19. Mai 2026

Mythen-Check beim Abendessen Mythen-Check beim Abendessen

In der „Immunsystem Gerüchteküche“ ordneten Forschende in geselliger Atmosphäre Social Media-Beiträge ein

Wer heute etwas für die eigene Gesundheit tun möchte, informiert sich häufig auf Instagram, TikTok & Co. Doch was ist dran an Posts und Trends der Gesundheits-Influencer? Am 13. Mai lud das Exzellenzcluster ImmunoSensation3 der Universität Bonn zum gemeinsamen Abendessen mit fünf Professor*innen, um dieser Frage nachzugehen. In entspannter Atmosphäre wurden Social Media-Beiträge zu Gesundheit und Immunsystem vorgestellt, von den rund 40 Teilnehmenden diskutiert und gemeinsam mit den Expert*innen eingeordnet. Der Auftakt des neuen Formats fand im Rahmen des Bonner „Mai der Wissenschaft“ im John Barleycorn statt.

Immunsystem Gerüchteküche
Immunsystem Gerüchteküche - In entspannter Atmosphäre diskutierten Teilnehmende und Forschende der Uni Bonn Social Media-Beiträge zu Gesundheit und Immunsystem. © Barbara Frommann / Universität Bonn
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„Ein offener und nachhaltiger Austausch funktioniert am besten dort, wo Menschen sich wohlfühlen - zum Beispiel beim gemeinsamen Abendessen“, beschreibt Dr. David Fußhöller, Referent für Wissenschaftskommunikation des Exzellenzclusters ImmunoSensation3, die Grundidee zur Veranstaltung. Anstatt auf großer Bühne oder als Teil eines Panels aufzutreten, gesellten sich führende Forschende des Exzellenzclusters im Rahmen der „Immunsystem Gerüchteküche“ direkt zu den Gästen. Zu Abend gegessen wurde mit Prof. Tobias Bald (UKB), Prof. Elvira Mass (Uni Bonn), Prof. Christoph Wilhelm (UKB), Prof. Florian Schmidt (UKB), Prof. Christian Bode (UKB) und Dr. Nicola Diny (UKB). Für ausreichend Gesprächsstoff sorgten ausgewählte Social Media-Inhalte, die im Verlauf des Abends präsentiert wurden. 

Immunsystem-Hacks von Instagram

"Brokkoli wirkt anti-entzündlich", "Tattoos können eine Impfreaktion stören" und "Fasten schützt vor Diabetes und Alzheimer" sind nur drei der Behauptungen, die für spannende Diskussionen sorgten. Während manche Inhalte schnell einzuordnen waren, konnten andere Fragestellungen nicht abschließend geklärt werden. So war schnell klar, dass Brokkoli durch das enthaltene Sulforaphan entzündungshemmende Wirkung haben kann, der Effekt für unsere alltägliche Ernährung jedoch eher irrelevant ist, da der Stoff nicht hitzebeständig ist und beim Kochen zerstört wird. 

„Viele Moleküle, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden, haben tatsächlich vorteilhafte Eigenschaften, wenn man sie in Zellkultur betrachtet“, sagt Prof. Florian Schmidt vom Institut für Angeborene Immunität am Universitätsklinikum Bonn. „Die interessante Frage ist aber, ob sie diesen Effekt auch dann haben, wenn man sie mit der Nahrung aufnimmt. Und das ist oft gar nicht untersucht.“

Auch beim Thema Fasten gab es kein abschließendes Urteil. „Interessanterweise schützt Fasten tatsächlich vor Diabetes, Alzheimer, und auch vor Krebs“, ordnet Prof. Christoph Wilhelm vom Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie ein. „Wahrscheinlich liegt der Schlüssel dazu in der Vergangenheit, da wir als Menschen immer wieder Perioden des Fastens erlebt haben, die heute durch ein Überangebot an Nahrungsmitteln nicht mehr vorkommen.“ Die zu Grunde liegenden molekularen Zusammenhänge sind Gegenstand aktueller Forschung. Und als mögliche Therapie sollte Fasten auf keinen Fall verstanden werden.

Wie Wissenschaft funktioniert

Warum vermeintlich einfache Lösungen oft wissenschaftlich nicht haltbar sind und wieso sich Studien manchmal widersprechen, wurde an den Tischen der Gerüchteküche ebenfalls thematisiert. Schnell wurde sichtbar, dass Wissenschaft ein Prozess aus Hypothesen, Experimenten und Diskussionen ist. „Gerade Fragen zu diskutieren, auf die es noch keine eindeutige Antwort gibt, hilft zu vermitteln, wie Wissenschaft funktioniert“, sagt Dr. David Fußhöller. „Das gemeinsame Erarbeiten einer möglichen Antwort und das anschließende Teilen dieser Hypothese mit den anderen Tischen macht erlebbar wie Forschende arbeiten.“ Eine Erfahrung, die vielleicht sogar mehr wert ist als das Faktenwissen um die potenziell entzündungshemmende Wirkung von Brokkoli.

Dass dafür bewusst erfahrene Forschende eingeladen wurden, war Teil des Konzepts. Die Expert*innen brachten nicht nur Fachwissen mit an die Tische, sondern auch ihre ganz persönlichen Erfahrungen aus dem Forschungsalltag. So wurden die Vielfalt und Komplexität immunologischer Forschung greifbar. Aber auch warum sie für das Verständnis von Krankheiten und die Entwicklung neuer Therapien unverzichtbar ist. Im persönlichen Gespräch erschien Wissenschaft plötzlich nicht mehr als abstrakte Institution, sondern wurde nachvollziehbar. Nicht durch die Vermittlung vorgefertigter Antworten, sondern durch ehrlichen Austausch und direkte Begegnung.

Dr. David Fußhöller
Referent für Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Exzellenzcluster ImmunoSensation3
Universität Bonn /Universitätsklinikum Bonn
Tel: +49 228 287 51 281
E-Mail: david.fusshoeller@uni-bonn.de

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