28. September 2018

Schellackplatten berichten aus Japans Unterhaltungskultur Schellackplatten berichten aus Japans Unterhaltungskultur

BMBF-Projekt: Bonner Japanologen digitalisieren einzigartige japanische Schallplatten-Sammlung

Knapp 3900 japanische Schellack-Platten der Kataoka-Sammlung werden in einem dreijährigen Projekt der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn unter Leitung von Prof. Dr. Reinhard Zöllner digitalisiert und systematisch erfasst. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat nun entschieden, das Projekt zu fördern. So wird diese einzigartige Quelle zur Erforschung der frühen japanischen Kulturwirtschaft weltweit zugänglich sein. Zur Eröffnung des Projektes am 04. Oktober 2018 kommt der Begründer der Sammlung, der Filmerzähler Ichiro Kataoka, nach Bonn.

Schellackplatte mit Erdbebenbericht
Schellackplatte mit Erdbebenbericht - Auch diese Schallplatte zählt zur Sammlung und wird in dem neuen BMBF-Projekt erforscht. Sie enthält einen Bericht über das Erdbeben in Tokyo am 1. September 1923; vgl. auch: Rheinische Wunderkammer, hg. v. Klaus Herkenrath und Thomas Becker, Göttingen 2017, S. 220f. © Volker Lannert 2017

Die weltweit einzigartig Kataoka-Sammlung umfasst Schellackplatten aus den Jahren 1915 bis 1950, die vor allem aus der Film- und Unterhaltungskultur Japans dieser Jahre stammen. Knapp 3900 Schellackplatten umfassen mehr als 500 Stunden Tonaufnahmen von Titelmusiken, Filmerzählungen, Volksliedern, Schlagern, auch Nachrichten und Vorträge. Der Erforschung dieser Sammlung dienen weiter etwa 2500 Plattenhüllen und etwa 2000 Seiten Begleittexte.

Durch das Forschungsprojekt werden bisher unzugängliche Informationen für die Erforschung der frühen Kulturwirtschaft Japans in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg weltweit verfügbar. Die Hauptschwierigkeit ist, die Schallplatten, ihre Produzenten und ihre Inhalte eindeutig zu identifizieren. Viele der Schallplatten wurden von Labels herausgegeben, die heute nicht mehr existieren. In den meisten Fällen existieren keine Kataloge ihrer Schallplatten. Es gibt auch keine Verzeichnisse der damals aktiven Künstler, Sprecher oder Musiker. Diese wesentlichen Informationen werden die Projektbeteiligten recherchieren. Auch urheberrechtliche Fragen sind damit verbunden, die geklärt werden müssen, bevor die digitalisierten Daten veröffentlicht werden können. Berührt sind die Medien-, Technik- und Sprachgeschichte Japans. Die meisten Exponate sind zugleich Unikate, die nur in der Kataoka-Sammlung enthalten sind.

2012 kam die Kataoka-Sammlung nach Bonn

Der japanische Filmerzähler Ichiro Kataoka hat die Sammlung begründet und 2012 an die Universität Bonn übergeben. Er forscht zur Geschichte der Filmerzähler und zählt selbst zu den international anerkannten Künstlern der historischen japanischen Erzählkunst. Filmerzähler (Benshi) traten in Stummfilm-Vorführungen auf, um die dargebotene Geschichte parallel zu den Bildern mit Worten zu erzählen, unterstützt durch musikalische Darbietungen. Kataoka und mit ihm nur wenige Künstler weltweit erhalten diese Kunst bis heute in Japan, Nordamerika und Europa aufrecht.

Die Errichtung einer Datenbank soll den nahtlosen Datenaustausch mit dem KOSMOS-Projekt an der Universität Bonn sicherstellen. Hieran arbeitet ein deutsch-japanisches Projektteam, das die sprachlichen Herausforderungen meistern wird; alle Information einschließlich der Originaltöne der Schallplatten sind durchweg japanisch. Schließlich beraten wissenschaftliche Partner in Japan.

Prof. Dr. Reinhard Zöllner leitet das Projekt gemeinsam mit Dr. Shiro Yukawa, Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn.Kooperationspartner des Digitalisierungsprojektes der Kataoka-Sammlung sind Prof. Shuhei Hosokawa (International Research Center for Japanese Studies der Universität Kyoto), Prof. Hiroshi Komatsu (Waseda Universität, Tokyo), Prof. Manabu Ueda (Kobe Gakuin Universität, Kobe) und das KOSMOS-Verbundprojekt der Museen und Sammlungen der Universität Bonn mit der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn.

Eröffnung mit dem Filmerzähler Kataoka

Das BMBF-Projekt wird in Gegenwart des Japanischen Generalkonsuls Masato Iso, des Direktors des Japanischen Kulturinstituts, Masakazu Tachikawa, und des neuen Direktors des Bonner Büros der Japan Society for the Promotion of Science (JSPS), Prof. Hayashi, sowie des Rektors der Universität Bonn, Prof. Dr. Dr. h. c. Michael Hoch, offiziell eröffnet am
Donnerstag, 04. Oktober 2018, um 18:00 Uhr
in den Räumen der Abteilung für Japanologie und Koreanistik des Instituts für Orient- und Asienwissenschaften der Universität Bonn, Brühler Straße 7, 53119 Bonn, 4. OG.

Zur Eröffnung des Bonner Forschungsprojektes am 4. Oktober kommt der Filmerzähler Ichiro Kataoka nach Bonn und wird den 1929 entstandenen Stummfilm Tokyo Koshinkyoku aufführen – mit englischen Untertiteln. Von den 101 Minuten der Originalversion sind noch etwa 30 Minuten erhalten.

Kontakt:
Prof. Dr. Reinhard Zöllner,
Abteilung für Koreanistik und Japanologie,
Institut für Orient- und Asienwissenschaften,
Universität Bonn,
Nassestraße 2, 53113 Bonn,
E-Mail: zoellner@uni-bonn.de
Tel. 0228-73-4848

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