27. August 2007

Uraltes Gliedertier gibt bis heute Rätsel auf Uraltes Gliedertier gibt bis heute Rätsel auf

Versteinerte Überreste sind als Fossil des Monats im Goldfuß-Museum Bonn zu sehen

Forscher finden Fossilien, bestimmen sie und ordnen sie eindeutig einer Tier- oder Pflanzengruppe zu. So der Idealfall. Dass es nicht immer so einfach ist, beweist das Gliedertier Vachonisia rogeri. Einzige Überreste dieser längst ausgestorbenen Tierart sind fast 400 Millionen Jahre alte Fossilien im Hunsrückschiefer. In den Fünfziger- und Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts wurden diese Fossilien zwei verschiedenen Tiergruppen zugeordnet. Seitdem hat Vachonisia rogeri eine aufregende Forschungsgeschichte hinter sich. Forscher des Instituts der Paläontologie der Universität Bonn haben Vachonisia rogeri nun eingehend neu untersucht. Ihre Ergebnisse stellen sie ab dem 1. September im Goldfuß-Museum in der Reihe "Fossil des Monats" vor. Zu sehen sind zudem einige versteinerte Exemplare dieses rätselhaften Tieres und anderen Funde aus dem Hunsrückschiefer.

Bild Uraltes Gliedertier gibt bis heute Rätsel auf
Bild Uraltes Gliedertier gibt bis heute Rätsel auf © Universität Bonn
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Der Hunsrückschiefer ist schon seit langem bekannt für seine außergewöhnlichen Fossilien. Die aus der Zeit des Unterdevons stammenden, rund 400 Millionen Jahre alten Ablagerungen zeigen, dass das Gebiet damals vom Meer überflutet war. Zu dieser Zeit lag die Region nahe am Äquator und im Jahresdurchschnitt herrschte eine Temperatur um die 25°C.



Wenn Meereslebewesen starben, wurden sie mitunter von feinem tonigem Material zugedeckt, so dass sie bis heute erhalten blieben. Im Laufe der Zeit wandelte sich bei einigen Tieren das organische Material in Eisensulfid um. Da Eisensulfid Strahlung reflektiert, lassen sich diese Fossilien heute mit Röntgenstrahlen untersuchen. So können die Funde detailliert erforscht werden. Bei den so genannten Trilobiten aus der Gruppe der Gliedertiere gelang es so zum Beispiel, den Darmtrakt sichtbar zu machen.



Allein 264 marine Tierarten aus dem Hunsrückschiefer wurden im Laufe der Jahrzehnte von Wissenschaftlern entdeckt und beschrieben. Manche Arten, wie das in der Ausstellung gezeigte Gliedertier Vachonisia rogeri, existieren schon seit langem nicht mehr. Ihr Körperbau kann deshalb Einblicke in die frühe Evolution von Krebsen, Insekten, Spinnen und anderen Formen ermöglichen die an lebenden Arten nicht möglich sind.



Inzwischen haben die Bonner Paläontologen Gabriele Oltmann und Jes Rust 20 Exemplare dieses seltenen Fossils untersucht. Die Verwandtschafts-beziehungen konnten noch nicht zweifelsfrei geklärt werden, aber es ist erstmals gelungen, drei unterschiedliche Wachstumsstadien von Vachonisia rogeri zu identifizieren und die Lebensweise dieses urtümlichen Organismus zu rekonstruieren. Zahlreiche weitere, zum Teil äußerst ungewöhnliche Gliedertiere sollen noch eingehend untersucht werden. Die Urarthopoden aus dem Hunsrückschiefer werden die Bonner Paläontologen also noch länger beschäftigen.








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Vachonisia rogeri. Foto: Georg Oleschinski / Uni Bonn



Vachonisia rogeri. Foto: Georg Oleschinski / Uni Bonn




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