Bereits seit über 20 Jahren vergibt das Gleichstellungsbüro der Universität Bonn den Gender Studies Preis mit dem Ziel, die Sichtbarkeit von Geschlechterforschung an der Universität Bonn zu fördern.
Ausgezeichnete Abschlussarbeiten der Gender Studies
Für das Akademische Jahr 2025 hat die Jury, bestehend aus Dr. Sandra Fischer (Politikwissenschaften), Prof. Claudia Jacobi (Romanistik), Prof. Andreas Krebs (Alt-Katholisches Seminar), Prof. Karoline Noack (Altamerikanistik und Ethnologie), Dr. Anna Schliehe (Kulturgeographie) und Prof. Caroline Teschmer (Evangelische Theologie), folgende Abschlussarbeiten ausgewählt:
- Martha Bingeler mit der Bachelorarbeit in Latein- und Altamerikanistik: Exotisierte und feminisierte Körper an der kolumbianischen Karibikküste im Kontext von Tourismus
- Lucie Schüssler mit der Magisterarbeit in Katholischer Theologie: Ökologische Krise und Geschlechtergerechtigkeit. Potential für Christliche Sozialethik
- Dr. Lisa Tenderini mit der Dissertation: Oltre i tabù. (Contro-)narrazioni sovversive del ciclo mestruale nellaletteratura italiana dagli anni Sessanta a oggi [Jenseits des Tabus. Subversive Gegen-Narrative der Menstruation in der italienischen Literatur seit den 1960er Jahren]
Mit insgesamt 17 eingereichten Abschlussarbeiten aus zwölf Fächern war wieder ein besonders breites Spektrum der Genderforschung vertreten.
Herausragendes Engagement für Geschlechtergerechtigkeit – mit Forschungsbezug
Darüber hinaus wurde auch der Maria von Linden-Preis vergeben. Der Namensgeberin Maria Gräfin von Linden (1869-1936) wurde als erster Frau in Deutschland für ihre Dissertation der Titel „Scientiae Naturalis Doctor“ verliehen, einige Jahre später wurde sie die erste Titularprofessorin der Universität Bonn. In ihrem Namen wird jedes Jahr das herausragende Engagement von Personen und Gruppen für Geschlechtergerechtigkeit an der Universität Bonn honoriert.
In diesem Jahr wurden gleich drei Personen für ihr Engagement ausgezeichnet:
- Dr. Lisa Tenderini für die Durchführung der Ringvorlesung „Eine transdisziplinäre Kulturgeschichte der Menstruation“, die Initiierung der Plattform „Period Studies“ sowie ihren Beitrag zur Förderung von Gender Studies an der Universität Bonn und darüber hinaus.
- Schwester Jakoba Zöll für die Umsetzung des Zertifikatsprogramms „Gender Studies“, die Mit-Organisation des Forschungskolloquiums „Gender und Diversität“, sowie ihren stetigen Beitrag zur Institutionalisierung von Geschlechterforschung an der Universität Bonn.
- Juniorprofessorin Dr. Elena Reckzeh für ihr Engagement bei „Women in Science“, der Initiierung von „WiS Allyship“ und der Vortragsreihe „Science²: Science meets Partnership“.
Die Gruppe „Women in Science“ um Preisträgerin Elena Reckzeh nutzte die Preisverleihung, um sich in bunten T-Shirts mit Sprüchen gegen eine potenzielle Kürzung des Elterngelds zu positionieren. Für ein langfristiges Gelingen von Gleichstellung sei eine nachhaltige Finanzierung für Familien notwendig, wie die Wissenschaftlerinnen betonten. Die zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Uni Bonn unterstützt diese Botschaft: „Länder, die bei der Gleichstellung besonders erfolgreich sind, stärken die paritätische Beteiligung beider Eltern an der Familienarbeit. Deutschland sollte meiner Meinung nach diesem Weg folgen und keinesfalls die finanziellen Grundlagen dafür schwächen“, so Gabriele Alonso Rodriguez. „Eine faire Verteilung der Sorgearbeit fördert die Gleichberechtigung und ermöglicht Frauen, ihre Karriere in der Wissenschaft voranzutreiben.“