21. Juni 2017

Inschriften aus dem Wadi Ameyra Inschriften aus dem Wadi Ameyra

Die Ausstellung im Korridor vor dem Ägyptischen Museum der Universität Bonn wird mit UV-Taschenlampen sichtbar und läuft zunächst bis zum 31. August 2017.

Forscher des Sonderforschungsbereichs "Macht und Herrschaft" (SFB 1167) haben die Präsentation eines Inschriftentableaus aus dem südwestlichen Sinai kuratiert.

Wadi Aymera
Wadi Aymera - Landschaftsaufnahme mit Blick ins Wadi Ameyra, © Dr. Amr el-Hawary / Universität Bonn

Im Korridor vor dem Saal des Ägyptischen Museums stellt eine neue Ausstellung Forschungsarbeiten im Wadi Ameyra vor. Die Präsentation des Inschriftentableau im südwestlichen Sinai wurde von Forschern des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1167, "Macht und Herrschaft", im Teilprojekt "Vom Doppelten Horus. Königsideologische Arbeit in der formativen Phase des ägyptischen Königtums und ihre Inszenierung" konzipiert, unter ihnen der Direktor des Ägyptischen Museums, Prof. Dr. Ludwig Morenz (Projektleiter), sowie Beryl Blüma M. A. und David Sabel M. A. , beide Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen im Ägyptologischen Seminar und Kuratoren der Ausstellung, sowie die Studierenden Susanne Kroschel, Leonie Muschiol und Hakon Rückemann.

Markierung der Expeditionswege durch den Herrschernamen
Wadi Ameyra ist eine erst vor wenigen Jahren bekannt gewordene archäologische Stätte im Sinai. An einem Felsenweg, der ägyptische Rohstoff-Expeditionen in die Bergwüste des Sinai führte, wurden im späteren vierten und frühen dritten Jahrtausend v.Chr. immer wieder Felsbilder und -inschriften angebracht, die heute einen faszinierenden Einblick geben: Es geht um die Zeit, in der ein ägyptischer Territorialstaat entstanden ist und sich das frühägyptische Königtum herausbildete. Bilder und Zeichen der Ausstellung führen die Besucher in eine Zeit weit vor dem Bau der Pyramiden. So sind beispielsweise Herrschernamen in die Felswände graviert, auch Boote mit Kabinen sind zu erkennen. Dabei stehen die Boote als Zeichen für Expeditionen ins Ausland, bei denen auch andere Fortbewegungsmittel genutzt wurden. Zu den offenen Forschungsthemen, denen sich die Forscher des SFB-Teilprojekts nun stellen, zählt auch die Ikonographie bestimmter Zeichen, also die Frage nach der Verschriftung als Medium der Herrschaftsausübung.

Für die Ausstellung wurden die Felsbilder des Wadi Ameyra im Maßstab 1:2 mit einer Spezialfarbe auf den Wänden des Museumskorridors visualisiert: Nur unter direktem UV-Licht sind die Bilder sichtbar ist; dafür erhalten die Besucher UV-Taschenlampen, mit denen sie im Flur vor dem Ägyptischen Museum auf Entdeckungsreise gehen können. Die Ausstellung ist zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

Dank einer großzügigen Spende des Vereins zur Förderung des Ägyptischen Museums wird den jungen Besuchern im Museum eine Aktion angeboten, bei der sie einen frevelhaften Diebstahl am Hof des Pharaos in detektivischer Weise aufklären können, indem Sie nur mit UV-Licht erkennbaren Spuren folgen müssen, um letztendlich reich belohnt zu werden.
 
Zur Eröffnung der Ausstellung hielt Prof. Dr. Pascal Vernus den 3. Hans-Bonnet-Gedächtnisvortrag, in dem er über frühe schriftliche Zeugnisse aus Ägypten sprach. Vernus ist emeritierter Professor der Ecole Pratique des Hautes Etudes, Sciences Historiques et Philologiques an der Sorbonne in Paris. Er erforscht die Schriftentstehung und -entwicklung, darüber hinaus die Literatur – insbesondere die Liebesdichtung – sowie Götter und Religion des alten Ägypten. Zugleich war der Vortrag Auftakt eines Workshops zu Fragen der Entstehung der ägyptischen Schrift.

Kontakt:
Dr. Frank Förster, Kurator
Ägyptisches Museum der Universität Bonn
Regina-Pacis-Weg 7, 53113 Bonn
E-mail: aegyptisches-museum@uni-bonn.de

Öffnungszeiten
:
dienstags bis freitags 13-17 Uhr, samstags und sonntags 13-18 Uhr

Weitere Information zum Sonderforschungsbereich "Macht und Herrschaft"
 

Die unsichtbaren Felsbilder unter UV-Licht
Kinderaktion zur Ausstellung
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