10. Dezember 2020

Winzige Fossilien von großer Bedeutung Winzige Fossilien von großer Bedeutung

Zähne, so zierlich wie die Spitze eines Kugelschreibers, und ein Stück eines Unterkieferknochens, das kleiner als eine Ein-Cent-Münze ist - diese Funde machten die Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zwischen 2002 und 2019 bei Grabungen in einem Steinbruch bei Balve im Hönnetal (Märkischer Kreis). Paläontologen der Universität Bonn untersuchten die Fossilien.

Mittels der Methode des Schlämmens
Mittels der Methode des Schlämmens - werden selbst kleinste Fossilien auffindbar gemacht, die gefundenen Zähne sind nur wenige Millimeter, das Unterkieferknochenfragment etwas über einen Zentimeter groß. © LWL, Steinweg
Bei der Zusammenschau stellt sich nun heraus: Die 125 Millionen Jahre alten Fossilien sind nicht nur für die Fachleute des LWL-Museums für Naturkunde in Münster eine besondere Entdeckung, sondern der erste Beleg für die Säugetiergruppe der "Multituberculata" aus der Kreidezeit in Deutschland und der erste Nachweis von Säugetieren aus dem Erdmittelalter in Nordrhein-Westfalen überhaupt. Mit dem Fund haben die Fossilien-Forscherinnen zwei neue Gattungen und Arten entdeckt: „Bructerodon alatus“ und „Cheruscodon balvensis“.
 
Multituberculata werden auch "Nagetiere des Mesozoikums" genannt, also Nagetiere des Erdmittelalters. Das Erdmittelalter, das Zeitalter der Dinosaurier, begann vor 252 Millionen Jahren und endete vor 66 Millionen Jahren. Die Kreide war der jüngste der drei Zeitabschnitte des Mesozoikums und reichte von der Zeit vor 145 Millionen Jahren bis zu zum Ende des Mesozoikums.
 
Mit heutigen Nagetieren sind Multituberculata nicht direkt verwandt, ähneln ihnen aber durchaus in ihrer äußeren Erscheinung. Am auffälligsten sind dabei die zwei stark nach vorne geneigten Unterkieferschneidezähne, die in beiden Säugetiergruppen auftreten. Multituberculata hatten etwa die Größe von Mäusen oder Ratten. Das erklärt die winzigen Maße der gefundenen Fossilien: Die Zähne sind circa zwei Millimeter, das Unterkieferfragment etwa 1,2 Zentimeter groß.
 
„Bei so winzigen Zähnen ist die Untersuchung kompliziert“, sagt Dr. Thomas Martin, Professor für Paläontologie an der Universität Bonn. Martin gehörte zu dem Forscherteam, das die fossilen Zähne untersucht hat. „Wir haben 3D-Scans der Zähne angefertigt, um die Strukturen zu analysieren. Dabei fiel auf, dass die Zahnstruktur mit keiner der bekannten Gattungen der Multituberculata übereinstimmt, es sich also um zwei neue Gattungen und Arten handeln muss.“  Wer eine neue Gattung entdeckt, darf sie auch benennen. Die Namen dieser Neuentdeckungen beziehen sich jeweils auf zwei germanische Stämme aus der Antike, Brukterer und Cherusker, die in der Varusschlacht drei römische Legionen besiegten. Große Namen also, die nicht unbedingt die tatsächliche Größe der Funde, sondern ihre Bedeutung widerspiegeln.
 
Pressemitteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe: https://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?51726
 
Wissenschaftler entdeckten in der Nähe des Hönnetals
Die fossilen Zähne
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