29. Juni 2010

Trickreiche Natur Trickreiche Natur

Der Schwimmfarn ist Pflanze des Monats Juli 2010

Im UNESCO-Jahr der Artenvielfalt stehen die Erfindungen, die die Natur im Laufe von Jahrmillionen der Evolution hervorgebracht hat, im Mittelpunkt des Interesses. Es gilt heute, ihre „Tricks“ für den Menschen nutzbar zu machen. So verfügt der Schwimmfarn Salvinia über eine extrem Wasser abweisende Oberfläche. Er ist in den Botanischen Gärten der Universität Bonn die Pflanze des Monats Juli.

Salvinia_molesta.jpg
Salvinia_molesta.jpg © Foto: W. Barthlott/Uni Bonn

Salvinien gehören zu den rund 15.000 Arten der weltweit vorkommenden Farnpflanzen. Farne zeigen sehr bemerkenswerte Erscheinungsformen, von 2 Meter hohen Wedeln, wie sie bei dem heimisch vorkommenden Adlerfarn zu finden sind, bis hin zu schwimmenden Vertretern, den Salvinien. Der einzige in Deutschland vorkommende Schwimmfarn, Salvinia natans, ist vom Aussterben bedroht und kommt nur noch an wenigen Stellen am Oberrhein vor.

Salvinien sind frei schwimmende Pflanzen, deren Schwimmblätter eine extrem wasserabweisende Oberfläche besitzen. Taucht man die Blätter unter Wasser, hält die Oberfläche ein hauchdünnen Überzug aus Luft, die den Blättern Auftrieb verleiht und verhindert, dass die Blattoberfläche überhaupt erst in Kontakt mit dem Wasser kommt. Diese Eigenschaft basiert auf einem dichten Besatz aus winzigen, schneebesenartigen Haaren und Wachskristallen, die die übrige Oberfläche wie eine Puderzuckerschicht überziehen und das „Luftkleidchen“ fixieren.

Nachdem Wissenschaftler der Unis Bonn, Karlsruhe und Rostock im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojektes den „Salvinia-Effekt“ aufgeklärt haben, soll er nun nutzbar gemacht werden. Schon bald könnten Schiffsrümpfe mit „Salvinia-Effekt“ in einer Hülle aus Luft durchs Wasser gleiten. Dank geringerer Reibung würde eine Menge Antriebsenergie gespart werden, die bislang durch Reibung verloren geht.

Salvinia ist im Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss im Kranich-Becken zu sehen. In den Botanischen Gärten finden sich verschiedene Salvinia-Arten in den zurzeit geschlossenen Gewächshäusern. Noch bis zum 31. Oktober sind der Botanische Garten am Poppelsdorfer Schloss und der Nutzpflanzengarten am Katzenburgweg täglich außer samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Gewächshäuser sind bis April 2011 wegen Umbaumaßnahmen geschlossen. Weitere Informationen zu den Botanischen Gärten gibt es unter: http://www.botgart.uni-bonn.de


Wird geladen