11. April 2017

Phänomene von Macht und Herrschaft Phänomene von Macht und Herrschaft

Sonderforschungsbereich startet im Sommersemester Ringvorlesung an der Universität Bonn

Unter dem Eindruck weltweit zunehmender Verflechtung und Vernetzung in nahezu allen Lebensbereichen liegt der Fokus vieler geschichts- und kulturwissenschaftlicher Betrachtungen auf der sogenannten Moderne. In den letzten Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass die unter dem Stichwort „Globalisierung“ subsumierten Prozesse ohne eine Analyse der überkommenen politisch-gesellschaftlichen Organisationsformen nicht adäquat verstanden werden können. Diese historischen Perspektiven beleuchtet der Sonderforschungsbereich „Macht und Herrschaft“ an der Universität Bonn mit einer Ringvorlesung.

König auf dem Schachbrett:
König auf dem Schachbrett: - Der Sonderforschungsbereich "Macht und Herrschaft" an der Universität Bonn startet im Sommersemester eine Ringvorlesung. © Foto: COLOURBOX.de

Der Sonderforschungsbereich macht es sich seit dem Sommer 2016 zur Aufgabe, vormoderne politisch-gesellschaftliche Organisationsformen von Macht und Herrschaft in Asien, Europa und dem nördlichen Afrika aus transkultureller Perspektive zu untersuchen. Der Blick wird auf gesellschaftliche Tiefenstrukturen europäischer und außereuropäischer Kulturräume gelenkt. Wechselseitige Abhängigkeiten zwischen ‚gelebten‘, faktisch etablierten Ordnungen und ihrer Wahrnehmung, Darstellung und Kommentierung werden offengelegt. In zeitlicher und räumlicher Breite wird das Aushandeln von Macht und Herrschaft untersucht, nach den Faktoren gefragt, die diese überhaupt ermöglichen, legitimieren und bedingen, sowie die Bedeutung personaler und überzeitlich-transpersonaler Elemente für politische Organisationsformen ergründet.

Die öffentlichen Vorträge finden dienstags, 18 Uhr c.t., Hörsaal IV, Universitätshauptgebäude, Am Hof 1, in Bonn statt. Die Termine der Ringvorlesung im Einzelnen:

25. April: Prof. Dr. Matthias Becher (Mittelalterliche Geschichte):
Vormoderne Macht und Herrschaft: Zugänge, Phänomene, Perspektiven

9. Mai: Dr. Anna Kollatz (Islamwissenschaft):
Transkulturalität als Strategie: Integration von Eliten am Mogulhof

23. Mai: Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck (Kunstgeschichte):
Der König als Gast – Haus und Herrschaft in der profanen Wandmalerei: Frühe italienische Beispiele in Verona und San Gimignano

13. Juni: Prof. Dr. Mechthild Albert (Romanistik):
Herrscher und Berater/in in der kastilischen Literatur des Mittelalters

27. Juni: Prof. Dr. Ralph Kauz (Sinologie):
Die ‚Globalpolitik‘ des Yongle-Kaisers (r. 1403–1424): Konfrontation oder Legitimation?

11. Juli: Prof. Dr. Elke Brüggen (Germanistische Mediävistik):
Politische Rede in der ‚Kaiserchronik‘

25. Juli: Prof. Dr. Nikolas Jaspert (Mittelalterliche Geschichte, Universität Heidelberg):
Militärische Diasporen und die Politik der Frömmigkeit im westlichen Mittelmeerraum (13.–15. Jahrhundert)

Der Sonderforschungsbereich „Macht und Herrschaft“

Das interdisziplinäre Verbundprojekt erarbeitet mit seinen etwa 70 Mitgliedern ein weites Spektrum von Macht und Herrschaft in vormodernen Ordnungen. Die mannigfache Expertise der beteiligten Projekte speist sich auch und vor allem aus den sogenannten „kleineren Fächern“ der Geisteswissenschaften: Ägyptologie, Anglistik, Archäologie, Germanistik, Geschichte, Indologie, Islamwissenschaft, Japanologie, Kunstgeschichte, Romanistik, Sinologie und Tibetologie. Die Fülle an möglichen Erkenntnissen des SFB 1167 zeigt sich jedoch nicht nur an seiner disziplinären Vielfalt, sondern auch an den zu entdeckenden materiellen Zeugnissen – von altägyptischen steinernen Prunkreliefs über mittelalterliche Baudenkmäler und Wandmalereien bis hin zur tibetischen Königschronik des 17. Jahrhunderts.

Kontakt für die Medien:

Prof. Dr. Matthias Becher
Sprecher des SFB
Institut für Geschichtswissenschaft
Abt. für Mittelalterliche Geschichte
Universität Bonn
Tel. +49-228-735160
E-Mail: matthias.becher@uni-bonn.de
SFB 1167: https://www.sfb1167.uni-bonn.de

Wird geladen