeln – in Plastik verpackt. In beiden Laboren werden nun Kunststoffe, Papier und Restmüll konsequent getrennt voneinander gesammelt und dem Recycling zugeführt – immer vorausgesetzt, die Materialien sind durch die Versuche nicht kontaminiert. Denn in den Laboren gilt natürlich weiterhin: Safety First. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit gelangen so keine Gefahrstoffe in die Umwelt. Auch in den zu den Instituten gehörenden Büros werden Abfälle nun noch systematischer getrennt.

Aber nicht nur Recycling, sondern auch Müllvermeidung spielt bei LEAF eine wichtige Rolle. „Oft lässt sich durch kleine Änderungen im Arbeitsablauf der Abfall deutlich reduzieren. Ich kann das gleiche Experiment auch so durchführen, dass ich nur eine statt zehn Pipettenspitzen verbrauche, indem ich sie weniger tief in das Probenröhrchen einführe und damit vermeide, dass sie kontaminiert wird“, erklärt Jens-Henning Krause. Bei 80 Labormitarbeitenden macht das einen erheblichen Unterschied im Materialverbrauch aus. 

Gemeinschaftsgefühl gestärkt

Überhaupt hat LEAF nochmals deutlich das Bewusstsein der Mitarbeitenden für Nachhaltigkeit und ihren Beitrag dazu geschärft, sind sich Krause und Seland einig. Und neben einem geringeren Ressourcenverbrauch und damit sinkenden Kosten hat das Programm einen weiteren positiven Effekt: „LEAF hat bei uns das Gemeinschaftsgefühl im Team und den Austausch mit anderen Laboren gestärkt“, betont Krause. Das Team hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: In der nächsten Runde des LEAF-Programms, die im Februar 2026 angelaufen ist, will es ein Silber-Zertifikat erlangen.

Universität und Universitätsklinikum Bonn führten im vergangenen Jahr das LEAF-Programm in ersten Pilotlaboren ein, um negative Umweltauswirkungen zu senken.
Universität und Universitätsklinikum Bonn führten im vergangenen Jahr das LEAF-Programm in ersten Pilotlaboren ein, um negative Umweltauswirkungen zu senken. © Bernadett Yehdou / Universität Bonn
Universität und Universitätsklinikum Bonn führten im vergangenen Jahr das LEAF-Programm in ersten Pilotlaboren ein, um negative Umweltauswirkungen zu senken.
Universität und Universitätsklinikum Bonn führten im vergangenen Jahr das LEAF-Programm in ersten Pilotlaboren ein, um negative Umweltauswirkungen zu senken. © Foto: Bernadett Yehdou / Universität Bonn
Jens Krause ist technischer Assistent am Institut für Angeborene Immunität des UKB.
Jens Krause ist technischer Assistent am Institut für Angeborene Immunität des UKB. © UKB / Ronja Kardinal
Saskia Seland ist technische Assistentin am Bonner Institut für Organismische Biologie (BIOB).
Saskia Seland ist technische Assistentin am Bonner Institut für Organismische Biologie (BIOB). © Volker Lannert
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