18. Juli 2013

Skelett des Bonner Plesiosauriers neu montiert Skelett des Bonner Plesiosauriers neu montiert

Ein alter Fund in neuer Montage

Im Goldfuß-Museum der Universität Bonn wird jetzt das alt bekannte Skelett der Paddelechse nach neuer Montage wieder ausgestellt. Bonner und Bochumer Forscher haben nun geklärt, dass der Plesiosaurier nicht mit allen Vieren ruderte, sondern ein Unterwasserflieger war.

Plesiosaurier im Goldfuß-Museum
Plesiosaurier im Goldfuß-Museum - Der Plesiosaurier wird neu montiert © : Kayleigh Wiersma/Universität Bonn)

Plesiosaurier, auch als Paddelechsen bekannt, waren dieerfolgreichsten Meeresreptilien der Dinosaurierzeit. Sie lebten vor etwa 135Millionen Jahren. Manche von ihnen waren die Schrecken der Meere, andere warengeschickte Fischfresser wie der hier ausgestellte Cryptocleidus eurymerus - miteinem kleinen Kopf auf einem langen, sehr beweglichen Hals. Als der "Bonner Plesiosaurier" um 1910gefunden und montiert wurde, wurde noch angenommen, dass der Plesiosaurier mitallen Vieren ruderte. Die Form der Flossen verdeutlicht aber, dass dies nichtrichtig sein kann. Prof. Dr. Martin Sander: "Der Plesiosaurier war kein Ruderer, sondern ein Unterwasserflieger."
In einem interdisziplinären Forschungsprojekt zudiesem Thema wurde das Bonner Skelett nun vom Studio "Creatures andFeatures" in Arnhem (NL) in enger Zusammenarbeit mit Bonner Paläontologensowie mit Ingenieueren und Anatomen der Universität Bochum nach dem aktuellenStand der Forschung neu montiert.

Die Schwimmweise der Plesiosaurier
Die vier Extremitäten des Plesiosauriers wirkten imWasser wie bewegte Tragflächen. Sowohl beim Abwärtsschlag jeder Flosse als auchbei ihrem Aufwärtsschlag wurde ein Auftrieb mit einer Vorwärtskomponenteerzeugt. Dazu mussten die Flossen um ihre Längsachse gedreht werden, damit diegerundeten Vorderkanten der Hand- und Fußflossen durch das Wasserwiderstandsarm bewegt werden konnten und die Abströmung über die scharfenProfilhinterkanten wirbelarm verlief. Die Wirbelbildung an den Flossenendenwurde dort durch ein spitz auslaufendes Profil minimiert. Dies kann beilebenden Tieren sehr gut an den vorderen Extremitäten beispielsweise derMeeresschildkröten und Pinguine untersucht werden. Das feingliedrigefünfstrahlige Hand- und Fußskelett des Plesiosauriers erlaubte eine optimaleStromlinienförmigkeit; der spindelförmige Körperbau reduzierte denWasserwiderstand auf ein Minimum. Die neue Montage des Plesiosauriers zeigt dieStellung der Extremitäten in Gegentaktposition. Diese Bewegungsstrategieermöglichte eine äußerst gleichmäßige Auftriebs- und Antriebskraft und einehervorragende Manöverierbarkeit.

Nun soll die exakteSchwimmbewegung des Plesiosauriers rekonstruiert werden. Aus den Strukturen undVolumen der fossilen Flossenknochen der neuen Montage können Flossenmuskulaturund Flossenfunktion mithilfe numerischer Verfahren rekonstruiert werden, nichtzuletzt der Zusammenhang zwischen funktionsbedingten Belastungen und der Formder Flossenknochen. So könnte auch der Energiehaushalt dieserUnterwasserflieger geklärt sowie Schwimmgeschwindigkeiten, Jagdverhalten undAktionsradius der Plesiosaurier bestimmt werden.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ulrich Witzel, Universität Bochum, e-mail: Witzel@lmk.ruhr-uni-bochum.de
Prof. Dr. Martin Sander, Universität Bonn, e-mail: martin.sander@uni-bonn.de

Im Videopodcast stellen die beiden Wissenschaftler ihreArbeit selbst vor.

Zum Goldfuß-Museum der Universität Bonn.
Skelett im Aufbau
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